Olga M. wird ‚Mama‘ genannt. Die fröhlich wirkende Frau lebt in der Pflegestation und hat eine Tochter. Diese hat auch eine Behinderung und lebt in einem Heim in Skopje. ‚Morgen kommst du wieder‘, sagt Olga zum Abschied und lacht. Foto: BR | Andrea Beer

Ein Besuch in der Psychiatrie von Demir Kapija
Morgen kommst du wieder

Demir Kapija liegt rund 100 Kilometer südöstlich von der mazedonischen Hauptstadt Skopje und dort ist die größte Psychiatrie des Landes. Dort leben rund 200 Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Behinderung.

Das Tor steht offen und wer mobil ist kann kommen und gehen, wie er möchte. Zu Jugoslawienzeiten wurden Menschen mit Behinderungen aus der sozialistischen Gesellschaft und der Öffentlichkeit verbannt und diese Einstellung hat sich verfestigt. In dem jugoslawischen Nachfolgestaat Mazedonien haben Menschen mit Behinderung praktisch keine Möglichkeiten, ein selbstbestimmtes Leben außerhalb einer Einrichtung zu führen. Es fehlt an Geld und sozialen und staatlichen Strukturen, die dies möglich machen würden. In Mazedonien haben außerdem viele Bürger massive Vorurteile und große Berührungsängste gegenüber Menschen mit Behinderung. Anders in Demir Kapija, ein Ort in dem viele Bewohner in der Psychiatrie arbeiten und Menschen mit Behinderung seit vielen Jahren zum Stadtbild gehören.

Die weitläufige Psychiatrie ist staatlich. Es fehlt sichtbar an Geld. Sei es für Rampen, Treppenlifte oder andere behindertengerechte Einrichtungen und es herrscht chronische Unterbesetzung beim Personal. Trotzdem hat die Psychiatrie mit der Demokratisierung und einer sozialen Öffnung begonnen, bei der die Rechte von Menschen mit Behinderung ernst genommen werden. In Zusammenarbeit mit der UNICEF gibt es inzwischen betreute Wohngemeinschaften außerhalb von Demir Kapija, zum Beispiel in Negotino. Zuerst gab es mit den Bewohnern dort Schwierigkeiten, die haben sich, laut Psychiatrie, aber inzwischen gelegt. Die betreuten WGs sind aber nur für junge Menschen eine Chance und so gibt es in der Psychiatrie in Demir Kapija viele, die diesen Ort nie verlassen werden. Unter ihnen ist auch Olga M., eine alte Frau mit ansteckender Fröhlichkeit.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Chefkrankenschwester Maria Kolewa arbeitet seit 2002 in Demir Kapija. ‚Es ist nicht komisch oder schwierig, hier zu arbeiten,‘ sagt sie. Ihre Eltern waren in der Psychiatrie angestellt, und als Kind erkundete Maria Kolewa das große Gelände. Viele der Angestellten kommen aus dem Ort Demir Kapija. Foto: BR | Schaban Bajrami
0:00 | 0:00
Was Sie noch interessieren könnte

Kommentare (1)

Richter am

Grösster Respekt für die Mitarbeiter im Institut Demir Kapija!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.