Die Somali-Region in Äthiopien ist Schauplatz zahlreicher regionaler Konflikte. Militär und Milizen sind überall, auch in den Flüchtlingslagern. Foto: BR | Michael Mandlik

Vor dem EU-Afrika-Forum in Wien
Bundeskanzler Kurz besucht äthiopisches Flüchtlingslager

Es ist der immer härter geführte Kampf um grundlegende Ressourcen wie Holz oder Vieh, weswegen knapp drei Millionen Menschen in Äthiopien zu Flüchtlingen geworden sind – im eigenen Land. Das Bild, das sich dem österreichischen Bundeskanzler Kurz bei einem Besuch des Flüchtlingslagers namens Qologij in der östlichen Somali-Region zeigt, ist mehr als alarmierend. Auch wenn sich das von der UNO und vom World Food Programme betreute Camp mit derzeit 38.000 Flüchtlingen in einem halbwegs geordneten Zustand zeigt: stetig müssen Nahrungsmittelrationen gekürzt werden oder notwendige medizinische Versorgungsleistungen entfallen. Zum einen, weil versprochene finanzielle Unterstützungen von Geldgebern verspätet ankommen oder gar ganz ausbleiben. Zum anderen, weil die Region von lokalen und extrem brutal geführten Konflikten überzogen ist. Diese können im somalisch-äthiopischen Grenzgebiet buchstäblich überall und spontan ausbrechen. Immer mehr Menschen werden so vertrieben und auf unbestimmte Zeit heimatlos. 385 Camps mit 2,7 Millionen Flüchtlingen gibt es allein in der Somali-Region.

Werben um Afrika-Initiative

Am 17. Dezember 2018 findet in Wien das sogenannte EU-Afrika-Forum statt. Im Rahmen des gegenwärtigen EU-Ratsvorsitzes Österreichs hatte Kurz beim vergangenen EU-Gipfel in Salzburg zusammen mit EU-Ratspräsident Donald Tusk für eine neue Afrika-Initiative der Europäischen Union geworben. Im Zusammenhang mit Flucht und Migration sollte es um eine intensivierte wirtschaftliche Zusammenarbeit der EU mit afrikanischen Staaten gehen. Denn nur mit verbesserten Lebensbedingungen in Afrika lassen sich Abwanderungstendenzen verlangsamen oder gar stoppen, so die Denklogik.

Viel zu lange gezögert

Das mag richtig sein. Aber die beinahe unüberschaubare Vielfalt der unterschiedlichen Konfliktlagen in Afrika verlangt dann nach jeweils individuellen politischen Lösungs- und Vermittlungsansätzen; auch wenn es – wie am Beispiel der Somali-Region – um vergleichsweise simple, aber gleichwohl überlebensnotwendige Dinge geht – wie Holz oder Vieh. Klar ist: viel zu lange hat Europa gezögert, den in schwere Bedrängnis geratenen Menschen in Afrika nicht nur vereinzelt humanitär, sondern auch flächendeckend und effizient ökonomisch zu Hilfe zu eilen. Viele inner-afrikanische Konflikte hätten sich so voraussichtlich auch vermeiden lassen. Das europäische Desinteresse an Afrika rächt sich nun, mit Situationen von Flucht und Vertreibung wie in der äthiopischen Somali-Region. Denn auch diese humanitären Katastrophen werden Europas Küsten erreichen.

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