Der Dokumentarfilm 'Waldheims Walzer' startet am 4.10. in Deutschland in den Kinos und am 5.10. in Österreich. Foto: Salzgeber & Co. Medien GmbH

„Waldheims Walzer“ läuft in den Kinos
Tanz mit der Wahrheit

Seine Festivalpremiere hatte der Dokumentarfilm „Waldheims Walzer“ der Wiener Regisseurin Ruth Beckermann auf der diesjährigen Berlinale. Seit dem 4. beziehungsweise 5. Oktober 2018 läuft der Film auch in den österreichischen und deutschen Kinos. In rund 90 Minuten zeichnet Ruth Beckermann die Ereignisse der Affäre um Kurt Waldheim im Jahr 1986 chronologisch nach. Im Bundespräsidentenwahlkampf enthüllten Journalisten dessen NS Vergangenheit. Er hatte sie erst verschwiegen, dann verharmlost und geleugnet. Ein Tanz mit der Wahrheit eben.

Filmtrailer "Waldheims Walzer"

Trailer: Salzgeber & Co. Medien GmbH

„Waldheims Walzer‘“

Die Affäre war eine Zäsur in der österreichischen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Heute gilt die Waldheim Affäre als Startschuss für die überfällige Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Österreich.

Die Regisseurin und Produzentin Ruth Beckermann war mit der Kamera bei den Antiwaldheim Protesten dabei. Sie mischt eigene Filmaufnahmen aus dem Jahr 86 mit Fernsehmaterial aus österreichischen, französischen, amerikanischen und britischen Archiven. Neue Interviews führte Ruth Beckermann nicht. Schon 2013 hatte die gebürtige Wienerin mit den Recherchen begonnen und die Arbeit für den Film „Die Geträumten“ unterbrochen. Jetzt sei ohnehin ein besserer Zeitpunkt, findet sie. Denn inzwischen gäbe es einen US-Präsidenten Donald Trump oder eine ÖVP-FPÖ Regierung in Österreich.

 

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Die Waldheim Affäre

Österreich, 1986. Mitten im Wahlkampf um das Bundespräsidentenamt decken Journalisten die NS Vergangenheit des parteilosen Kandidaten Kurt Waldheim auf, den die ÖVP aufgestellt hatte.  Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich und dem sogenannten „Anschluss“ an Nazideutschland war Kurt Waldheim (1918 – 2007) der nationalsozialistischen Studentenverbindung und der SA-Reiterstaffel beigetreten. Als Wehrmachtssoldat nahm er an der deutschen Besetzung des Sudetenlandes, dem deutschen Angriff auf Frankreich und die Sowjetunion teil. Von 1942-45 war Waldheim auf dem Balkan eingesetzt, unter anderem beim Vorgehen gegen jugoslawische Partisanen, das von Massakern begleitet war. Als Nachrichtenoffizier kam Waldheim dann nach Griechenland. In dieser Zeit wurden die griechischen Juden in die deutschen Vernichtungslager deportiert. Nach Kriegsende setzte die jugoslawische Regierung Kurt Waldheim auf die Kriegsverbrecherliste der Vereinten Nationen, doch nichts geschah. Im Gegenteil. Waldheim wurde Diplomat, stieg 1968 zum Außenminister und 1971 sogar zum UNO Generalsekretär auf. Als seine NS Vergangenheit bekannt wurde, leugnete Waldheim.

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Eine internationale Historikerkommission kam 1988 zu dem Schluss: Persönlich war Kurt Waldheim nicht für Morde oder Mordbefehle verantwortlich. Er habe aber von ungesetzlichen Handlungen gewusst und Menschen nahegestanden, die Befehle zu Mordaktion gegeben oder ausgeführt hatten und nicht versucht, sie davon abzuhalten. Waldheims passive Haltung habe die Ausführung von Gräueltaten aber erleichtert.

Die Waldheim Affäre löste große Proteste in Österreich aus und mündete in eine hitzige Debatte über die mangelnde NS-Aufarbeitung. Ein Thema, das kurz zuvor in dem Stück „Burgtheater“ von Elfriede Jelinek bereits thematisiert und zum Skandal wurde.

Das Land wurde im März 1938 von Nazideutschland besetzt und die Nazis hatten auch in Österreich Anhänger. So versammelten sich nach dem sogenannten „Anschluss“ Hunderttausende auf dem Wiener Heldenplatz, um Adolf Hitler zuzujubeln. Politische Gegner wurden gnadenlos verfolgt, Angehörige der jüdischen Gemeinschaft oder Roma und Sinti deportiert und ermordet.

Österreich war Hitlers erstes Opfer. Diese die sogenannte Opferthese entlastete das von Nazideutschland besetzte Österreich lange von jeglicher Mitverantwortung an NS-Verbrechen. Und Kurt Waldheim war geradezu ein Paradebeispiel.  Auch der Schriftsteller und Historiker Doron Rabinovici kommt in dem Film „Waldheims Walzer“ vor.

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Trotz allem. Kurt Waldheim wurde 1986 zum Bundespräsidenten gewählt. Der entschiedene Waldheimgegner und SPÖ Kanzler Fred Sinowatz trat daraufhin zurück und Fred Vranitzky wurde Kanzler.  In einer berühmten Rede übernahm Vranitzky 1991 Verantwortung für Österreichs NS Vergangenheit. Doch auch Fred Sinowatz wird bis heute zitiert.

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Als Bundespräsident bliebt Kurt Waldheim international weitgehend isoliert und die USA erteilen ihm sogar ein Einreiseverbot. Ruth Beckermanns Dokumentation über die Affäre hingegen, ist für den Auslands Oskar nominiert. 

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