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Daniela Kickl schreibt Briefe an Österreichs Innenminister Kickl
"Lieber Cousin Herbert..."

Daniela Kickl ist die Cousine des österreichischen Innenministers Herbert Kickl. Seit über einem Jahr schreibt sie auf ihrem Blog „Brieferl“ an ihren Cousin, in denen sie die aktuelle österreichische Tagespolitik kritisch und humorvoll kommentiert. Die 48-jährige steht politisch links und ihr zwei Jahre älterer Cousin gehört der rechten FPÖ an, die mit der ÖVP von Kanzler Sebastian Kurz regiert. Auslöser für das Briefeschreiben war ein Ereignis im österreichischen Parlament im November 2017. Damals erinnerte der scheidende SPÖ-Kanzler Christian Kern an die Pogrome gegen jüdische Bürgerinnen und Bürger im Jahr 1938. Die FPÖ Abgeordneten klatschten nicht, darunter Herbert Kickl. „Ich möchte dazu was schreiben“, dachte Daniela Kickl, zögerte aber zunächst. Wegen möglicher Angriffe aus dem rechten Lager. Daniela Kickl hat inzwischen rund 150 Briefe an „den Herbert“ geschrieben. Diese sind inzwischen auch als Buch erschienen und ihre Lesungen in Österreich wurden bisher noch nie von Rechten gestört.

Solange ÖVP und FPÖ an der Macht sind, schreibe ich weiter. Das geht ja gar nicht anders.

Daniela Kickl

Video: Jan Heier

Es ist völlig egal, was man macht. Es wird immer mindestens einen geben, dem das nicht passt.

Daniela Kickl

"Liebe Grüße, Cousine Daniela...“

Mit diesen Worten endet jeder Brief, den Daniela Kickl an ihren Cousin Herbert schreibt.  Sie ist Betriebswirtin und lebt in Irland, wo sie früher bei Apple gearbeitet hat. Herbert Kickl hat noch nie auf ihre Briefe reagiert. Aus der weitverzweigten Familie kämen bisher nur positive Reaktionen darauf, aber das seien wohl auch die, die sich melden würden, meint Daniela Kickl. Das Ganze sei ohnehin keine Familienangelegenheit, zumal sie nie über Privates schreibt. Die Väter von Herbert und Daniela Kickl sind Brüder. Herbert Kickls Familie lebte in Kärnten, Daniela Kickls Familie war in Wien zuhause und als Kinder und Jugendliche hatten die beiden nie viel miteinander zu tun. 1989 studierten beide in Wien, doch Herbert ging ging eigene Wege und machte in der rechten FPÖ Karriere. Herbert Kickl war unter anderem Redenschreiber des tödlich verunglückten FPÖ Übervaters Jörg Haider und viele Jahre FPÖ Generalsekretär und Wahlkampfstratege. Slogans wie „Daham staat Islam“ oder „Wiener Blut, zu viel Fremdes tut Niemand gut“ gehen auf sein Konto. Im Kabinett Kurz stieg Herbert Kickl dann zum Innenminister auf. Der Triathlet ist ein Hardliner in Asyl und Migrationsfragen und löste eine Affäre rund um das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung aus. Diese wird zur Zeit von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgeklärt.

Die Briefe sind ein Stilmittel. So kann ich mit ihm (Anm. Herbert Kickl) ganz anders kommunizieren, als wenn ich direkt an die FPÖ schreiben würde.

Daniela Kickl

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