Mikroplastik befindet sich auch in manchen Kosmetikartikeln wie etwa in Peelings oder Zahnpasta. Foto: picture alliance | JOKER

Uni Wien und Umweltbundesamt
Pilotstudie zu Mikroplastik im menschlichen Stuhl

Nichts habe er dazu bei Google gefunden: Ob die Mikroplastik-Vorkommen in den Meerestieren auch ihren Weg zum Menschen finden würden? Das habe er – wie so viele Menschen – einfach wissen wollen. Philipp Schwabl von der Medizinischen Universität Wien, wandte sich an das österreichische Umweltbundesamt – ob man nicht zusammen eine Pilotstudie durchführen könne. Das war vor einem Jahr. Jetzt liegt das Ergebnis vor: Es sei der Beweis einer langgehegten Vermutung gelungen: „Mikroplastik gelangt auch zum Menschen“.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
0:00 | 0:00

Acht Probanden aus Finnland, Holland, Polen, Großbritannien, Österreich, Italien, Russland und Japan nahmen an der Pilotstudie teil. Bei allen acht Teilnehmern seien Kunststoffpartikel im Stuhl nachgewiesen worden, im Durchschnitt 20 Mikroplastik-Partikel pro 10 Gramm des Stuhls. Die Probanden seien während der einwöchigen Testreihe aufgefordert worden, ein Ernährungstagebuch zu führen: Alle acht Teilnehmer im Alter von 33 bis 65 Jahren hätten Kontakt mit in Plastik verpackten Lebensmitteln gehabt. Sechs von ihnen hätten Fisch oder Meeresfrüchte während der Testwoche gegessen. Im Durchschnitt hätten die Teilnehmer jeden Tag Dreiviertel Liter Getränke aus PET-Flaschen zu sich genommen. Vegetarisch habe sich keiner der acht Probanden ernährt.

„In unserer Studie haben wir am häufigsten Polypropylen und Polyethylenterephthalat, also PET, nachweisen können. Das waren etwa 70 bis 80 Prozent aller Plastikpartikel und diese beiden Plastikarten sind sehr häufig in unserem Alltag. Was jetzt die Ursache, die Quelle von diesen Plastikpartikeln ist, kann ich Ihnen aber leider nicht sagen. Das wissen wir nicht.“

Dr. Philipp Schwabl, MedUni Wien

Neun verschiedene Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometern seien nachgewiesen worden. Diese Vielfalt an Kunststoffen habe sie überrascht. Am häufigsten – mit 62 Prozent – habe sich Polypropylen in den Proben befunden. Aufgrund der kleinen Probandengruppe könne ein Zusammenhang zwischen dem Ernährungsverhalten und der Belastung mit Mikroplastik nicht hergestellt werden. Mit Blick auf die Fragestellung, wie repräsentativ die Pilotstudie ist, schreiben die Autoren der Untersuchung: Mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung könne gegebenenfalls Mikroplastik im Stuhl haben. Nur umfangreichere Studien würden allerdings in der Lage sein, diese Annahme zu bestätigen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Übersicht der in der Pilotstudie gefundenen Arten von Mikroplastik im menschlichen Stuhl. Foto: BR | Videostandbild (Quelle: Dr. Philipp Schwabl | MedUni Wien)
0:00 | 0:00
Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.