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Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das am 1. Dezember 1918 ausgerufen und 1929 in Königreich Jugoslawien umbenannt wurde, umfasste ein Territorium, das im Wesentlichen bis Anfang der 90ziger Jahre Bestand haben sollte: Serbien, Kroatien, Slowenen, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro und Mazedonien. Foto: Prof.Mag. Michael Floiger | Interfoto | picturedesk.com

Der November 1918  und die Folgen für Serbien und Kroatien
Passé oder prägend?

Gab es im November 1918 eine realistische Alternative zu dem, was dann folgte: Zur Bildung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen? Konnten sich die von Habsburger- und Osmanen-Herrschaft befreiten Nationen bereits damals die Eigenstaatlichkeit vorstellen? Nein, sagen uns renommierte Historiker in Belgrad und Zagreb, die wir zu den Folgen des Ende des Ersten Weltkriegs befragt haben.

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Von allen Kriegsteilnehmern hatte das Königreich Serbien prozentual die höchsten Verluste zu beklagen: Rund ein Viertel der Bevölkerung kam von 1914 bis 1918  ums Leben. Nach Jahren der Besatzung durch österreichisch-ungarische, deutsche und bulgarische Truppen und sehr verlustreichen Kämpfen an der Seite der Entente-Mächte Frankreich und Großbritannien sei das Land im November 1918 wirtschaftlich, finanziell und menschlich völlig ausgeschöpft gewesen, meint Professor  Vojislav Pavlovic, Direktor an der Serbischen Akademie der  Wissenschaften und Künste.

Dieses Serbien, das praktisch von der griechischen Grenze bis zur Save und Donau befreit wurde, war länger als vier Jahre okkupiert. Diese Besatzung hatte nicht nur die Kontrolle des Territoriums zum Ziel, sondern auch eine wirtschaftliche Erschöpfung des Landes, die Vernichtung des Bewusstseins über die serbische staatliche und nationale Identität. Die Folge war, dass Serbien damals in die deutsche und die bulgarische Okkupationszone geteilt war. Nach Ideen der Besatzer sollte Serbien nach Kriegsende nicht mehr als Rivale oder ein unabhängiger Staat erscheinen, der auch der Grund für den Kriegsbeginn war, so wie er begonnen hatte, mit dem Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien.

Professor  Vojislav Pavlovic, Direktor an der Serbischen Akademie der  Wissenschaften und Künste.

Die Kroaten konnten mit dem Ende des Ersten Weltkriegs gleich zwei Bindungen beenden, die ihre Geschichte geprägt hatten: Die Gemeinschaft mit den Ungarn, die bis in Mittelalter zurückging und mit den Habsburgern, die seit 1572 auch kroatische Könige waren. Die Idee der nationalen Eigenstaatlichkeit, die dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens Anfang der 90ziger Jahre zugrunde lag, sei damals, vor 100 Jahren, noch nicht dominant gewesen, analysiert

Umbenennung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen in Königreich Jugoslawien durch König Alexander in Belgrad am 3. Oktober 1929. Foto: Scherl | SZ-Photo | picturedesk.com
Umbenennung des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen in Königreich Jugoslawien durch König Alexander in Belgrad am 3. Oktober 1929. Foto: Scherl | SZ-Photo | picturedesk.com

Einen Willen nach eigenem kroatischen Staat gab es zu der Zeit praktisch nicht. Außerdem war gar nicht klar, welches Territorium dieser Staat hätte haben können. Kroaten hatten zwar innerhalb der K.u.K. Monarchie die Idee, besonders seit 1867, der Zusammenführung des Königreiches Kroatien, Slawonien und Dalmatien, aber diese Idee ist zu der Zeit sehr abstrakt und scheint nicht realistisch.

Professor Tvrtko Jakovina von der Universität Zagreb, einer der führenden Geschichtswissenschaftler des Landes.

Zitat: " Im Rahmen meiner Erkenntnisse habe ich den Eindruck, dass es nicht so viele andere Lösungen gab. Damals existierten zwei alternative Lösungen: Eine, dass die Staatlichkeit des Staates der Südslawen im Rahmen Österreich-Ungarns anerkannt wird. Das war de facto nicht möglich, weil die Alliierten seine Anerkennung abgelehnt haben – aufgrund der Forderung Italiens, das seine territorialen Ansprüche an der anderen Adriaküste, basierend auf dem Londoner Abkommen, erfüllt haben wollte.  Die andere Alternative wäre ein Großserbien. Dieses Großserbien wollten aber weder die serbische Regierung noch die serbische Armee, weil sie der Ansicht waren, dass ein gemeinsamer Staat viel bessere Lebensbedingungen für alle geboten hat inklusive Serbien. Deshalb würde ich sagen, dass der gemeinsame Staat doch eine Entscheidung von allen war. Was aber damals nicht festgelegt oder nicht vorgesehen wurde, war, wie dieser gemeinsame Staat aussehen wird."

Der Belgrader Historiker Vojislav Pavlovic, Direktor an der Serbischen Akademie der Wissenschaften und Künste kommt zu einem gleichlautenden Ergebnis:

Der Zerfall der beiden großen Mächte auf dem Balkan, des Habsburger Reichs und des Osmanischen Reichs,  eröffnete den Weg zu einer Gründung eines neuen, die Region umfassenden Staates: Des  Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, das am 1. Dezember 1918 ausgerufen und – später, 1929, in Königreich Jugoslawien umbenannt wurde. Es umfasste ein Territorium, das im Wesentlichen bis Anfang der 90ziger Jahre Bestand haben sollte: Serbien, Kroatien, Slowenen, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro und Mazedonien.

Jede der Nationen, die sich im Königreich Jugoslawien vereinigten, habe sich von der neuen staatlichen Einheit etwas anderes versprochen, so der Historiker Jakovina von der Universität Zagreb: Die Serben hätten darin eine historische Gelegenheit gesehen, sich als Kriegssieger, als zahlenmäßig stärkstes südslawisches Volk, mit eigener Dynastie und mit dem Wohlwollen der internationalen Gemeinschaft, in gewisser Weise den anderen aufzwingen zu können.

Nach damaliger  kroatischer Ideologie seien die Serben zwar als Sieger gekommen, aber sie seien „unsere Brüder“.  Zudem machten Serben nicht mehr als 40% der Bevölkerung des zukünftigen Staates aus, und hätten so nie die Rolle der absoluten dominierenden Macht spielen können. Die Dalmatiner hätten einen südslawischen Bund wollten, um sich vor Italienern zu retten. Die Slowenen hätten ebenfalls Angst vor Italienern und dem Verlust ihres Territoriums gehabt.

Viele hätten zu der Zeit geglaubt, dass sie in einem südslawischen Staat ihr nationales Territorium bewahren und sich weiter entwickeln könnten. Allerdings: Die Unzulänglichkeiten des neu gegründeten Staats dürfe man im Rückblick den damals Handelnden zum Vorwurf machen.

 

 

 

Diese Gemeinschaft war eine der ärmsten auf der Welt. In dieser Gemeinschaft hatte niemand eine demokratische Erfahrung, so dass wir nicht zu streng mit den Eliten sein dürfen, die den Staat aufbauten. Aber   gleichzeitig war das eine solide Lösung, denn wie wäre es sonst gegangen - mit den Ungarn, Österreichern, Italienern? - So kam es zu einer Lösung, mit der ein nicht gut funktionierendes Königreich Jugoslawien geschaffen wurde, aber es wurde ein Staat geschaffen, wo der Hegemon dies nie absolut sein konnte, weil er u.a. zahlenmäßig zu klein war.

Professor Tvrtko Jakovina von der Universität Zagreb, einer der führenden Geschichtswissenschaftler Kroatiens.
Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das am 1. Dezember 1918 ausgerufen und 1929 in Königreich Jugoslawien umbenannt wurde, umfasste ein Territorium, das im Wesentlichen bis Anfang der 90ziger Jahre Bestand haben sollte: Serbien, Kroatien, Slowenen, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro und Mazedonien. Foto: Prof.Mag. Michael Floiger | Interfoto | picturedesk.com
Das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das am 1. Dezember 1918 ausgerufen und 1929 in Königreich Jugoslawien umbenannt wurde, umfasste ein Territorium, das im Wesentlichen bis Anfang der 90ziger Jahre Bestand haben sollte: Serbien, Kroatien, Slowenen, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro und Mazedonien. Foto: Prof.Mag. Michael Floiger | Interfoto | picturedesk.com
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Kommentare (1)

Pik am

Kosovo war nie eine republik sonder serbisches Land. 1 dez.1918 hat sich Serbien selbst hingerichtet

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