Zum Streik bei Audi in Györ hat die ‚unabhängige Gewerkschaft bei Audi Hungaria‘ aufgerufen. Sie vertritt rund 9.000 der 13.200 Mitarbeiter. Foto: BR | Srdjan Govedarica

Streik bei Audi in Györ
‚Wir sind Audi!‘

Auf den ersten Blick wirkt der Streik im Audi-Werk in Györ wie jeder andere Streik auch. Bänder stehen still, Mitarbeiter versammeln sich bei Kundgebungen, tragen Leuchtfarben und schwingen Fahnen. Gewerkschafter halten Reden, es wird gejubelt, getrommelt und getrötet.

 

Doch dieser Streik ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen fordern die Streikenden üppige 18% mehr Geld. Zum anderen hat der Streik Auswirkungen weit über Ungarn hinaus, denn weil die in Györ produzierten Motoren seit Tagen fehlen, können am Stammsitz in Ingolstadt keine Autos gebaut werden. Und zum dritten ist ein Streik, der über eine Woche andauert und zudem einen wichtigen ausländischen Investor trifft, ein Novum in Ungarn.

„Wir schreiben gerade Geschichte“ – sagt einer der Streikenden am Werkstor. Die frühere Sorge vor Arbeitsplatzverlust oder anderen Nachteilen bei einem Streik scheint einem neuen Selbstbewusstsein bei Arbeitnehmern und Gewerkschaften gewichen zu sein. Das hängt damit zusammen, dass in Ungarn praktisch Vollbeschäftigung erreicht ist und Arbeitskräfte fehlen. So sieht das auch dieser Lehrer, der als moralische Unterstützung zum Audiwerk gekommen ist:

„Seit 2010 gibt es keinen großen Streik mehr in Ungarn. Und dass ein Streik eine Woche gedauert hat, daran erinnere ich mich überhaupt nicht. Wir Lehrer haben im April 2016 mal einen Tag gestreikt, und damals waren viele mit uns solidarisch. Das ist normal unter Gewerkschaftlern.“

Lehrer, unterstützt die Streikenden

In der Sache fühlen sich die Audi-Mitarbeiter in Györ vor allem deshalb ungerecht behandelt, weil sie im Vergleich zu Mitarbeitern anderer Werke des VW-Konzerns deutlich weniger verdienen – in Westeuropa aber auch in anderen Ländern Ost- und Mitteleuropas. Dieser Streikende spricht vielen seiner Kolleginnen und Kollegen aus der Seele:

„Grundsätzlich wollen wir höhere Löhne erreichen, aber nicht im Vergleich mit dem ungarischen Lohnniveau. Es ist so, dass die ungarischen Löhne im Konzern weit unter denen in anderen Ländern sind. Gleichzeitig ist aber die Leistung der ungarischen Arbeitnehmer mindestens genauso gut. Deshalb denkt die Gewerkschaft, dass eine Lohnerhöhung angebracht ist“

Streikender

Wie lange noch im größten Motorenwerk des VW-Konzerns gestreikt wird, kann zur Zeit niemand sagen. Ursprünglich war der Streik für eine Woche angesetzt. Die „Unabhängige Gewerkschaft bei Audi Hungaria“ (AHFSZ) behält sich jedoch vor, ihn weiter auszudehnen. Man sei der Unternehmensleitung bei den Verhandlungen der vergangenen Tage bereits entgegengekommen – ohne zufriedenstellendes Ergebnis. Nun sei Audi am Zug.

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Zum Ende der Nachmittagsschicht versammeln sich die Streikenden zu einer Kundgebung. Gewerkschafter informieren sie dabei über den aktuellen Stand der Verhandlungen. Foto: BR | Srdjan Govedarica
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