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Mit versteckter Kamera nahmen die Journalisten des bosnischen Onlinemagazins ZURNAL die Übergabe des gekauften Zeugnisses auf. Foto: Videoausschnitt | Magazin Zurnal Online

Gekaufte Zeugnisse in Bosnien und Herzegowina
Krankenpflegerin in 17 Tagen

Es hat nur deshalb 17 Tage gedauert, weil die Winterferien dazwischenlagen. Sonst hätte die Journalistin des Onlinemagazins „Zurnal“ ihr Zeugnis als Krankenpflegerin noch schneller bekommen. Anfang Januar gelang dem Zurnal Team ein richtiger Coup. Nach wenigen Telefonaten und Treffen mit einem Kontaktmann gelang es der als Lockvogel getarnten Journalistin des Magazins ein Zeugnis zu bekommen, das ihr die Umschulung zur Krankenpflegerin bescheinigt.

 

Kostenpunkt: 1.250 Euro

 

Normalerweise hätte sie dafür mindestens ein Jahr lang die Schulbank drücken müssen. Das Zeugnis ist keine Fälschung, sondern ein Original mit Brief und Siegel einer existierenden Bildungseinrichtung.

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Nach einigen Informationen sind etwa 5000 solcher Zeugnisse in Bosnien und Herzegowina im Umlauf. Nicht nur für medizinisches Personal. 5000 Zeugnisse, die so oder so ähnlich zu bekommen waren.

Avdo Avdic, Redakteur des Onlinemagazins „Zurnal“

Die Recherche hat in Bosnien und Herzegowina hohe Wellen geschlagen. So sollen etwa die Bildungsabschlüsse aller Mitarbeiter im gesamtstaatlichen Parlament überprüft werden.  Das werde nicht viel bringen, sagt Journalist Avdo Avdic, denn so ließen sich höchstens gefälschte Zeugnisse identifizieren. Gekaufte Orginalzeugnise aber nicht. Hierfür müssten laut Avdic die Mechanismen der Betrugsmasche aufgedeckt und strafrechtlich verfolgt werden. Doch die Staatsanwaltschaft unternehme so gut wie nichts.

 

Als wird die Geschichte geplant haben, haben wir als erstes recherchiert.  Als wir alle relevanten Dokumente zusammen hatten, haben wir festgestellt, dass sie der Staatsanwaltschaft bereits im September vorlagen. Sie hätte Ermittlungen aufnehmen müssen, hat das aber abgelehnt.

Avdo Avdic, Redakteur des Onlinemagazins „Zurnal“

Das Thema betrifft aber auch Deutschland: Im Zeitraum 2016-2017 sind mehr als 50.000 Bürger Bosnien und Herzegowinas nach Deutschland ausgewandert. Viele, um in so genannten Mangelberufen zu arbeiten, oft im medizinischen Bereich. Ob und wie viele von Ihnen mit gekauften Originalzeugnissen nach Deutschland gekommen sind, lässt sich zur Zeit nicht genau beantworten und ist sehr schwer zu überprüfen. Journalist Avdo Avdic glaubt, dass es schwierig ist, diesen Betrug zu beenden, solange die Masche in Bosnien nicht ausermittelt und geklärt ist.

Bis dahin können die Deutschen nichts Anderes tun, als bosnische Arbeitskräfte zu meiden. Denn wenn sie nicht wollen, dass Automechaniker Kranke behandeln, dann müssen sie verhindern, dass Menschen mit solchen Zeugnissen ins System eindringen

Avdo Avdic, Redakteur des Onlinemagazins „Zurnal“

Deutsche Klinik reagiert auf ARD Bericht.

Bis auf weiteres keine Pflegekräfte aus Bosnien-Herzegowina.

 

Nach den Berichten über gekaufte Zeugnisse hat die Klinik Diepholz reagiert. Sie legte einen abgeschlossenen Rahmenvertrag mit einer Fachvermittlung im Gesundheitswesen  auf Eis. Diese sollte Pflegekräfte rekrutieren, vor allem in Bosnien-Herzegowina. Das bestätigte die kaufmännische Direktorin der Klinik Diepholz Brigitte Bösch dem ARD Studio Südosteuropa in Wien. Bisher seien über diesen Vertrag keine Pflegekräfte aus Bosnien-Herzegowina in die Klinik gekommen. Man beschäftigte keine Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus Bosnien – Herzegowina und wolle bis auf weiteres auch keine einstellen. Die Klinik Diepholz (mit den Standorten Diepholz, Sulingen, Bassum) werde zunächst weitere Informationen bei der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft einholen.

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