Die Fahne der Seychellen ist die perfekte Fahne für die Region. Sie vereint die rumänischen und ungarischen Farben. Foto: BR | Andrea Beer

Die Stadt Oradea im rumänisch-ungarischen Grenzgebiet
Wo Vergangenheit quicklebendig ist

Am 1. Dezember 2018 wird in Rumänien das hundertjährige Jubiläum der Staatsgründung begangen. Und auch in Oradea flattern die blau-gelb-roten rumänischen Trikoloren im Wind. Am Rathaus, an Schulen oder vielen Kirchen hängen große Plakate, die an Protagonisten und Wegbereiter der rumänischen Staatsgründung erinnern. Die rund 200.000 Einwohner Stadt liegt in Transsilvanien im Nordwesten Rumäniens und bis zur ungarischen Grenze sind es nur ein paar Kilometer.

Das Parteienbündnis der ungarischen Minderheit in Rumänien hat das anstehende Jubiläum zum „Tag der Trauer“ erklärt, denn bis 1918 gehörte das Gebiet zur österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. Im Zuge der rumänischen Unabhängigkeitsbewegung schloss es sich 1918 an Rumänien an. Das damalige Königreich hatte der K.-u.-k.-Monarchie zuvor – im Jahre 1916 – den Krieg erklärt.

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Oradea - Blick auf den Fluss Kreisch und die Synagoge. Foto: BR | Andrea Beer
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Nach 1918 verlor Ungarn zwei Drittel seines damaligen Gebietes und war auf einen Schlag winzig klein. Rumänien hingegen war fast doppelt so groß wie noch 1914 und zudem ein Vielvölkerstaat geworden, in dem rund 30 Prozent Nichtrumänen lebten. Heute leben mehr als eine Million Ungarn in Rumänien. Das verläuft nicht ohne politische Spannungen, doch die Grenzregion profitiert von der Europäischen Union.

Sichtweisen aus Oradea

"Wir haben hier Respekt gegenüber allen Menschen, die für Stadt und Region etwas Gutes geleistet haben, ganz gleich welcher Ethnie sie angehörten oder wann sie gelebt haben. Es ist ganz normal, dass auf historische Ereignisse unterschiedlich zurückgeblickt wird.“

Ilie Bolojan, Bürgermeister von Oradea

"Man muss verstehen, dass die Ungarn in Transsilvanien eine tausend Jahre lange Geschichte haben, während der rumänische Staat gerade mal einhundert Jahre alt ist."

Sandor Pasztor, Präsident des Landkreises Bihor

Ausrufung einer europäischen Republik

Am 10. November verliest Orlando Balas in Oradea öffentlich ein Manifest für Europa. Das sogenannte ‚European Balcony Project‘ geht auf die Idee einer Gruppe um den österreichischen Schriftsteller Robert Menasse zurück. Orlando Balas kritisiert auch, dass die sozialdemokratisch geführte rumänische Regierung die Justiz teilweise unter politische Kontrolle gestellt hat.

 

Videomaterial: Herbert Gruenwald

Videobearbeitung: Karin Straka

 

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