Biljana Ginova setzt sich seit Jahren gegen Diskriminierung von nicht heterosexuellen Menschen ein. Zur Arbeit in der LGBTI Community kam sie über verschiedene Menschenrechtsorganisationen. Foto: BR | Schaban Bajrami

Die mazedonische LGBTI-Aktivistin Biljana Ginova
Wenn Diskriminierung Alltag ist

Angriffe, Beleidigungen oder Probleme in der Familie, der Schule oder am Arbeitsplatz. Das ist für nicht heterosexuelle Menschen in vielen Balkanländern bitterer Alltag. Auch die Mazedonierin Biljana Ginova wurde schon angegriffen. Die Aktivistin arbeitet beim LGBTI Support Center in Skopje, das gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen oder intersexuellen Menschen kämpft.

„Nicht heterosexuelle Menschen werden an den Rand gedrängt. Sie existieren einfach nicht und wenn sie wahrgenommen werden, dann sind sie von Gewalt und Hassreden betroffen oder von verbalen Angriffen und Mobbing.“

Biljana Ginova lebt in Skopje und stammt aus Bitola. Schon als Teenager klebte sie Plakate und wurde angefeindet.

„Wir wollen die Rechte für nicht heterosexuelle Menschen durch gute Gesetze verbessern und auch öffentlich darüber aufklären.“

Maja Moracanin, eine von zwei Abgeordneten der grünennahen „dom“ Partei. Sie hat eine parteiübergreifende Initiative ins Leben gerufen, die rund 80 Gesetzesänderungen eingebracht hat.

Das LGBTI Support Center in Skopje hat sein Büro in einem Haus, in dem auch das mazedonische Helsinki Committee untergebracht ist. Der Umzug dorthin scheint ein Schutz zu sein. Denn seitdem hat es keine direkten Angriffe mehr auf das LGBTI Support Center gegeben, erzählt  Biljana Ginova. Zwischen 2012 und 2014 wurde das Center sechsmal attackiert. Teils Vermummte warfen mit Steinen und Flaschen. Zwei dieser Attacken erlebt Biljana Ginova hautnah mit. Die 37-Jährige ist eine erfahrene Politaktivistin. Beim LGBTI Support Center setzt sie sich seit Jahren gegen die – auch gesetzliche – Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Transgender oder intersexuellen Menschen ein. Sie liest Gesetze, verfasst Berichte, hält Vorträge und vernetzt die mazedonische Community mit dem gesamten Westbalkan und der Türkei.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Im Juni 2017 nahmen der sozialdemokratische Regierungschef Zoran Zaev (rechts im Bild) sowie weitere Regierungsmitglieder und Abgeordnete an einer Demonstration gegen Diskriminierung von nicht heterosexuellen Menschen unterschiedlicher Orientierung teil. Die Parade des „Pride Weekends“ wurde vom damaligen Kultusminister Robert Alagjozovski eröffnet. Regierungschef Zaev versprach, alles zu tun, damit die Angriffe auf das LGBTI Center aufgeklärt würden. Ein Versprechen, das bisher nicht eingelöst ist. Foto: BR | Schaban Bajrami
0:00 | 0:00

Seit dem Amtsantritt der Regierung des Sozialdemokraten Zoran Zaev, sei die Situation deutlich besser geworden, erzählt Biljana Ginova. Zum ersten Mal hätten mehrere Regierungsmitglieder an einer Kundgebung gegen die Diskriminierung von nicht heterosexuellen Menschen teilgenommen und sich für deren Schutz ausgesprochen. Auf Initiative von Maja Moracanin gibt es im mazedonischen Parlament sogar eine parteiübergreifende Abgeordnetengruppe, die sich für Gesetzesnovellen und EU konforme Antidiskriminierungsgesetze einsetzt. Moracanin ist eine von zwei Abgeordneten der grünennahen „dom“ Partei und in der Gruppe ist sogar die konservative VMRO DPMNE vertreten. Ein bemerkenswertes Novum in Mazedonien und vermutlich auf dem gesamten Balkan. Regierungschef Zaev hat zudem versprochen, Polizei und Staatsanwaltschaft würden die Angriffe der letzten Jahre auf das LGBTI Center aufklären. Trotz dieses Versprechens wurde bisher aber keiner der Täter ermittelt oder verurteilt. Homo- und Transphobie seien auch in vielen mazedonischen Medien, Schulbüchern oder bei der Polizeiausbildung ein Thema, offene Homophobie, Lügen und Desinformation seien keine Seltenheit, so Biljana Ginova.

Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.