Ko pjeva zlo ne misli - wer singt, denkt nichts Böses. So heißt es in den Sprachen des ehemaligen Jugoslawiens. Foto: stock.adobe.com | Andrew Bayda

Die Gesangseinlagen des serbischen Außenministers Ivica Dacic
'Ich werde weitersingen'

Ko pjeva zlo ne misli – wer singt, denkt nichts Böses. So heißt es in den Sprachen des ehemaligen Jugoslawiens. Nimmt man dieses Sprichwort wörtlich, dann ist Ivica Dacic ein wahrer Engel. Denn der serbische Außenminister singt bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Besonders gerne aber bei offiziellen Empfängen. Zuletzt durfte sich Russlands Präsident Vladimir Putin bei seinem Staatsbesuch in Belgrad über ein Ständchen freuen. Begleitet von einem Orchester schmetterte ihm der serbische Außenminister den russischen Gassenhauer „Kalinka“ entgegen. Ob es ihm gefallen hat oder nicht, versteckte Vladimir Putin hinter seinem berühmten Pokerface.

 

 

Dacic singt für Putin

Quelle: Youtube | THE KNEZ

Für Recep Tayyip Erdogan suchte sich Dacic einen orientalisch angehauchten Song aus – und baute sich mit Funkmikrophon in der Hand wie ein geübter Kneipensänger vor dem Präsidententisch auf. Der türkische Präsident und seine Gattin Emine klatschten ebenso rhythmisch wie pflichtschuldig mit.

Dacic singt für Erdogan

Quelle: Youtube | TRT World

Beim Empfang zur Feier des Amtsantritts des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic verhob sich Ivica Dacic allerdings ein wenig bei der Songauswahl. „O Sole Mio“, war dann doch eine Nummer zu groß. Der Refrain entglitt dem singenden Außenminister – er schmetterte ihn reichlich schräg.

Dacic singt für Vucic

Quelle: Youtube | bomayee

In der serbischen Presse ist es immer wieder Thema, ob die Gesangseinlagen des Ivica Dacic der Würde des Amtes entsprechen oder den Außenminister nicht viel mehr als eine Art Hofnarr wirken lassen. Ivica Dacic geht in solchen Fällen meist in die Offensive. Der serbischen Zeitung „Alo“ sagte er:

„Ja, ich habe gesungen und ich werde auch weitersingen. Ich habe für Merkel gesungen und für Sergej Lawrow, Catherine Ashton, Edi Rama, Erdogan und Putin und ich singe auch für Trump, wenn es sein muss, ich schäme mich nicht dafür. Diplomatie und diplomatische Siege lassen sich manchmal mit Gesang, Charme und gutem Witz erreichen und nicht nur mit Ultimaten, Gegenmaßnahmen und Gewalt.“

Ivica Dacic, serbischer Außenminister

Dass er auch anders kann, wenn er nicht gerade singt, zeigt Ivica Dacic immer wieder. Als ihn der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic einen „erfolglosen Schlagersänger“ nannte, antwortete Dacic mit einer Anspielung auf die faschistische Vergangenheit Kroatiens im zweiten Weltkrieg: „Tut mir leid Plenkovic, aber ‚Lili Marleen‘ oder ‚Za dom spremni‘ [Anmerkung: Ein rechtsradikaler kroatischer Gruß] kann ich nicht singen und auch für euch Kroaten wäre es besser, wenn ihr beim Schlager bleiben würdet“.

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