Seit Mitte Dezember 2018 hat der 55-jährige Fritz ein Zimmer im neuen VinziDorf in Wien. Davor ist er von einer Notunterkunft zur nächsten gezogen. Foto: BR | Videostandbild | Daniel Dzyak

Neues Obdachlosenprojekt in Wien
Mini-Hütten statt Schlafsaal

Von außen sehen sie ein bisschen aus wie moderne Ferienhäuser – die Architektur des neuen VinziDorfs in Wien soll Obdachlose zum Bleiben bewegen und ihnen Individualität ermöglichen. 24 kleine Einheiten mit Toilette, Bett und Tisch hat die kirchliche Organisation VinziWerke im Dezember 2018 in Wien fertig gestellt, pünktlich bevor der Winter mit kalten Temperaturen vielen Obdachlosen schwer zusetzt. Die Idee: durch ein möglichst niederschwelliges und ansprechendes Angebot sollen Wohnungslose von der Straße geholt werden. Eigene vier Wände anstatt großer Schlafsäle oder Notquartiere – im VinziDorf lebt es sich schlicht aber individuell. Die Bewohner teilen sich Gemeinschaftsduschen und bekommen warme Mahlzeiten. Für den 55-jährigen Fritz eine Art Erlösung:

„In den Notquartieren klauen sie einem noch das wenige, was man überhaupt hat“

Fritz, Obdachloser

In Graz gibt es ein solches VinziDorf schon seit über 25 Jahren, mit Erfolg: viele Obdachlose haben sich dauerhaft niedergelassen. Manche bis zu ihrem Tod. Darum haben die VinziWerke sogar mit einer eigenen Hospizarbeit für Obdachlose begonnen, dem „VinziDorf-Hospiz“. Initiator und Gründer der katholischen „Vinzenzgemeinschaft Eggenberg“ ist Pfarrer Wolfgang Pucher.

„Wir haben angefangen mit einem Bauhütten-Container: den Container aus Blech haben wir neben dem Pfarrhaus aufgestellt, eine Matratze rein und eine Heizung und die Obdachlosen waren glücklich“

Wolfgang Pucher, Pfarrer und Gründer der katholischen 'Vinzenzgemeinschaft Eggenberg'

Die Bewohner des VinziDorfs in Graz und in Wien dürfen in ihren Zimmern rauchen und Alkohol trinken – vielen geht es laut Pucher schon nach wenigen Wochen im VinziDorf deutlich besser. Und trotzdem ist er gegen jeglichen Leistungs- oder Besserungsgedanken in der Obdachlosenhilfe. Wegen zu vieler Vorschriften, so Pucher, blieben manche einfach auf der Straße. Dort aber lebe niemand freiwillig, ist der katholische Geistliche überzeugt.

„Wir bieten einen Ort an, an dem die Obdachlosen ihre kleine Welt, in der sie leben möchten, behalten können. Niemand soll vorschreiben, wann sie schlafen gehen, sich waschen, Alkohol trinken oder was sie anziehen müssen.“

Wolfgang Pucher, Pfarrer und Gründer der katholischen 'Vinzenzgemeinschaft Eggenberg'

Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Günter Stöger

Beitrag: Johannes Reichart

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