Gerda Bohm: Frau der Ayt Haddidou in Festtagstracht. Marokko, Zentraler Hoher Atlas 1959. Weltmuseum Wien, Fotosammlung © KHM-Museumsverband

´Verhüllt, enthüllt! Das Kopftuch´
Ausstellung im Wiener Weltmuseum

Im sanften Dunkel des Wiener Weltmuseums kommen sie gut zum Ausdruck. Die viereckigen Tücher an den Wänden. Sie stammen aus dem Iran, der Türkei, Tunesien, Syrien, Indonesien, aus dem Sinai oder den Palästinensergebieten und Israel. Eine olivgrüne Kufiya – ein Palästinensertuch –  mit Davidsternen bestickt fällt hier auf. Diese zeigt besonders gut, wie vieldeutig Kopftücher und wie wandelbar ihre kulturelle Bedeutung und die politischen Signale sein können. Die jüdische Kufiya kann zu Beginn als Ausdruck von Assimilierung jüdischer Siedler gedeutet werden und später als Zeichen des Anspruchs auf das „gelobte Land“.

„Allein wenn das Wort fällt, befindet man sich in einer Art Kampfzone, weil es sofort mit dem Wort Islam assoziiert wird und Ziel ist es auch, zu zeigen, dass dem nicht so ist.“

Axel Steinmann, Kurator der Kopftuch-Ausstellung

Installation in der Ausstellung "Verhüllt, enthüllt! Das Kopftuch"

Video: ARD Studio Wien

Puppe von Joseph Gerger in der Installation von Susanne Bisovsky

Weitere Tücher der Ausstellung sind meisterhaft gewebt, aus hauchdünnem weißen Stoff, der die Formen des Gesichts erkennen lässt.  Einige Tücher sind mit silbernem Schmuck verziert oder schimmern golden. Andere sind grell bunt oder traditionell bäuerlich mit Blumen bestickt oder haben die Eleganz der Haute Couture.  Arbeiterinnen, Bäuerinnen, Trachtenträgerinnen, die Schauspielerin Audrey Hepburn oder Queen Elisabeth, sie alle trugen oder tragen Kopftuch. Auch in Diktaturen wurde Frauen immer wieder eine Kopfbedeckung verordnet, etwa in Nazideutschland. Und auch die rechtspopulistische AfD in Deutschland greift auf Kopfbedeckungen zurück, etwa der Sorben, einer slawischen Minderheit in der Lausitz.

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Auch die steifen Kleiderordnungen des späten Mittelalters diktierten den Frauen Kopf,- Schulter,- und Halsbedeckungen, wie den Witwenschleier.  Das umstrittene Kopftuch ist also weit mehr als nur ein Stück Stoff. Im Islam spielen Hals, Gesichts,-  und Körperschleier aller Art eine große Rolle, auch für Männer, erläutert Axel Steinmann. Was das Judentum angeht verweist er auf die Kippa und für das Christentum gab schon der als Apostel betrachtete Paulus die Devise aus, dass gottesfürchtige Frauen ihre Haare bedecken müssen. Heute ist das Kopftuch politisiert und in europäischen Ländern wird damit Wahlkampf gemacht, bedauert der Direktor des Weltmuseums Christian Schicklgruber.  Als bekannt wurde, dass das Weltmuseum eine Kopftuch-Ausstellung plant, gab es viele Reaktionen.

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Anstoß für die Ausstellung über das Kopftuch, war ein Shitstorm gegen eine österreichische Drogeriekette. Diese hatte mit einer jungen Frau Werbung gemacht, die ein Kopftuch trug. Das Weltmuseum in Wien will den Blick auf das Kopftuch und die damit zusammenhängenden Kulturen wieder weiten. Alles zu thematisieren, hätte den Rahmen gesprengt. 17 Künstlerinnen und Künstler haben sich deswegen für die Ausstellung mit dem Kopftuch auseinandergesetzt. Herausgekommen sind aufwändige Fotos, Videos und Installationen in denen es um kulturelle Identität geht, den weiblichen Körper und den männlichen Herrschaftsanspruch darauf. Auch das Abwerfen des Kopftuchs kommt dabei vor, als wichtiges Zeichen von Protest. Denn auch wenn Frauen das Tuch modisch und kulturell interpretieren, es zu tragen ging und geht auf den Befehl von Männern zurück. Die Ausstellung ist bis 26.02.2019 im Wiener Weltmuseum zu sehen.

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