Feuer unter den Füßen
Mit dem ´Jewish Welcome Service´ in der Gedenkstätte Mauthausen

Seit 1980 lädt der „Jewish Welcome Service“ der Stadt Wien Überlebende und ihre Nachkommen ein. Der „Jewish Welcome Service“ wurde von dem gebürtigen Polen Leon Zelman (1928-2007) mitgegründet. Dieser überlebte Auschwitz und Ebensee, ein Außenlager, des KZ Mauthausen bei Linz und arbeitete nach dem Krieg im staatlichen Reisebüro in Wien. Er merkte, dass es bei Überlebenden außerhalb Österreichs Interesse an der alten Heimat gab, vielen aber das Geld für eine Reise fehlte. Die Idee zum „Jewish Welcome Service“ entstand. Rund 4000 Überlebende und ihre Nachkommen sind seitdem einer Einladung der Stadt Wien gefolgt. Nach wie vor kommen Überlebende, aber auch Angehörige der zweiten oder dritten Generation nach dem Holocaust. Im Oktober 2018 fuhren elf Besucher aus Israel, den Niederlanden, USA oder Kanada in die Gedenkstätte Mauthausen bei Linz.

Die erste Generation habe ich erlebt, besonders beim Heurigen, da kommt eine große Liebe zu Wien. Sie singen die Lieder mit, sie fangen dort an, Walzer zu tanzen. Da merkt man wirklich wie sie aufgewachsen sind, das ist bei der zweiten Generation nicht mehr so. Sie können nicht die Liebe zu einer Stadt haben, von der sie nichts Gutes gehört haben. Die Basis der zweiten Generation heißt: „Es gibt uns!“

Die Wienerin Milli Segal begleitet den Jewish Welcome Serive der Stadt Wien seit rund fünf Jahren.

Video: Jan Heier

Das Konzentrationslager Mauthausen

Zwischen 1938-1945 sind rund 190.000 Menschen aus 60 Ländern in den Lagern Mauthausen und Gusen, sowie einem Netz von Außenlagern gefangen. Es ist das einzige Konzentrationslager auf österreichischem Gebiet und in sieben Jahren kommen insgesamt 90.000 Menschen ums Leben. Sie leben unter härtesten Bedingungen, hungern , werden gequält und gefoltert und müssen im Steinbruch oder für die Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leisten. Ab 1941 baut die SS in Mauthausen eine Gaskammer. Am 5. Mai 1945 werden Gusen und Mauthausen von der US Armee befreit. Viele der Täter werden nach Kriegsende nie belangt. Amerikanische Militärgerichten verurteilen insgesamt rund 300 Angeklagte wegen der Verbrechen in Mauthausen, 115 von ihnen zum Tode. Vor österreichischen Gerichten scheitert eine umfassende Aufarbeitung und die öffentliche Auseinandersetzung mit der Rolle Österreichs während des Nationalsozialismus kommt erst Mitte der 80er Jahre mit der „Waldheimaffäre“ in Gang. Heute kümmert sich unter anderem das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) um die Interessen von Überlebenden und ihren Nachkommen. Das MKÖ ist Teil der internationalen Organisation des „Comite International de Mauthausen“, das 18 nationale Organisationen umfasst. Das MKÖ erforscht die Lagergeschichte, engagiert sich in der Erinnerungsarbeit, und organisiert Jugendprojekte wie Zivilcourage Trainings. Auch Rechtsextremismus und die Auseinandersetzung mit der mitregierenden rechten „Freiheitlichen Partei Österreichs“ FPÖ ist für das MKÖ ein Thema. Schon in den 60er Jahren beschließen Überlebende, Vertreter der von Nazis gegründeten FPÖ nicht zu Gedenkfeiern einzuladen. Ein Beschluss, der bis heute gilt.

Ich bin kein Opfer und meine Eltern auch nicht! Denn das jüdische Leben geht weiter.

Deborah Kurtz, aus Toronto, Kanada. Besucherin des Jewish Welcome Service im Oktober 2018

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Der 9. November 1938

Wien, Salzburg, Graz, Villach, Klagenfurt. Am 9. November 1938 kommt es auch auf österreichischem Gebiet zu systematisch geplanten Angriffen auf die jüdische Bevölkerung. Etwa 30 Menschen werden ermordet, 7800 verhaftet, 4000 ins KZ Dachau deportiert. Landesweit werden Geschäfte jüdischer Bürger geplündert und zerstört, hunderte Synagogen und Bethäuser eingeäschert. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Österreich, dem sogenannten „Anschluss“ im März 1938, bis Kriegsende werden mehr als 65.000 aus Österreich deportierte Jüdinnen und Juden getötet und 130 000 vertrieben. Überlebende sind nach 1945 in Österreich nicht erwünscht und es dauert lange bis sich das ändert.

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