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Demonstration in Bukarest, Rumänien am 10.08.2018 Foto: BR | Srdjan Govedarica

Bukarest am 10. August 2018
Eine Zäsur der Gewalt

Seit rund anderthalb Jahren demonstrieren Rumänen immer wieder auf dem Siegesplatz im Herzen Bukarests für den Rechtsstaat und gegen die sozialdemokratische Regierung. Stein des Anstoßes sind bereits umgesetzte oder neue Gesetzesvorhaben der rumänischen Regierung, die nach Ansicht der Demonstranten Ermittlungen gegen hochrangige Politiker erschweren und die Unabhängigkeit der Justiz aushöhlen. Insbesondere der mächtige Parteichef der Sozialdemokraten und Parlamentspräsident Liviu Dragnea ist den Demonstranten ein Dorn im Auge. Viele bezeichnen ihn als Schatten-Regierungschef. Dragnea ist wegen Wahlbetrugs vorbestraft und derzeit wird gegen ihn wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Er gilt als Triebfeder hinter den umstrittenen Gesetzen, und die Demonstranten werfen ihm vor, Politik im Eigeninteresse zu betreiben. Bis auf kleinere Zwischenfälle sind diese Demonstration immer friedlich verlaufen. Am 10. August jedoch eskalierte die Großdemonstration auf dem Siegesplatz scheinbar aus dem Nichts und entwickelte sich zu einem Gewaltexzess. Über 450 Menschen mussten notverarztet werden, darunter 30 Polizisten, viele andere trugen leichte Blessuren davon. Wie konnte das passieren und was hat zu diesem Gewaltausbruch geführt?

 

Auf dem Siegesplatz war das ARD-Studio Wien mit Hörfunk- und Fernsehreportern mitten im Geschehen. Hier sind ihre Eindrücke:

Bereits am Vormittag sind erste Menschen auf dem Platz. Die Stimmung ist nicht fröhlich aber auch nicht bedrohlich. Die Menschen rufen „Rücktritt, Rücktritt“ und „Diebe, Diebe“, Gewalt liegt aber nicht in der Luft. Es sind junge und alte Menschen dabei, viele haben trotz der Gluthitze des Sommertages ihre Kinder dabei. Die Gendarmerie ist omnipräsent und hat eine Sperrzone um den nahegelegenen Regierungspalasts errichtet.

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Die Demonstration beginnt friedlich

Eindrücke unseres Korrespondenten

Video: BR | Srdjan Govedarica

Zum ersten Zusammenstoß kommt es gegen 18:30 Uhr. Demonstranten und die Gendarmerie geraten aneinander, Plastikflaschen prasseln im hohen Bogen auf die Gendarmen nieder, diese antworten mit Reizgas. Es ist schwer zu erkennen, wer hier die Gendarmen angreift. Auf dem Siegesplatz sind uns vorher keine gewaltbereiten Demonstranten aufgefallen.

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Der erste Zusammenstoß gegen 18:30 Uhr.

Eindrücke unseres Korrespondenten

Video: BR | Srdjan Govedarica

Hörfunkkorrespondent Srdjan Govedarica spricht gerade einen“Aufsager“ ein, hinter der Kamera steht ARD-Mitarbeiter Herbert Gruenwald. Plötzlich sind sie in Reizgas gehüllt und müssen wie viele andere fliehen. Es kommt fast zu einer Massenpanik.

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Reizgas beim Aufsager

Hörfunkkorrespondent Srdjan Govedarica

Kamera: Herbert Gruenwald

Ab ca. 20 Uhr greift die Gendarmerie massiv durch. Sie liefert sich regelrechte Schlachten mit einer gewalttätigen Gruppe, setzt Schlagstöcke, Tränengasgranaten und Wasserwerfer ein. Die Gendarmerie greift aber scheinbar wahllos auch friedliche Demonstranten an, wir beobachten mehrere Übergriffe. Insgesamt sind Schätzungen zufolge mehr als 100.000 Menschen auf dem Platz und Drumherum. Wir wissen nicht genau, wie groß die Gruppe der Gewalttäter unter ihnen war. Es dürfte sich aber um einen sehr kleinen Bruchteil handeln.

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Tränengas trifft friedliche Demonstranten

Kamera: Srdjan Govedarica

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