Andacht für die getoetete Journalistin Viktoria Marinowa. Foto: BR | Videostandbild | Tomislav Mihailov

Entrüstung und Bestürzung in Bulgarien
Trauer um ermordete Journalistin

Die Leiche der 30 Jahre alten Viktoria Marinowa, Moderatorin eines lokalen Kabelsenders, war am Samstag in einem Park am Donauufer in Russe entdeckt worden, wo sie joggen gegangen war. Sie wurde brutal vergewaltigt und zu Tode geprügelt. Die Journalistin hatte eine Sendung in einem lokalen Kabelkanal moderiert. In der letzten Ausgabe hatte sie einen Investigativjournalisten aus Rumänien und einen aus Bulgarien zu Gast. Die beiden recherchieren über angeblichen Betrug mit EU-Fördergeldern in Bulgarien. Die Polizei geht eigenen Angaben zufolge auch möglichen beruflichen oder persönlichen Motiven für die Tat nach.

 

Bulgariens Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow und Innenminister Mladen Marinow arbeiteten vor Ort in der Stadt Russe an der Aufklärung des Falls. Der Innenminister sprach gestern auch davon, dass der Täter möglicherweise aus einem dem Tatort nahegelegenen psychiatrischen Krankenhaus kommen könnte. Am Ort des Verbrechens wurden zudem DNA-Spuren sichergestellt. Erste Befragungen durch die Polizei in Russe fanden bereits statt.

 

Die Tötung der jungen Frau löste Entrüstung und Bestürzung weit über Bulgariens Grenzen hinweg aus. Es handelt sich um den dritten Journalistenmord in der EU in diesem Jahr. Die deutsche Regierung mahnte zu stärkerem weltweitem Schutz der Pressefreiheit.

"Pressefreiheit ist ein elementares Bürgerrecht und ein fundamentales Grundrecht jeder demokratischen Gesellschaft"

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin

Die EU-Kommission verlangte „rasche und gründliche Ermittlungen“. Die Täter müssten vor Gericht gebracht werden, und es müsse insbesondere geklärt werden, ob eine Verbindung zur Arbeit der Journalistin bestehe, sagte ein Sprecher in Brüssel.

 

In der Hauptstadt Sofia und in der Stadt Russe fanden sich am Montagabend hunderte Menschen, darunter viele Kolleginnen und Kollegen, zu einer Andacht für Marinowa zusammen. Wir haben die Teilnehmer gefragt warum die Trauer auch zugleich ein Protest ist.

Kamera: Tomislav Mihailov

Schnitt: Günter Stöger

Interviews: Camelia Ivanova

Ihre letzte Sendung „Detektor“ beendete Viktoria Marinowa mit einer Abmoderation, die im Nachhinein viele Möglichkeiten zur Interpretation bietet (ab Minute 40:14). Hier die Übersetzung:

"Das Bild des Investigativen Journalismus in Bulgarien ist sehr widersprüchlich. Auf der einen Seite gibt es starken Regierungsdruck auf die Medienhäuser und ihre Besitzer. Immer mehr Themenbereiche dürfen nicht angesprochen werden und es kommt zu einem systematischen Abservieren von Investigativ-Journalisten. Auf der anderen Seite sieht man unbestreitbare Erfolge von Recherchen in den letzten Jahren. Ein Großteil davon ist auch auf der Seite von „bivol.bg“ veröffentlicht worden. Unser Team wird sich auch in Zukunft dafür einsetzen, journalistischen Recherchen eine Tribüne zu geben, sowie auch selbst solche durchzuführen, die von großem öffentlichem Interesse sind. Denn das ist „Detektor“. Die Sendung, die die Lüge erkennt, doch der Wahrheit den Vorzug gibt. Das war alles für heute von mir, Viktoria Marinova. Bleiben Sie dabei beim Programm von TVN."

Viktoria Marinova
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