Granthi (Priester) Ravinder Singh und Gursharan Singh Mangat (re.) im Wiener Sikh Tempel im 22. Bezirk. Foto: BR | Andrea Beer

Österreichische Sikhs kritisieren geplantes Kopftuchverbot in Grundschulen
Nicht ohne Turban und Patka

Die rund 15.000 österreichischen Sikhs sind verunsichert. Denn die ÖVP-FPÖ Regierung von Kanzler Sebastian Kurz möchte das Kopftuch in Grundschulen verbieten und laut FPÖ Fraktionschef Walter Rosenkranz wäre auch der Turban oder der Patka verboten, den Sikh Jungen dort tragen. Die jüdische Kippa ist von den umstrittenen Gesetzesplänen ausgenommen und das möchte auch die Sikhgemeinschaft für ihren sogenannten Patka erreichen.

„Wie soll das ohne Patka und Turban funktionieren? Er ist ein Bestandteil unserer Identität. Ein Verbot wäre eine Katastrophe.“

Gursharan Singh Mangat, Sprecher der Sikh Gemeinschaft in Österreich

„Frauen sind bei uns gleichberechtigt.“

Gursharan Singh Mangat, Sprecher der Sikh Gemeinschaft in Österreich

„Eine Verschleierung von Kleinkindern sollte definitiv nichts sein, was in unserem Land Platz haben sollte.“

Sebastian Kurz, Bundeskanzler Österreich (ÖVP)

Für Kleinkinder in Kindergärten ist das Kopftuchverbot in Österreich bereits beschlossene Sache, nun soll das Verbot auf Grundschulen ausgeweitet werden. Wird dagegen verstoßen, soll sogar eine Geldstrafe von bis zu 440 Euro verhängt werden können. Die Gesetzesinitiative gegen die „Verhüllung des Hauptes aus weltanschaulichen oder religiösen Gründen“ kommt von der mitregierenden rechten FPÖ und Parteichef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache verspricht sich eine präventive Wirkung. Jeder einzelne Fall sei zu viel. Laut FPÖ soll das geplante Gesetz die Diskriminierung von Mädchen verhindern und einer „Frühsexualisierung“ entgegenwirken, da mit dem Kopftuch Geschlechtsreife signalisiert werde. Wie viele Mädchen zwischen 6 und 10 Jahren von dem geplanten Verbot betroffen wären ist unklar. Verlässliche Zahlen gibt es nicht. Ob das Gesetz mit der österreichischen Verfassung und der Religionsfreiheit vereinbar wäre ist umstritten. Von der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich kommt scharfe Kritik. Das geplante Verbot sei antimuslimisch und was Integration angehe kontraproduktiv.

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Der Goldene Tempel von Harmandir Sahib. Wallfahrtsort und höchstes Heiligtum der Sikhs in Amritsar in Punjab (Indien). Das Bild hängt im Gebetsraum des Wiener Sikh Tempels. Foto: BR | Andrea Beer
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Kollateralschaden Patka?

Bevor Sikhjungen einen Turban bekommen, tragen sie einen Patka. Dass solche Kopfbedeckungen an Grundschulen verboten werden sollen, hat bei vielen österreichischen Sikhs eine Mischung aus Entsetzen und Überraschung ausgelöst. „Wir sind ein Kollateralschaden“, glaubt Gursharan Singh Mangat, der Sprecher der Sikhs in Österreich. Turban oder Patka der Sikhs hat aus seiner Sicht nichts mit Emanzipation von Frauen und Mädchen oder Integration zu tun, zumal er nur von Jungen und Männern getragen wird. Die Sikhs sind keine offiziell anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich und es gibt rund 15.000 österreichische Sikhs. Die kleine Gemeinschaft möchte jetzt mit der Politik ins Gespräch kommen, um ihren Standpunkt darzulegen. Das ist keine ganz einfache Aufgabe, denn die Sikh-Gemeinschaft hat zwar Tempel, aber keine festgelegten Strukturen, die sich um solche Probleme kümmern.

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Während der Flüchtlingsbewegung 2015 kochten die Sikhs im Wiener Tempel Essen für die Menschen. Wenn jemand Hilfe braucht, muss er diese bekommen, sagt Gursharan Singh Mangat. Das sei Teil der Religion. Foto: BR | Andrea Beer
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