Sloweniens neuer Premierminister Marjan Sarec. Foto: picture-alliance | dpa

Der Neue am EU-Tisch
Portrait Marjan Sarec

Ausgrenzen oder einbinden? Beim informellen EU-Gipfel in Salzburg stellt sich die Frage: Wie umgehen mit den populistischen Regierungsvertretern. Das Gipfelthema Migration ist ihnen zwar besonders wichtig, politische Kompromisse oder konkrete Fortschritte sind allerdings kaum in Sicht. Das erste Mal dabei ist Marjan Sarec. Er ist mit 40 Jahren der jüngste Ministerpräsident Sloweniens. Ein Portrait über den Mann, der früher als Comedian mit Freude den ehemaligen Ministerpräsidenten Janez Jansa persifliert hat und politisch schwer zu fassen ist.

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Noch vor wenigen Jahren trat Marjan Sarec als Comedian auf und parodierte bekannte Persönlichkeiten. Heute ist der 40-Jährige Sarec der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte Sloweniens. Den Comedian merkt man ihm bei der Vorstellung seines Kabinetts Ende der vergangenen Woche aber nicht mehr an. Marjan Sarec war als Bürgermeister der Kleinstadt Kamnik jahrelang vor allem ein lokales Phänomen. Dann aber mischte er im vergangenen Jahr die Präsidentenwahl auf, zwang Amtsinhaber Borut Pahor in die Stichwahl, und verlor nur knapp mit 47 Prozent der Stimmen. Politisch lässt sich der 40-jährige Srarec schwer fassen. Er selbst beschreibt sich als Mittepolitiker „mit einer leichten Schlagseite nach links.“ Beobachter bezeichnen ihn politisch als schwammig und wenig innovativ. Dimitri Rupel, langjähriger slowenischer Außenminister formuliert das so: „Man dürfte vom zukünftigen Regierungschef erwarten, dass er zumindest etwas sagt, was man sich merken könnte. Ich konnte mir von dem was ich von Herrn Sarec gehört habe keine einzige klare Sache merken.“ Wegen seiner Vergangenheit als Comedian wird der studierte Schauspieler Sarec häufig als Bepe Grillo Sloweniens bezeichnet. Und tatsächlich ist eine Anti-Establishment-Haltung der Stützpfeiler seines politischen Wirkens. Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Juli war Sarecs frisch gegründete Liste auf Platz zwei gelandet. Stärkste Kraft wurde die Anti-Einwanderungspartei des slowenischen Politdinosauriers und Ex-Premiers Janez Jansa, der den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban als Vorbild sieht. Jansa gelang es aber nicht, eine Regierungskoalition zu bilden. Andere Parteien weigerten sich mit Jansa zusammenzuarbeiten. Sarec hatte eine Koalition mit Jansa sofort nach der Wahl ausgeschlossen und eine Minderheitsregierung zusammengestellt – Ein Novum in der Geschichte Sloweniens. Ein Mitte-Links-Bündnis aus fünf Parteien, geduldet von der Linkspartei sichert Sarec nun die Parlamentsmehrheit. Befürchtungen, dass eine Minderheitsregierung mit einem Neuling an der Spitze instabil sein könnte begegnet Sarec so: „Ich bin mir bewusst, dass es in diesem Land viele gibt, die davon überzeugt sind, dass sie die Regierung besser führen könnten als ich, bin mir auch meiner Unvollkommenheit und meiner Fehler bewusst, aber ich habe Mut und Ausdauer.“ Ausdauer und Beständigkeit verspricht Marjan Sarec auch vor seinem Debüt auf europäische Bühne beim Gipfel in Salzburg. In einem TV-Interview kurz vor dem Gipfel, betonte er die Rolle Sloweniens als konstruktives Mitglied der EU und distanzierte sich von der Politik der Visegradstaaten.

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