Das Arbeitsmarktservice (AMS) in Österreich setzt ab 2020 auf durch Algorithmen unterstützte Arbeitsvermittlung. Foto: picture alliance | imageBROKER

Österreich setzt bei der Arbeitsvermittlung auf Algorithmen
Effizient oder entbehrlich?

Die Vorgaben der schwarz-blauen Regierung waren eindeutig: Die Vermittlung von Arbeitssuchenden solle rasch und frühzeitig erfolgen, heißt es im Koalitionsvertrag. Dazu sei eine „Neuausrichtung“ des Arbeitsmarktservices nötig. Und dies geschieht nun auch: Um die Effizienz bei der Arbeitsvermittlung zu steigern, so die Führung des Arbeitsmarktservices (AMS), werden ab 2020 Algorithmen auf der Grundlage der persönlichen Daten von Arbeitssuchenden deren sogenannten „Integrations-Chancenwert“ errechnen: Je nach Alter, Geschlecht, Ausbildung, beruflichem Werdegang, gesundheitlichen Einschränkungen und Betreuungspflichten ermitteln die Algorithmen künftig die Chancen von Arbeitssuchungen. Drei Kategorien gibt es: Hoch, mittel, niedrig. Die Arbeiterkammer Österreich hat erhebliche Bedenken.

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AMS-Chef Johannes Kopf will durch den Einsatz der neuen Algorithmen die Effizienz bei der Arbeitsvermittlung erhöhen. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com
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Jobvergabe nach Algorithmen-Auswahl? Nach dem künftigen Modell werden Arbeitssuchende, deren „Integrations-Chancenwert“ unter 25 Prozent liegt, in der „Niedrig-Gruppe“ erfasst. Jobsuchende mit einem Prozentsatz bis zu 66 Prozent werden in die „Mittel-Gruppe“ eingestuft und diejenigen mit über 66 Prozent in die „Hoch-Gruppe“. Das persönliche Gespräch mit dem Arbeitssuchenden wird dadurch nicht ersetzt. Jedoch sollen Beratung und Vermittlung mit Hilfe des „Chancenwerts“ verbessert werden. Silvia Hofbauer, Arbeitsmarktexpertin bei der Arbeiterkammer Wien, verfolgt die Entwicklung mit erheblicher Skepsis:

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Foto: BR | Clemens Verenkotte
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Ihren Angaben zufolge werden nur rund sechs Prozent aller Arbeitssuchenden nach dem neuen Algorithmen-Modell einen „hohen“ Chancenwert auf eine neue Stelle erreichen. Knapp 60 Prozent lägen im „Mittel“, 35 Prozent im „Niedrig“-Bereich. Bei der künftigen prozentualen Einstufung von Arbeitssuchenden mittels Algorithmen erhielten Frauen, Ältere sowie Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen geringere Prozentpunkte:

"Dieser Algorithmus schreibt offensichtlich die Benachteiligungen, die es am Arbeitsmarkt gibt, einfach fest. D.h. Frauen, die am Arbeitsmarkt benachteiligt sind, weil sie sehr oft Kinderbetreuungspflichten haben bzw. für die Kinderbetreuungspflichten in einer Partnerschaft verantwortlich sind, das wird bei Männern nicht berücksichtigt, weil es laut dem Forschungsinstitut nicht signifikant ist, aber dadurch wird natürlich dieser Arbeitsmarktnachteil festgeschrieben, genauso Ältere."

Silvia Hofbauer, Arbeitsmarktexpertin bei der Arbeiterkammer Wien

Entscheidend sei zudem, welcher politische Zweck mit der algorithmusgestützten Einschätzung der „Chancenwerte“ verfolgt wird. Falls etwa Arbeitssuchende, deren Chance auf Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt als „niedrig“ eingestuft worden sind, von Qualifizierungsmaßnahmen ausgeschlossen würden, würde dies auf den Widerspruch der Arbeiterkammer stoßen.

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