Das Grabmal ist eine Pilgerstätte für Türken. Leider ist das Mausoleum für Besucher geschlossen. Foto: BR | Attila Poth

Lieblingsplatz: Grabmal von Gül Baba
Ein Stück Osmanisches Reich im Herzen von Budapest

Die Donau befindet sich nur 200 Meter entfernt von der versteckten Mecset Straße im zweiten Budapester Bezirk. Nahe dem Stadtzentrum führt eine hügelige, steile Straße bis zu einer Treppe. Alles sieht ordentlich und ein bisschen steril aus – vor kurzem wurde hier alles renoviert. Wichtige Gäste besuchten im Oktober 2018 diesen Ort: Ungarns Premierminister Viktor Orban und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Hier, auf einem Hügel am Ende der Mecset Straße, befindet sich das Grabmal des Bektaschi-Derwischs Gül Baba.

Videomaterial: Attila Poth

Videobearbeitung: Karin Straka

Der Dichter und Kämpfer kam mit Süleyman dem Prächtigen nach Ungarn. Die Umstände seines Todes sind nicht endgültig geklärt – er starb während oder kurz nach der Eroberung von Buda durch das osmanische Heer 1541. Einige Jahre nach seinem Tod wurde in Buda ein Mausoleum, eine sogenannte Türbe, für Gül Baba gebaut. Schon zu osmanischen Zeiten war das Grabmal des Derwischs ein Wallfahrtsort. Rund um das Mausoleum wurde später ein Bektaschi-Kloster errichtet. Etwa 150 Jahre danach wurden die Osmanen wieder aus Ungarn vertrieben und die Türbe von Jesuiten in eine Kapelle umgewandelt.

 

Gül Baba bedeutet „Vater der Rosen“ – höchstwahrscheinlich haben die Ungarn den Namen des Derwischs falsch verstanden. Er hieß eigentlich Kel Baba („glatzköpfiger Vater“). Diesem Fehler verdankt der Budapester Stadtteil in dem das Grabmal liegt seinen schönen Namen: Roszadomb – Rosenhügel.

Obwohl Gül Baba als Teil der türkischen Eroberer nach Ungarn kam, hält sich ein idyllisches Bild über ihn: ein alter Mann, der sich gerne mit Rosen beschäftigte. Das entspricht wohl nicht ganz den Tatsachen. Als Derwisch war er im Kampf geschult und verantwortlich für die Ausbildung der Janitscharen, der Elitetruppe der osmanischen Armee.

 

Bereits vor der Renovierung war das Denkmal sehr beliebt bei den Budapestern. Ein bisschen verfallene Romantik, ein Ort an dem man nicht nur das atemberaubende Panorama der Stadt genießen konnte, sondern auch ein kuscheliges Fleckchen für Liebespaare. Nach dem Umbau sieht alles sehr schön und gepflegt aus, das Panorama ist geblieben: Blick auf die Donau, die Margareteninsel, das Parlament, die Zitadelle, die Burg. Nur die Romantik ging ein wenig verloren.

Weil es sich um einen muslimischen Wallfahrtsort handelt, hat die Türkei etwa drei Millionen Euro für die Renovierung bereitgestellt. Das Mausoleum, in dem sich der Sarg von Gül Baba befindet, ist für Publikum noch nicht geöffnet. Auf dem Gelände wurden auch ein Museum und ein Konferenzzentrum errichtet, welche der Öffentlichkeit bereits zur Verfügung stehen.

Das Grabmal ist das nördlichste Heiligtum des Islam.

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