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Die österreichische Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) tanzt auf ihrer Hochzeit in der Südsteiermark mit ihrem prominentesten Gast, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin (18. August 2018). Foto: picture alliance | KEYSTONE

Kommentar: Österreichs Außenministerin und ihr russischer Hochzeitsgast
Wer mit dem Putin tanzt

Ohne Not und offenkundig ohne nüchterne Abwägung der Folgen ihrer gelinde gesagt unorthodoxen Hochzeitseinladung an Wladimir Putin hat sich Österreichs Außenministerin Karin Kneissl als eine bemerkenswert politisch blauäugige Chefdiplomatin erwiesen. Sie offerierte Wladimir Putin als derzeit amtierende Ratsvorsitzende der EU-Außenminister eine nahezu bilderbuchartige Bühne, die der vermeintliche „Privatgast“ aus Moskau vor prächtiger steiermärkischer Landschaftskulisse nach allen PR-Regeln für seine Zwecke zu nutzen verstand.

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Der russische Präsident Wladimir Putin als Gast bei der Hochzeit der österreichischen Außenministerin Karin Kneissl mit dem Geschäftsmann Wolfgang Meilinger. Foto: picture alliance | Alexei Druzhinin | TASS | dpa
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Außenministerin Kneissl konnte wissen, dass das Thema der Aufrechterhaltung der EU-Wirtschaftssanktionen, die die Europäische Union seit der Annexion der ukrainischen Krim gegen Russland verhängt hat, auf dem Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs in einem Monat in Salzburg kontrovers diskutiert werden wird. Sie konnte wissen, dass Putin ein großes Interesse haben würde, seine anderthalbstündige Stippvisite auf ihrer Hochzeit medial und damit politisch sorgsam zu choreographieren, schließlich sendete der russische Fernsehkanal „Russia Today“ live in die Heimat und stellte das teilweise exklusive Videomaterial umgehend ins Netz. Ihr Hochzeitstanz mit dem autoritär herrschenden russischen Präsidenten und militärischem Schutzpatron des  syrischen Diktators Assad samt abschließendem tiefen Knicks vor dem Kremlchef mutete geradezu surreal an: Verbeugte sich dort etwa die Ratsvorsitzende der EU-Außenminister vor dem Politiker, den die selbe Europäische Union mit Sanktionen belegt hat?

 

Nichts verband die seit letztem Dezember amtierende Quereinsteigerin, die von der rechtsnationalen FPÖ als parteilose Expertin ins Außenamt befördert wurde, mit dem bald zwei Jahrzehnte lang herrschenden Kremlchef: Keine persönliche Freundschaft, kein ähnliches politisches Wertesystem, keine erkennbare Verbundenheit, nichts. Und nichts unternahm Kneissls Amtsvorgänger, Bundeskanzler Sebastian Kurz, um die ambitionierte Ressortchefin daran zu erinnern, während der halbjährigen EU-Ratspräsidentschaft Österreichs auf jedes noch so missverständliche Anzeichen einer Voreingenommenheit zu verzichten. Stattdessen schienen Bundeskanzler Kurz und  FPÖ-Vizekanzler mit dem Brautpaar sowie ihrem russischen Gast um die Wette zu strahlen –  und stellten sich an diesem  Hochzeitstag in ein außenpolitisch diffuses Licht.

Einschätzung der österreichisch-russischen Beziehungen

Zum Staatsbesuch von Vladimir Putin in Wien am 5.6.2018 eine Analyse und Einschätzung zu den österreichisch-russischen Beziehungen. Was verbindet die Alpenrepublik und seine Politiker eigentlich mit Russland? Und warum interessiert sich Putin auf einmal sooo für Österreich?

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Kamera: Daniel Dzyak

Schnitt: Christine Dériaz

Beitrag: Till Rüger

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