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Mazedoniens Schicksalssonntag
Abstimmung über neuen Staatsnamen

Es gehe um alles oder nichts, um wirtschaftliche Zukunft oder dauerhafte Agonie. Die Befürworter des Referendums, allen voran Premierminister Zoran Zaev, betrachten die Abstimmung über den künftigen Namen der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik als eine Schicksalsentscheidung. Im nationalistischen Lager heißt es, die mögliche Umbenennung in „Republik Nord-Mazedonien“ sei „historischer Selbstmord.“ Mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten, deren Zahl mit ca. 1,8 Millionen angegeben wird, müssen sich an dem Referendum beteiligen. Und selbst danach wäre es im Falle eines „Ja-Votums“ noch nicht vorbei: Dann müsste das Parlament in Skopje mit einer Zweidrittelmehrheit den neuen Staatsnamen annehmen.

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Vor fast genau vier Monaten hatte Regierungschef Zaev in der Grenzregion Prespa das historische Abkommen mit Griechenland feierlich unterzeichnet: „Heute bin ich wie lange nicht mehr von Optimismus erfüllt. Ich sehe unsere Zukunft in der EU und NATO und dann gibt es ein mazedonisches Volk, eine Sprache und eine Identität und wir lösen eine Jahrhundertfrage.“ Das Abkommen legt den künftigen Namen „Republik Nord-Mazedonien“ fest und beendet einen jahrzehntelangen Streit. Mit Verweis auf die gleichnamige griechische Provinz sprach Athen seinem Nachbarn das Recht auf den Namen Mazedonien ab, legte deshalb immer wieder sein Veto gegen die Nato- und EU-Ambitionen des Landes ein. Ein starkes Druckmittel, denn das kleine Balkanland hat mit einigen Problemen in Sachen Rechtsstaatlichkeit, Pressefreiheit und Korruption zu kämpfen und keine andere Option für die Zukunft. Suad Missini, politischer Analyst in Skopje gibt zu bedenken: „Wir haben in den vergangenen 15 Jahren ein Viertel unserer Bevölkerung verloren. Die Menschen gehen woanders hin, in den Westen. Wir verlieren die wichtigste Ressource, die ein Land haben kann. Wir müssen schnell handeln, damit die Leute hierbleiben.“ Aus Sicht der nationalkonservativen VMRO, der größten Oppositionspartei des Landes, ist eine Namenänderung gleichbedeutend mit einem Ausverkauf nationaler Interessen. Bezogen auf das Referendum fährt die VMRO einen Schlingerkurs. Man werde das Ergebnis des Referendums akzeptieren und die darauffolgende Verfassungsänderung unterstützen, heißt es einerseits von der Parteiführung. Andererseits ruft die Partei Ihre Anhänger zu einem stillen Boykott auf.

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Kommentare (1)

Der Makedone am

Das Referendung im ehemaligen Südjugoslawien, heute FYROM, ist gescheitert.
Einstweilen werden sich die anerkannten Ethnien weiterhin so nennen müssen, als was sie auch bekannt sind, und das ist auch gut so:

(Reihenfolge nach dem Anteil an der Bevölkerung):
a) Albaner, ca. 1/3 der Bevölkerung
b) Südslawen, ca. 1/3 der Bevölkerung, wobei die ca. 150.000 Menschen herauszurechnen wären, die einen bulgarischen Reisepass beantragt und diesen größtenteils auch erhalten haben, was eine Summe von max. 300.000 Südslawen ausmachen dürfte, bzw. (je nach Zählweise) 20%.
c) Roma, ca. 12-15% nach dem Berlin Institut
d) Türken, ca. 4%

Alle diese Ethnien haben mehrfach erklärt, dass sie mit dem historischen Makedonien in keiner Verbindung stehen („Alexander der Große war NIE ein Teil unserer Geschichte“).

Warum soll demnach dieses von Jugoslawien abgefallene Gebiet einen griechischen Namen erhalten?

Kann sich Tschechien Republik Bayern nennen, nur weil sie an Bayern grenzen, Bayern eine gute Küche hat, etc.? Nein, das kann es nicht.

Wenn das Land erhalten bleiben soll, so hat es sich einen Namen zu geben, der alle Ethnien darin zufriedenstellt, vor allem die Albaner, die immer mehr zur größten Volksgruppe werden.

Falls nicht, so dürfen Sie mich in ca. 20 jahren zitieren, dass das Land sich aus einer anderen Basis heraus einen neuen Namen geben wird, dann aber eher OHNE den albanischen Teil.

Ein Makedonien gibt es, in Griechenland, seit 3000 ein Teil der griechischen Welt.
Jeder Südslawe und Albaner ist willkommen, diesem Kulturkreis beizutreten, der sich ohnehin global durchgesetzt hat, ein Deutschland ohne das griechische Bewußtsein ist nicht denkbar (beginnt schon mit dem Wort Schule …).

Aber gleich 2.000.000 Menschen einen griechischen Namen geben geht zu weit. Das würde auf Dauer nur Spannungen erzeugen, Spannungen, die den Mächten durchaus willkommen sind, damit jene ihren Einfluß stets ausüben können, natürlich zu deren Vorteil.

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