Europäische Kulturhauptstadt 2019
Plovdiv: Sehr alt und jung zugleich 

Die Stadt Plovdiv blickt auf eine 8.000 Jahre alte Geschichte zurück und ist damit eine der ältesten Städte Europas, älter als Rom oder Athen. Und tatsächlich präsentiert die zweitgrößte Stadt Bulgariens eine Patina mit vielen Schichten unterschiedlicher geschichtlicher Epochen. Die Römer haben ein antikes Theater und ein Stadion hinterlassen, das Osmanische Reich eine der ältesten Moscheen des Balkans, die Phase der nationalen Wiedergeburt im 18. und 19. Jahrhundert hinterließ reich verzierte Häuser ehemals wohlhabender Händler. Plovdiv wirkt deshalb vielerorts wie ein Freilichtmuseum.

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Das Szeneviertel Kapana im Herzen der Stadt bietet ein Kontrastprogramm. Die kleinen, aneinander gedrängten Häuser in den engen Gassen des Viertels erinnern mit ihren bunten Fassaden ein bisschen an Amsterdam. Liebevoll eingerichtete Cafés und Restaurants, Galerien, Modegeschäfte und kleine Krimskramsläden ziehen vor allem junge Menschen an. Sie lassen das Viertel ein bisschen wie ein so genanntes Hipster-Viertel westlicher Großstädte erscheinen. Das war nicht immer so. Früher war Kapana ein Viertel der traditionellen Handwerkskunst. Doch die Schneider, Goldschmiede, Gerber und Uhrmacher verließen das Viertel nach und nach, ihre Häuser blieben oft unbewohnt. Kapana verfiel so in eine Art jahrelangen Winterschlaf. Doch dann startete der 36-jährige Dimitar ein Wagnis und zog mit der kleinen Redaktion seines Onlinemagazins hierhin. Viele andere folgen seinem Beispiel.

Wir haben hier ein verlassenes Haus gemietet, ein totes Haus, und haben unsere Redaktion hierhergebracht, unter das Dach in den letzten Stock. Und dann haben wir beschlossen, ein Café zu eröffnen unten im ersten Stock. Denn wenn kreative Menschen einen Treffpunkt haben sollen, dann geht es nicht ohne Cafés. Da, wo Leben entstehen soll, braucht man auch Cafés. Nachdem unsere Bar eröffnet war, haben viele das Potenzial dieses Umfelds erkannt, inzwischen sind in der Straße mindestens 12 solche Kneipen. Wir haben nichts dagegen, wir freuen uns, dass wir einen Trend gesetzt haben.

Dimitar Semkov, Journalist

Im Kulturhauptstadtjahr wird es in Plovdiv über 500 Events und Veranstaltungen geben. Vom Jazzfestival, über Theater- und Opernaufführungen bis zur Puppenparade ist einiges dabei. Die künstlerische Leiterin des Events Svetlana Kujumdzieva sagt, dass es ihr bei der Planung wichtig war, die Seele von Plovdiv zu bewahren und etwas zu erschaffen, was auch nach 2019 bleiben wird.

Ich bemühe mich zum Beispiel darum, dass die Infrastruktur nicht zu sehr im Vordergrund steht. Wir kennen die Erfahrungen aus anderen Städten, die zum Beispiel die Olympischen Spiele ausgetragen haben, wo nach den Ereignissen leere Hüllen zurückbleiben, also Infrastruktur, die nicht mehr genutzt wird. Deswegen bemühen wir uns, keine neue Infrastruktur zu bauen, sondern Bestehendes weiterzuentwickeln und zu erhalten. Das ist unsere Maxime.

Svetlana Kujumdzieva, künstlerische Leiterin der europäischen Kulturhauptstadt 2019 Plovdiv.
Svetlana Kuyumdzhieva ist künstlerische Leiterin des Kulturhauptstadtjahres. „Wir bereiten uns schon sieben Jahre lang auf diesen Titel vor“ – sagt die 41-jährige - „Und ich kann mit Sicherheit sagen, dass dieses Projekt nicht mit dem Jahr 2019 enden wird.“ Foto: BR | Srdjan Govedarica
Svetlana Kuyumdzhieva ist künstlerische Leiterin des Kulturhauptstadtjahres. „Wir bereiten uns schon sieben Jahre lang auf diesen Titel vor“ – sagt die 41-jährige - „Und ich kann mit Sicherheit sagen, dass dieses Projekt nicht mit dem Jahr 2019 enden wird.“ Foto: BR | Srdjan Govedarica
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Kommentare (2)

Peter Hofmueller am

Da „muss“ ich hin ,aber „wie“?Mit Bus oder Bahn ab Linz ad Donau?Plovdiv!

    Gordan Godec am

    Lieber Herr Hofmüller, hier gibt es allerlei Tips und Infos! Mit lieben Grüßen. Online-Redaktion

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