Ausstellungsansicht. In der Mitte der Sarg einer Spitzmaus, der der Ausstellung als Namensgeber diente. Foto: © KHM-Museumsverband

Gelungene Ausstellung in Wien
Wenn Wes Anderson Museum macht

Es war an einem kalten Januarmorgen 2015: Jasper Sharp, Kurator im Kunsthistorischen Museum Wien, erhielt einen Anruf von Freunden. Ob er Zeit und Lust hätte, sich zum Frühstück zu verabreden? So kamen Jasper Sharp erstmals in Kontakt mit dem amerikanischen Filmemacher Wes Anderson und dessen Partnerin, der Designerin und Autorin Juman Malouf, den Überraschungsgästen beim Frühstückstreff. Die Idee zu einem äußerst gelungenen Experiment, das jetzt in Wien bestaunt werden kann, war schnell geboren.

"Wir haben Wes eingeladen, aus der Tiefe der Sammlungen eine neue Ausstellung zu gestalten – ganz subjektiv"

Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums Wien

Die Ausstellung

Aus den über vier Millionen Objekten der 14 Sammlungen des Museums wählten Wes Anderson und Juman Malouf rund 420 Exponate aus, die jetzt in den sieben Ausstellungsräumen im Kunsthistorischen Museum ihre einzigartige Wirkung entfalten. So hängen etwa ein grünes Theaterkostüm aus Shantung-Seide, das Erika Pluhar 1978 in Ibsens Hedda Gabler getragen hat, neben dem Portrait der Erzherzogin Maria Christierna im grünen Gewand aus dem Jahr 1592: Eine verblüffende Farb- und Faltenwurf-Ähnlichkeit.

Oder: In einer kleinen, in kindlicher Augenhöhe angebrachten Vitrine, in der eine 120 Jahre alte Spielpuppe der Inuit sorgsam angeordnet neben einem winzigen Modellpaar Schneeschuhen und einem Paar sechs Zentimeter langer Mokassins aus dem Nordamerika zu Ende des 20. Jahrhunderts zu bewundern sind, sowie – einem Minimodellpaar Sandalen aus Bolivien, die gerade einmal vor 30 Jahren hergestellt worden sind. Weiter: Ein rötlicher, hölzerner Stachelfisch aus Bali vor 1935 in einer Vitrine neben einer holzbemalten, aufgerichteten Schlange des 2. Jahrtausends vor Christus aus ägyptischer Zeit. Erneut – eine einzigartige Wirkung. Das Exponat, das zugleich der Namensgeber ihrer Ausstellung „Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures“ ist: Ein ca. 20 Zentimeter langer und 11 Zentimeter hoher hölzerner, bemalter Sarg einer Spitzmaus, eine Grabbeigabe aus pharaonischer Zeit vier Jahrhunderte vor Christus.

 

Die Stimmigkeit der, wie Wes Anderson mit einer gehörigen Portion Understatement formuliert, „unkonventionellen Zusammenstellung“ ist verblüffend und sehr gelungen!

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
„Es gibt keine Spitzmaus in diesem Sarg. Irgendwann zwischen Ägypten und heute ist die Spitzmaus selber verloren gegangen. Also wir haben nur den Sarg. Also ist es keine ‚Mummy in a Coffin‘. Es gibt nur einen Coffin.“ - Jasper Sharp, Kurator. Foto: BR | Clemens Verenkotte
0:00 | 0:00
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.