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Bihac im Februar 2019: Dirk Planert ist nach 25 Jahren zurückgekehrt. Foto: BR | Eldina Jasarevic

Dirk Planert in Bihac: Eine Reise in die Vergangenheit
Der Mann, der nicht wegschauen konnte

Es dauert genau 25 Jahre, bis Dirk Planert aus Dortmund die Kraft findet, in die nord-westbosnische Stadt Bihac zurückzukehren.

„Ich habe jeden Tag an Bihac gedacht. Ich wusste, irgendwann werde ich fühlen, dass es geht. Und neulich war es dann soweit.“

Mit Bihac verbindet Dirk Planert eine Geschichte, die sich um Krieg, Tod und Leid, aber auch um Hoffnung, Freundschaft und Menschlichkeit dreht. Anfang der 90er Jahre riskiert Dirk Planert als humanitärer Helfer sein Leben, um Medikamente und Lebensmittel durch die Kampflinien bis nach Bihac zu bringen.

1992 ist Dirk Planert Student in Dortmund und sieht, wie Kommilitonen Unterschriften für Kriegsopfer der immer blutigeren Auseinandersetzung in Bosnien und Herzegowina sammeln. Er unterschreibt und kommt ins Grübeln:

„Und dann ist mir ganz schnell klar geworden, dass jetzt die Zeit ist, etwas zu tun. Und nicht in der Uni zu sitzen, zu reden und sich darüber aufzuregen, dass die Weltgemeinschaft das bosnische Volk verrecken lässt. Wenn man sich darüber aufregt, dass die Politik nichts tut, gibt es nur eine Möglichkeit: Selbst etwas tun. Am nächsten Morgen habe ich angefangen.“

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Der kleine Jasmin wurde von seinen Eltern im Krankanhaus in Bihac zurückgelasssen. Dirk Planert ging das Schicksal des Jungen mit Behinderung sehr nah. Jasmin lebt heute nicht mehr.

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Auf die nordwest-bosnische Stadt Bihac fielen zeitweise bis zu 2000 Granaten pro Tag.  Auch Dirk Planert war immer wieder in Lebensgefahr.

Dirk Planert beginnt Hilfslieferungen für Bosnien zu organisieren, zuerst auf eigene Faust mit einem kleinen LKW, später wird daraus die Hilfsorganisation Aktion Soforthilfe mit 400 ehrenamtlichen Helfern. Insgesamt sechs Mal fährt er nach Bihac und versorgt das dortige Krankenhaus mit Hilfsgütern, schleust Menschen aus der Stadt heraus. Im Februar 1994 verbringt er 13 Tage in der Stadt – mitten in einer Großoffensive bosnisch-serbischer Einheiten, während bis zu 2000 Granaten pro Tag auf die Stadt abgefeuert werden. Fast auf den Tag genau 26 Jahre später kehrt er nach Bihac zurück.

„Ich habe vor ein paar Monaten erfahren, dass ich Opa werde. Und dann wusste ich – ich muss vorher hierhin, um dieses Thema abzuschließen – und das kann man nur hier.“

Als Deutscher, der mitten im Krieg immer wieder in der Stadt ist und das Schicksal der Menschen teilt, fällt Dirk Planert in Bihac auf, schließt Freundschaften fürs Leben und bleibt bis heute unvergessen. Die Menschen in Bihac nennen ihn „mali svabo“ also kleiner Deutscher. Auf Facebook kündigt er an, dass er nach Bihac reisen will und postet Fotos, die er im Krieg gemacht hat. Daraufhin bekommt er viele Zuschriften – von Menschen, die ihn unbedingt wiedersehen möchten, weil er ihnen vor 25 Jahren geholfen hat. In Bihac angekommen, besucht Dirk Planert viele Orte, die sich auf ewig in sein Gedächtnis eingebrannt haben. Etwa das Krankenhaus der Stadt. Oder den Ort, an dem er nur sehr knapp einer serbischen Panzergranate entgangen ist. Dirk Planert trifft auch viele Menschen, die er zum letzten Mal im Krieg gesehen hat.

„Obwohl ich meine Freunde Jahrzehnte nicht gesehen habe, ist die Verbindung wundervoll. Als wäre ich nie weggewesen.“

Am 26. Februar verleiht die Stadt Bihac Dirk Planert eine Ehrenurkunde für seine Hilfseisätze in den dunkelsten Stunden, die die Stadt bisher erlebt hat. Das Stadtarchiv plant eine Ausstellung mit den Fotos, die Dirk Planert im Krieg gemacht hat. Sie sollen aktuellen Fotos gegenübergestellt werden. Das Alte soll vom Neuen überschrieben werden“ – sagt Dirk Planert – „wie auf einer Festplatte. Das fühlt sich gut an.“

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