Gegner und Unterstützer der serbischen Führung waren diese Woche auf der Straße Foto: BR | Dejan Stefanovic

Zehntausende für und gegen Vucic
Belgrader Bühnen

Nach dem Angriff auf den serbischen Oppositionellen Borko Stefanovic Ende November 2018 dauern die Proteste in Serbien an, die durch die brutale Tat ausgelöst wurden. Tausende Menschen gehen seit sechs Wochen immer samstags auf die Straße. Sie wollen Medienfreiheit, faire Wahlen und eine Ende des autoritären Führungsstils des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic. Dieser habe aus Serbien einen  korrupten Parteienstaat gemacht und führe das Land in Richtung Diktatur. Auch der Schauspieler Branislav Trifunovic sieht das so.

Drohungen sind wir gewohnt, über soziale Netze. Aber das interessiert mich nicht.

Branislav Trifunovic, 38, Schauspieler und Gesicht der jüngsten Proteste in Serbien

Vom rechten bis zum linken Spektrum hat sich die serbischen Opposition zum „Bündnis für Serbien“ zusammengetan. Die Politiker halten sich allerdings im Hintergrund. Sie wissen, dass viele der Protestierenden auch von der Opposition enttäuscht sind und sie deren Vertrauen erst wiedergewinnen müssen. Die Gewalt gegen Oppositionelle in Serbien wird bei den Protesten aber entschieden verurteilt und der Zugang alternativer Meinungen zu den Medien ist eine wichtige Forderung. An der Spitze der Proteste stehen zur Zeit Vertreter der Zivilgesellschaft. Außer der verbliebenen bürgerlichen Mittelschicht , sind auch Arbeiter, Rentner und viele Studierende dabei. Vor allem die jüngeren waren schon bei den Protesten im Frühjahr 2017 dabei, nach der Wahl von Aleksandar Vucic zum Präsidenten. Auch außerhalb Belgrads regt sich Widerstand, Proteste gibt es auch in Nis, Kula oder Kragujevac.

Aktionen wie unsere gibt es, weil der Staat die klassische Oposition sinnlos gemacht hat. Wir wollen den Staat nicht verändern, sondern den Menschen zeigen, dass sie den Staat verändern können."

Predrag Vostinic, 44, selbstständig, von der "Lokalen Front" in Krajlevo

„Einer von fünf Millionen“

Selbst wenn fünf Millionen Menschen auf die Straße gingen, würde er dem Druck der Straße nicht weichen. So reagierte der serbische Präsident Aleksandar Vucic auf die jüngsten Proteste in Serbien. Diese laufen seitdem unter dem Motto „Einer von fünf Millionen“.

Das Vucic-Regime herrscht vor allem mit Hilfe von Angst. Seine Fortschrittspartei hat über 700.000 Mitglieder, was unglaublich ist. Sie haben alle Medien unter Kontrolle und damit die Menschen in der Hand.

Branislav Trifunovic, Schauspieler und Vucicgegner

„Einer von 300 Millionen“ Tausende bei Großkundgebung für Vucic und Putin

Der russische Präsident Vladimir Putin war diese Woche zu einem Kurzbesuch in Belgrad. Und mehr als zehntausend Menschen aus ganz Serbien und dem Kosovo nahmen das zum Anlass, um ihre Verbundenheit mit Putin und dem serbischen Präsidenten Vucic zu zeigen. Sie waren mit hunderten Bussen nach Belgrad gebracht worden, denn es war ganz offensichtlich vor allem eine Veranstaltung der Fortschrittspartei SNS von Aleksandar Vucic. Auch viele Putinporträts waren zu sehen. Die Menschen liefen in Gruppen nach Städten geordnet, darunter Leposavic und  Mitrovica im Kosovo oder Uzice und Kraljevo in Serbien. “Zusammen sind wir 300 Millionen“, so lautet ein Spruch, der in Serbien gerne zitiert wird wenn es um das Verhältnis des kleinen Serbiens zum großen Russland geht. Laut Kritikern soll Vucic und Putin Unterstützern Geld dafür bezahlt worden sein. Bei der der Arbeit sei ihnen freigegeben worden. Auf Nachfrage der ARD in Belgrad wiesen das einige Befragte zurück. „Wer soll mich bezahlt haben?“  fragte eine ältere Dame entrüstet, sie sei freiwillig nach Belgrad gekommen. Die Großkundgebung vor der Kirche des Heiligen Sava wurde offiziell von dem unbekannten Verein „Centrum für die Entwicklung Belgrads“ organisiert, doch Kritiker halten das für unglaubwürdig, unter ihnen die serbische Journalistin Tatjana Vojtehovski. Niemand, der auch nur ein bisschen gesunden Menschenverstand habe könne solchen Populismus glauben, zumal Präsident Vucic und Präsident Putin auf der Veranstaltung reden würden. Das war dann aber nicht der Fall. Auch Nebojsa Zelenovic hielt die Putin-Vucic Jubelnden für reine Claqeure. Er ist Bürgermeister in Sabac, eine von nur drei verbliebenen Gemeinden in Serbien, die von der Opposition regiert werden und nicht von der Fortschrittspartei von Aleksandar Vucic. Dieser habe den Putinbesuch in eine Gegenkundgebung verwandelt, als Antwort auf die laufenden Proteste, sagte Nebojsa Zelenovic im ARD Interview. „Er ist so ein Feigling, das er den Putinbesuch zum Anlass nimmt, seine Anhänger herzukarren, um seine Macht zu zeigen.“

Schweigemarsch für Oliver Ivanovic

Vor der serbisch orthodoxen Kirche des Heiligen Sava in Belgrad stellen Bürger Kerzen auf. Sie erinnern an den kosovoserbischen Oppositionspolitiker Oliver Ivanovic.  Er wurde im 16. Januar 2018 in (Nord-) Mitrovica ermordet.

Video: Dejan Stefanovic

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