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Luftaufnahme des ungarischen Dorfes Kolontar, das am 04. Oktober 2010 von giftigem Rotschlamm überflutet worden war. Foto: Archivaufnahme vom 12.10.2010, (c) dpa

Gericht in Györ fällt Urteile im Rotschlammprozess
Gefängnisstrafen und Freisprüche

Am 4. Oktober 2010 gegen 12.30 Uhr bricht der Damm des Speicherbeckens Nummer 10 der Aluminiumfabrik MAL AG in Ajka bei Kolontar in Westungarn. Aus der riesigen Lücke ergießen sich insgesamt eine Million Kubikmeter ätzender Rotschlamm über die Gegend um Kolontar und Devecser. Der Schlamm ist voller Schwermetalle, wie Chrom, Arsen und Quecksilber. Die giftig rote Lawine überschwemmt nach wenigen Minuten das erste Haus. Insgesamt werden etwa 300 Häuser zerstört. 10 Menschen sterben, die meisten ersticken im Schlamm. Etwa 220 weitere werden verletzt. Viele erleiden Verätzungen. Knapp 500 Menschen verlieren Eigentum. Rund 800 Hektar Ackerland werden ebenfalls verseucht. Außerdem Bäche und Flüsse, darunter auch Donauzuflüsse.

Luftaufnahme des betroffenen Gebietes rund um Kolontar in Ungarn vom 09. Oktober 2010. Foto: earthobservatory.nasa.gov
Luftaufnahme des betroffenen Gebietes rund um Kolontar in Ungarn vom 09. Oktober 2010. Foto: earthobservatory.nasa.gov

Acht Jahre nach der Umweltkatastrophe in Westungarn hat ein Gericht in Györ die – nicht rechtskräftigen – Urteile gefällt. Angeklagt waren 15 ehemalige Topmanager der privaten Aluminiumfabrik MAL AG. Fünf der Anklagten wurden freigesprochen, darunter der frühere deutsche Geschäftsführer der MAL AG. Gegen zehn weitere Angeklagte wurden unterschiedliche Urteile verhängt. Der ehemalige Chef der Aluminiumfabrik MAL AG, Zoltan Bakonyi, und der frühere technische Direktor Joszef Deak müssen zweieinhalb beziehungsweise zwei Jahre ins Gefängnis. Ohne Bewährung aber mit Aussicht auf vorzeitige Entlassung. Wegen des Verursachens öffentlicher Gefahr und Verstoß gegen das Abfallgesetz. Die weiteren Angeklagten erhielten Bewährungs- und Geldstrafen. Der Richter in Györ sagte, das gebrochene Speicherbecken habe schon zuvor Risse aufgewiesen, diese hätten zu dem Dammbruch geführt. Zudem sei weit mehr des giftigen Rotschlamms in dem Speicherbecken gelagert worden als erlaubt. Die MAL AG stellte 2016 den Betrieb ein.

 

Die Staatsanwaltschaft hatte für dreizehn der fünfzehn Angeklagten Freiheitsstrafen gefordert, unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, Gefährdung der Öffentlichkeit, Umweltverschmutzung und Verstoß gegen die Abfallgesetze. Die Umweltorganisation Greenpeace in Ungarn nannte die Urteile in einer Erklärung historisch. Bemängelte aber, die Verantwortung der für die Kontrolle zuständigen Behörden sei nicht wirklich untersucht worden. Gergely Simon von Greenpeace sagte der ARD kurz vor dem Urteil, auch heute habe Umweltschutz in Ungarn keine Priorität. EU-Gesetze würden nicht umgesetzt und die ungarischen Behörden hätten die MAL AG nicht ausreichend kontrolliert. Nicht nur in Ungarn auch in anderen Ländern Mittelost- und Südosteuropas gäbe es Probleme mit der Lagerung von Rotschlamm, ein Abfallprodukt bei der Aluminiumproduktion. Etwa in Rumänien oder in Bulgarien.

Am 04.10.2010 gegen 12.30 Uhr bricht der Damm des Speicherbeckens Nummer 10 der Aluminiumfabrik MAL AG in Ajka bei Kolontar in Westungarn. Aus der riesigen Lücke ergießen sich insgesamt eine Million Kubikmeter ätzender Rotschlamm über die Gegend um Kolontar und Devecser.

 

2011 wird die MAL AG zu einer Geldbuße verurteilt, zahlt aber nicht.

 

2012 beginnt in Veszprem ein Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen frühere leitende Direktoren und Manager. Darunter der Generaldirektor der MAL AG Zoltan Bakonyi. Alle Angeklagten werden

 

2016 freigesprochen. Grund für den Dammbruch sei ein instabiler Unterboden gewesen, befinden die Richter. Das Gericht in Györ hebt die umstrittenen Freisprüche aber wieder auf und verhandelt neu.

 

Im Dezember 2017 beginnt der zweite Prozess in Györ gegen die 15 Angeklagten wegen fahrlässiger Tötung, Umweltverschmutzung und  Mißachtung der Regeln der Abfallwirtschaft. Mehr als sieben Jahre nach der Katastrophe.

 

Am 04.02.2019 fällt ein Gericht in Györ die – nicht rechtskräftigen – Urteile. Angeklagt waren 15 ehemalige Topmanager der privaten Aluminiumfabrik MAL AG.

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Beitrag aus der Tagesschau, 04.02.2019, 15:00

Beitrag: Michael Mandlik

Kamera: Max Grohs

Schnitt: Christine Deriaz

Das (Anm.: der Schlamm) ist doch sehr verdünnt. Natürlich sollte man darin nicht baden. Wenn jemand dennoch mit der Flüssigkeit in Berührung kommt, dann sollte die Haut ein wenig abgewaschen werden und es wird keine bleibenden Schäden geben.

Zoltan Bakonyi, Ex-Chef der MAL AG, kurz nach der Katastrophe

"Es sollen die zahlen, die die Schäden verursacht haben."

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban im Jahr 2010

Nach der Katastrophe werden weder die Bevölkerung noch die zuständigen Stellen rechtzeitig informiert. Ambulanz, Feuerwehr, Polizei, Katastrophenschutz, Zivilschutz, Kommunalbehörden oder der Wasserschutz. Die ungarische Regierung gab mindestens 80 Millionen Euro aus, um das Gelände zu reinigen. Erde wurde abgetragen, neue Häuser gebaut, außerdem wurden Bäume gepflanzt, die den belasteten Boden mit entgiften sollten. Laut Greenpeace Ungarn sind Fauna und Flora in dem Gebiet nicht mehr verseucht, das hätten eigene Untersuchungen vor einigen Jahren ergeben. Allerdings sei das Grundwasser überdurchschnittlich mit Arsen belastet. Greenpeace Ungarn und Betroffene geben der MAL AG die Schuld. Die Firma, die 2016 geschlossen wurde, habe Risse in dem Auffangbecken ignoriert und es habe doppelt so viel Rotschlamm darin gelagert, als erlaubt. Rotschlamm entsteht als Abfallprodukt bei der Aluminiumproduktion. Er besteht unter anderem aus Natronlauge, die die Haut verätzen kann.

"Es ist eindeutig, dass es mehrere Verantwortliche gibt und keine Zufälle zu dieser Katastrophe geführt haben, sondern Unregelmäßigkeiten."

Gergely Simon, Greenpeace Ungarn, 2019

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Insgesamt wurden durch die giftige Schlammlawine 10 Menschen getötet und etwa 300 Häuser zerstört. Foto: Archivaufnahme vom 07.10.2010, picture alliance | JOKER
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