Siegfried Sorz mit einem Foto, das kurz vor seiner Lungentransplantation entstand. Foto: BR | Andrea Beer

Österreichische Lungentransplantierte und der Fall Niki Lauda
Geschenkte Zeit

Anfang August 2018 bekommt Niki Lauda eine neue Lunge und soweit bekannt verläuft die Genesung der österreichischen Rennfahrerlegende gut. So eine Transplantation ist eine schwierige, anstrengende und stundenlang andauernde Operation und Lungenpatienten müssen körperlich und seelisch dafür gerüstet sein. Lauda sei ein Kämpfer, sagen die behandelnden Ärzte im Wiener AKH und das gilt wohl für alle Menschen, die eine neue Lunge bekommen oder bekommen sollen.

Silvia Scholz und Siegfried Sorz erzählen über ihre Erfahrungen

Videomaterial: Andrea Beer

Videobearbeitung: Karin Straka

Das Warten auf den Tod eines anderen, die nagende Ungewissheit, ob rechtzeitig eine passende Lunge über die Stiftung „Eurotransplant“ gefunden wird und die komplexe Nachbehandlung, all das ist für Betroffene eine immense Herausforderung. Da Laudas Lunge versagte, wurde er als Notfall eingestuft („gelistet“) und bekam schnell eine passende Lunge. Da er berühmt und bereits 69 Jahre alt ist machten schnell Gerüchte die Runde. Als Prominenter habe Niki Lauda schneller eine Lunge bekommen als nicht berühmte Patienten.

 

Stimmt nicht! Sagen Silvia Scholz, Mario Spachtholz, Siegfried Sorz und Pamela Rani Gindl, die alle mit einer zweiten oder sogar dritten Lunge leben. Unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Persönlichkeiten, die eines eint. Das neue Organ hat ihr Leben verlängert und sie möchten die geschenkte Zeit nutzen. Mit Freunden oder Engagement für andere transplantierte Menschen. Etwa in einem Blog oder im österreichischen Verband der Herz- und Lungentransplantierten. Niki Lauda wünschen alle gute Besserung und sie finden es gut, dass er Aufmerksamkeit auf ein Thema gelenkt hat, das für sie lebenswichtig ist.

Die Widerspruchslösung

 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat kürzlich vorgeschlagen, in Deutschland die sogenannte Widerspruchlösung einzuführen. Demnach wäre jeder Mensch, der sich in Deutschland aufhält ein potenzieller Organspender. Was in Deutschland heftig diskutiert wird, ist in Österreich Gesetz. Wer nach einem Hirntod kein Organ, Gewebe oder Zellen spenden möchte, muss zu Lebzeiten schriftlich widersprechen. Dieser Widerspruch wird in das sogenannte Widerspruchsregister eingetragen, eine Liste die zur Zeit rund 35.000 der knapp acht Millionen Menschen in Österreich umfasst. Wer möchte, kann einzelne Organe oder Gewebe von einem Widerspruch ausnehmen und nur Herz oder Netzhaut spenden wollen. Lebendspenden, etwa eine Niere, bleiben auch nach einem Widerspruch möglich. Die Transplantationszentren in Österreich sind vor einer Organentnahme gesetzlich verpflichtet, beim Widerspruchsregister nachzufragen. Auch Angehörige können den Widerspruch eines Verstorbenen bezeugen, weswegen man von einer erweiterten Widerspruchslösung spricht. Die Widerspruchslösung gilt ohne Ausnahme für alle Menschen, die sich in Österreich aufhalten. Auch für Touristen oder in Österreich lebende Ausländer. Auch diese können sich ins Widerspruchsregister eintragen lassen, es genügt aber auch, eine schriftliche Erklärung bei sich zu haben.

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Pamela Rani Gindl macht viel Yoga und meditiert - sie denkt auch an die Menschen von denen sie ihre beiden Lungen bekommen hat. Foto: BR | Andrea Beer
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Beim Frühstück in einem Wiener Kaffeehaus erzählen Siegfried Sorz, Silvia Scholz und Mario Spachtholz (v.l.n.r) vom Alltag mit einer neuen Lunge. Foto: BR | Andrea Beer
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