Borko Stefanovic bei einer Pressekonferenz in Belgrad nach dem Angriff - er zeigt ein Foto der mutmaßlichen Täter. Foto: BR | Dejan Stefanovic

Kritik an der Gewalt gegen die Opposition in Serbien
‚Stoppt die blutigen Hemden‘

In den letzten fünf Wochen sind in Belgrad zehntausende Menschen auf die Straße gegangen. Auslöser war der Angriff auf den serbischen Oppositionspolitiker Borko Stefanovic. Er ist Chef der außerparlamentarischen Serbischen Linken und wurde Ende November 2018 auf dem Weg zu einer Veranstaltung in Krusevac von drei Männern brutal zusammengeschlagen. Parteifreunde, die ihm zu Hilfe eilten, wurden ebenfalls verprügelt.

Politische Gegner werden verleumdet und aufs schlimmste beleidigt. Er (Anm. Vucic) bezeichnet uns täglich als Diebe, Kriminelle und Verräter. Er versucht, uns Oppositionelle vor den Bürgern zum schlimmsten Abschaum zu machen.

Borko Stefanovic, Politiker

Der Angriff auf den Oppositionspolitiker löste in Serbien die größten Proteste seit dem Frühjahr 2017 aus. Die Menschen kritisieren den autoritären Führungsstil von Aleksandar Vucic, der Justiz und Medien kontrolliert und mit der „Serbischen Fortschrittspartei“ SNS einen Parteienstaat aufgebaut habe, in dem Korruption und Vetternwirtschaft an der Tagesordnung seien. Die Protestierenden fordern Zugang zu den Medien und eine unabhängige Berichterstattung, die auch die Meinung der Opposition in Serbien abbilden soll. Diese kann ihre Position praktisch nur im Internet vertreten. Aus der Kopfwunde von Borko Stefanovic floss Blut auf sein Hemd und bei den Protesten heißt es deswegen auch: „Stoppt die blutigen Hemden“.

Die Gewalt gegen Borko Stefanovic ist kein Einzelfall. Auch vor Wahlen oder bei Partei- und Infoveranstaltungen werden Oppositionelle aktiv eingeschüchtert. Diese machen den 44-jährigen Vucic indirekt mitverantwortlich. Mit seinen Äußerungen und verbalen Attacken habe er eine Atmosphäre der Feindseligkeit geschaffen.

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Borko Stefanovic auf einer Demonstration. Das Schild mit dem Namen des ugandischen Gewaltherrschers 'Idi Amin' setzt Präsident Aleksandar Vucic mit einem Diktator gleich. Foto: BR | Dejan Stefanovic
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