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Maria Rösslhumer ist Geschäftsführerin des Vereins Autonome österreichische Frauenhäuser und Chefin der Frauenhelpline gegen Gewalt. Foto: BR | Clemens Verenkotte

Österreich debattiert über Gewalt gegen Frauen
Fünf Morde an Frauen seit Jahresbeginn

Die Verunsicherung sei jetzt sehr groß: Die Frauenhelp-Line in Wien verzeichnet seit Jahresbeginn einen „enormen Anstieg“ von Anrufen besorgter Frauen, sagt Maria Rösslhumer, die Geschäftsführerin des Vereins Autonome österreichische Frauenhäuser und Chefin der Frauenhelpline gegen Gewalt. Eine Serie von Morden an Frauen innerhalb weniger Wochen erschüttert Österreich und hat eine intensive politische Debatte über Ursachen, Ausmaß und Prävention ausgelöst.

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  • Am 8. Januar ersticht ein Österreicher türkischer Herkunft in Amstetten seine Ehefrau vor den Augen der drei gemeinsamen Kindern
  • Am 9. Januar ermordet ein Österreicher in Krumbach seine ehemalige Freundin mit einem Messer
  • Am 13. Januar  wird die Leiche einer 16jährigen in einem Park in Wiener Neustadt erdrosselt aufgefunden, der 19jährige syrische  Ex-Freund  wird als dringend Tatverdächtiger festgenommen
  • Am 15. Januar ersticht ein junger Spanier somalischer Herkunft seine ältere Schwester im Wiener Hauptbahnhof
  • Am 21. Januar ersticht ein 36jähriger Mazedonier seine Ehefrau auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Tulln

Wir hatten gleich zu Jahresbeginn bereits fünf Morde an Frauen. Das macht uns natürlich extreme Sorgen und wir hoffen, dass es abbricht und  wir nicht so viel Morde haben wie letztes Jahr. 2014 hatten wir 19 Morde an Frauen und mittlerweile eben schon 41 im vergangenen Jahr.

Maria Rösslhumer, Maria Rösslhumer ist Geschäftsführerin des Vereins Autonome österreichische Frauenhäuser und Chefin der Frauenhelpline gegen Gewalt

Aufgeschreckt von den Frauenmorden reagierte Österreichs Regierung in der letzten Woche und stellte ein zusätzliches Maßnahmenpaket vor, darunter mehr Geld für Übergangswohnungen für Frauen, die heimischer Gewalt ausgesetzt sind sowie die Einrichtung einer dreistellige Notrufnummer. Im vergangenen  Jahr, so die Kritik der Opposition, habe die Regierung  Kürzungen bei den Finanzmittel für Frauen- und Familienberatungsstellen vorgenommen, die sie nun wieder – nach den jüngsten Frauenmorden –  zurücknehme.

 

Seit 2014 hat sich die Anzahl von Morden an Frauen in Österreich verdoppelt

Zudem hat das Innenministerium eine sogenannte „Screening-Gruppe“ eingesetzt, die die jüngsten Frauenmorde genauer analysieren soll.  Dabei werde, wie Innenstaatssekretärin Karoline Edtstadler (ÖVP) im ORF betonte, künftig nicht mehr allein zwischen Täter unterschieden, die Österreicher bzw. Nicht-Österreicher sind, sondern „ob der Österreicher Migrationshintergrund hat oder nicht.“ Mit der Flüchtlingskrise seien Migranten nach Österreich gekommen, die ein patriarchalisches Rollenverständnis hätten. Die Frau würde als  Besitz gesehen, so Familienministerin Juliane Bogner-Strauss, ein Denken, das in Österreich in dieser Art nicht  stattfinde, sondern „importiert“ worden sei.

Patriarchale Haltungen sind nicht importiert

Laura Wiesböck, Soziologin an der Universität Wien, spricht  bei sogenannten „Beziehungstaten“ davon, dass Männer gegenüber Frauen Gewalt anwendeten, sofern diese dem vermeintlichen „Anspruch“  des Mannes nicht gerecht würden. Die These, wonach männliche Gewalt gegen Frauen eine „Bedrohung von außen“ darstelle, hält die Soziologin und Buchautorin für nicht gerechtfertigt. „Wir haben auch zahlreiche Statistiken zur Verfügung über schutzsuchende Frauen von Gewalt von Männern. In Österreich waren es  2017 rund 18.000 Fälle. Also, dass man davon spricht, dass patriarchale Haltungen importiert sind, basiert auf keine empirische Grundlage.“

Gewalt gegen Frauen sei ein globales und nicht ein importiertes Thema, gibt Maria Rösslhumer von der Frauenhelpline zu bedenken. Allerdings: Durch die Zuwanderung habe sich vieles verstärkt. „Wir haben natürlich auch viel mehr Männer aus Kriegsgebieten. Wenn die nach Österreich kommen, dann bringen sie natürlich auch ihr Männlichkeitsbild oder  Frauenbild, und das ist natürlich auch vielfach ein patriarchales Denken oder Denkmuster, das sie mitbringen.“

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