Mircea Cartarescu (Mitte) bei der Preisverleihung des Thomas-Mann-Preises mit dem Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau und der Lübecker Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer. Foto: Mareike Dohm/Fotografie in der Altsatadt

Ehrung für Rumäniens großen Schriftsteller
Thomas-Mann-Preis für Mircea Cartarescu

Mircea Cartarescu spürt in seinen Werken die kulturellen und gesellschaftlichen Differenzen seiner Heimat nach. Mit enzyklopädischer Akribie und nicht erlahmender Neugier. Der 62 Jährige hat mit seinen seit den 80er Jahren erscheinenden Gedichten, Romanen und Erzählungen Generationen von Lesern sowie auch den intellektuellen Diskurs Rumäniens mitgeprägt. In Lübeck wurde er am 17. November mit dem Thomas-Mann-Preis geehrt, der gemeinsam von der Hansestadt Lübeck und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, München, verliehen wird. (Die Laudatio und die Dankesrede finden Sie unter dem angegebenen Link)

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Mircea Cartarescu empfindet nach eigenen Worten eine tiefe Verbundenheit mit den europäischen Werten, der Freiheit, der Demokratie, der Liberalität; Werten, die zu einer der Charakteristika des 1956 in Bukarest geborenen Schriftstellers gehören. Unabhängig von den wechselvollen, politischen Gezeiten und der scheinbar am Rande Europas befindlichen geographischen Lage Rumäniens versteht sich Cartarescu von je her als europäischen Intellektuellen, und damit in der Tradition des rumänischen Bildungsbürgertums, das sich Frankreich und Deutschland oftmals näher fühlte als den originären Nachbarn.  Er formuliert umsichtig, verständnisvoll, wenn er von seiner „extrem gespaltenen“ Heimat spricht. Aber er kann auch sehr entschieden Partei für die Bürger ergreifen, wenn er von der Notwendigkeit der immer wieder stattfindenden Proteste gegen die Gefährdung des Rechtsstaats in dem noch jungen EU-Mitgliedsland Rumänien durch eine zunehmend illiberal agierende Regierung spricht.

Ich gehöre zu den Intellektuellen, die an dieser Bürgerbewegung teilnehmen. Meiner Meinung nach sind solche Bürgerbewegungen sehr notwendig, in einem Moment, in dem die Politik nicht mehr funktioniert. Natürlich kann die Bürgerbewegung nicht die Politik ersetzen, aber die Bürgerbewegung kann die Politik zur Verantwortung ziehen.

Mircea Cartarescu

Bukarest, seine Geburts- und Heimatstadt, bildet für den sprachbildnerisch herausragenden Cartarecsu stets die zentrale, unverzichtbare schriftstellerische Identität. Was Europas Zukunft angehe, so sei er eigentlich ein Optimist, sagt Cartarescu. Allerdings: Antidemokratische Tendenzen reichten von Amerika bis Russland, von der Türkei bis in die EU. Auch sein Heimatland, das unterstreicht Cartarescu, befinde sich auf dem Weg in die falsche Richtung.

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