Marteniza in Sofia. Foto: BR | Karin Straka

Ein herzerwärmender bulgarischer Frühlingsbrauch
Die „Marteniza“

Baba Marta oder zu Deutsch „Oma März“ ist eine weibliche Figur, die in Bulgarien den Monat März symbolisiert. Ihre Ankunft und der damit beginnende Frühling wird am 1. März in ganz Bulgarien groß gefeiert. Der wohl berühmteste und beliebteste bulgarische Brauch, der mit Baba Marta in Verbindung steht, ist das Aufhängen von Martenizi. Bei den Martenizi handelt es sich um kleine rot-weiße, in einander geflochtene Fäden, die als Armbändchen an das Handgelenk gebunden oder als Anhänger an die Kleidung geheftet werden. Am Ende von den Fäden können kleine Perlen oder Püppchen angebunden sein. Die männliche Puppe heißt Pijo. Die weibliche heißt Penda.

Martenizi werden am 1. März und den darauffolgenden Wochen im gesamten Familien- und Freundeskreis verschenkt. Dabei wünscht man einander: „Честита Баба Марта! Tschestita Baba Marta!“ („Herzlichen Glückwunsch zum Oma Marta Tag!“). Der Monat März ist in Bulgarien sehr wechselhaft – es kann wunderschönen Sonnenschein geben, aber am nächsten Tag kann es wieder schneien. Dafür soll der launische Charakter von Baba Marta verantwortlich sein. Dem Mythos nach haben ihre beiden kleineren Brüder Januar und Februar (bekannt in Bulgarien als der große und der kleine „Sechko“) in ihrer Tasche herumgewühlt und ihren Wein ausgetrunken. Das machte Baba Marta sehr wütend und traurig. Jedes Mal, wenn sie sich daran zurückerinnert, ändert sich das Wetter ins kalte und regnerische. Allerdings liebt Baba Marta ihre Brüder und somit verzeiht sie ihnen den Diebstahl schnell. Dies spiegelt sich in der wiederkehrenden Sonne.

Das Verschenken der Martenizi, soll Baba Marta besänftigen, damit sie nicht zornig wird und Kälte über das Land schickt. Die Marteniza (Marteniza Einzahl; Martenizi Mehrzahl) wird als Talisman für Gesundheit und ein langes Leben gesehen, sowie ein Symbol des kommenden Frühlings. Man trägt die rot-weißen Glücksbringer so lange, bis man ein erstes Frühlingszeichen – einen Storch, eine Schwalbe oder einen blühenden Baum – sieht. Spätestens zum 1. April hängt man sie dann auf einen knospenden Baum auf oder legt sie unter einen Stein und wünscht sich dabei etwas Schönes. Aber warum ausgerechnet die Farben rot und weiß? Hierzu gibt es verschiedene Erklärungen. Eine von ihnen hängt mit Baba Marta zusammen – die Farbe Rot steht demnach für ihre roten Wangen – ein Symbol der Gesundheit. Weiß steht für ihr weißes Haar – ein Symbol für das hohe Alter.

Es gibt mehrere Legenden, die den Ursprung der Martenizi erklären. Die wohl berühmteste spielt sich um das Jahr 680 n.Chr. ab – kurz vor der Gründung Bulgariens, im Jahr 681. Die Legende besagt, dass die erste Marteniza von der Ehefrau des Gründers Bulgariens, Khan Asparuh, gemacht worden ist. Ahinora habe lange auf ihren Mann gewartet, während er das bulgarische Gebiet entdeckte. Eines Tages habe sie einer Schwalbe einen Brief mit einem weißen Faden um den Fuß gehangen. Auf dem Brief schrieb sie ihre besten Wünsche für Gesundheit und Liebe an ihren Mann. Als die Schwalbe genau am 1. März bei Khan Asparuh ankam, war der Fuß der Schwalbe verletzt und der weiße Faden war durch ihr Blut rot gefärbt. Die Geschichte kennt man aber auch anders – bevor Khan Asparuh in den Krieg zog, versprach er seiner Frau eine Taube mit einem weißen Faden hochfliegen zu lassen, falls er siegt. Als der Winter zu Ende war sah Ahinora endlich die Taube. Der weiße Faden war jedoch rot mit dem Blut des Königs gefärbt, der schwer verletzt, aber lebendig war.

Mit Baba Marta und den Martizini sind viele Traditionen verbunden, so z.B. werden auf dem Land auch Jungtiere und Obstbäume mit einer Marteniza geschmückt. Die Marteniza steht nämlich auch als Zeichen für Fruchtbarkeit. Ähnliche Traditionen zum 1. März gibt es auch in den angrenzenden Ländern – Rumänien und Republik Moldau, dort heißen die Martenizi „Mărțișor“ und in Grichenland „Martis“. Im Jahr 2017 wurde die Marteniza von Bulgarien zusammen mit Rumänien, Republik Moldau und Nordmazedonien für die Aufnahme in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes nominiert und aufgenommen.

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Kommentare (3)

Der Makedone am

Die Autorin Yvonne Samsarova hat einen schönen Bitrag geschrieben, doch sollte sie ein wenig bei der historischen Faktenlage bleiben und übernommene Tradititionen zumindest verallgemeinern, aber nicht als Quelle der Entstehung einer Tradition bezeichnen. Das „entdecken“ Bulgariens klingt so richtig süß, richtig romantisch, doch sollte nicht verkannt werden, dass dieses Gebiet einst zum Zentrum der Zivilisation zählte, Teil des Byzantischen Griechenland war. Man wandert ein und übernimmt für gewöhnlich lokale Tradititionen, so wie es auch heute üblich ist.

Zur historischen Tradition.
Angebommen wird dass diese Tradition aus dem polytheistisch-religiösem Brauch der eleysinischen Mysterien übernommen wurde. Die Mystiker von Eleusis (ΜΥΣΤΕΣ) trugen in der Zeit vom 1. bis 31. März (Monatsname mit dem aktuellen Namen wiedergegeben) den gebundenen rot-weissen Faden, genannt KROKI (im Original: ΚΡΟΚΗ) am rechten Handgelenk sowie am linken Fußgelenk.

Gemäß der Originaltradition behütet und beschützt diese Tradition Martis (Original: ΜΑΡΤΗΣ) die Gesichter der kleinen Kinder vor den Strahlen der nun nach dem Winter (Schlechtwetterzeit, Kakokairie) stärker werdenden Sonne, sie sollte die Gesichter der Kinder vor Sonnenbrand schützen.

Das soll genügen.
Interessierte können weiterforschen.

    Der Makedone am

    Brückenschlag:
    Man kann daher ruhig sagen, dass alle Staaten mit diesem Brauch Teil des griechisch-byzantinischen Kulturkreises sind:
    – Nordmakedonien => Martinka
    – Albanien => Berore bzw. Verore
    – Bulgarien => Baba Marta, Martenitsa
    – Rumänien => Martsisor

Vera am

Sehr interessant ,danke !

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