Das Ars Electronica Center ist ein Museum dessen Ausstellungen verschiedenste Kunst-, Wissenschafts- und Technologierichtungen vereinen. Ausprobieren ist das Stichwort - vom Besucher ist Interaktion gefragt. Foto: BR | Karin Straka

Lieblingsplatz: Linz – Kunst, Kultur und Linzer Torte
Ein Höhenrausch der anderen Art

Also um ganz ehrlich zu sein: als der Vorschlag kam, ein Wochenende in Linz zu verbringen, war ich mäßig begeistert. Der frühere Werbeslogan „In Linz beginnt´s“, im Volksmund mit dem Zusatz „In Linz stinkt´s“ versehen, kam mir in den Sinn. Ein Ruf, den Linz früher nicht zuletzt den dort angesiedelten Stahlwerken der Voestalpine AG verdankte. Und überhaupt: Was sollte eine Industriestadt, mit der ich nur eine vage Kindheitserinnerung verband – eine Fahrt mit der Grottenbahn am Pöstlingberg – zu bieten haben? Selbst wenn das Treffen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder mit dem österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz die Stadt 2018 für einen Moment in den Fokus des Medieninteresses gerückt hat.

Glockenspiel am Linzer Hauptplatz

Drei Mal täglich, jeweils um 11:03, um 14:03 und um 17:03, erklingt das Glockenspiel am Linzer Hauptplatz mit verschiedenen Melodien.

 

Video: BR | Karin Straka

Etwas mehr als eine Stunde dauert die Zugfahrt von Wien nach Linz. Die Innenstadt rund um den Hauptplatz ist zum Teil verkehrsberuhigt bzw. Fußgängerzone und besticht durch eine Vielzahl schmucker historischer Häuser und Kirchen. Darunter der Linzer Mariendom, der – neue Erkenntnis für mich – tatsächlich die größte Kirche Österreichs ist. Allerdings knapp nicht die höchste, dieses Attribut gebührt noch immer dem Stephansdom in Wien. Für Menschen ohne Höhenangst empfiehlt sich einer der geführten ‚Höhengänge durch den Dom‘. Bei diesem Spaziergang über die Innengalerie in etwa 15 Metern Höhe kann man die berühmten Glasfenster aus nächster Nähe betrachten. Über den Dachboden des Doms geht es danach auf die Außengalerie mit beeindruckendem Blick auf Linz. Achtung – auf dieser Tour kann es passieren, dass man aufgefordert wird den Mund zu öffnen. Und zwar nicht zum Sprechen, sondern dann, wenn eine der Glocken zu läuten beginnt und man das Glück hat direkt darunter zu stehen. Angeblich kann man so den Klang besser wahrnehmen. Und hier gleich noch ein Superlativ: Das siebenteilige Großgeläut aus der Zeit um 1900 ist das einzige vollständig erhaltene im gesamten deutschen Sprachraum.

Nach diesem Ausflug in luftige Höhen sollte man sich unbedingt mit einem Stück Linzer Torte, die überall angeboten wird, belohnen. Und egal, ob sie nun nach der Stadt Linz oder dem ‚Linzer Teig‘ benannt ist – das Gebäck, das neben anderen Zutaten aus Nüssen, roter Johannisbeermarmelade, Zimt und Gewürznelken besteht, schmeckt hervorragend.

 

Um die nächste Ecke wartet schon ein weiterer ‚Höhenrausch‘, ein jährliches Kulturprojekt, das 2018 unter dem Thema Wasser steht. Von 24. Mai bis 14. Oktober 2018 kann man den ‚Höhenrausch-Parcours‘ über Treppen und Brücken, Dachböden und Dachlandschaften durchstreifen, und dabei an die 40 Beiträge von internationalen Künstlern, teilweise interaktiv, erforschen. Fazit: Eine sehr beeindruckende Ausstellung in einem ungewöhnlichen Rahmen. Der Weg über das Dach und die Türme der Ursulinenkirche, hinauf über weitere Dachflächen zum Oberösterreich Turm, mit interessanten Kunstobjekten und herrlichem Ausblick, war mir vor der Reise empfohlen worden und diese Empfehlung gebe ich uneingeschränkt weiter.

Bevor man später auf das andere Donauufer wechselt, sollte man noch einen Abstecher auf den ‚Schlossberg‘ einplanen. Hier beherbergt Schloss Linz das Schlossmuseum. Es bietet einen Einblick in die Natur-, Kultur- und Kunstgeschichte Oberösterreichs. Wer allerdings keine Lust auf Museum hat, genießt einfach die tolle Aussicht auf die Donau und den gegenüberliegenden Pöstlingberg. Dieser Hausberg der Linzer lässt sich vom Hauptplatz bequem in nur 20 Minuten mit der Linzer Pöstlingbergbahn erreichen, einer der steilsten Adhäsionsbahnen Europas. Und auch wenn man altersmäßig nicht mehr als Kind durchgeht, eine Fahrt mit der Grottenbahn und anschließendem Spaziergang durch die Märchenwelt, verzaubert noch immer. Vielleicht ist das aber der erwähnten Kindheitserinnerung geschuldet. Der Pöstlingberg hat mich zusätzlich mit etwas Neuem überrascht: der Fotoausstellung in der Hartlauer Fotogalerie.

 

Ein Museum das kein Linz-Besucher verpassen sollte ist das Ars Electronica Center. Die Ausstellungen hier vereinen verschiedenste Kunst-, Wissenschafts- und Technologierichtungen. Mit dem ‚Deep Space 8K‘ bietet das Ars Electronica Center außerdem ein interaktives, mehrdimensionales Kinoerlebnis in einer 8K-Auflösung. Hier kann einem schon schummrig werden, wenn man empfindlich ist. Die wechselnden Ausstellungen in diesem ‚Museum der Zukunft‘ bieten interaktive Versuchsanordnungen aus den Bereichen Bio- und Gentechnik, Neurowissenschaften, Robotik, Prothetik und Medienkunst. Im Moment etwa beschäftigt sich ‚Außer Kontrolle‘ mit den Themen ‚Big Data‘, Verwendung sozialer Netzwerke und Privatsphäre im Internet. Faszinierend, wie viele Menschen sich gerne an dem Kunstobjekt ‚Your Unerasable Text‘ live eine SMS ausdrucken und dann schreddern lassen – mich eingeschlossen.

Und nun noch ein Tipp für Musikinteressierte. Weit über die Grenzen Wiens hinaus ist die Staatsoper ein Begriff. Dass das Linzer Musiktheater erst 2013 als modernstes Opernhaus Europas eröffnet wurde, wissen viele wahrscheinlich nicht. Der Besuch einer Vorstellung war zeitlich leider nicht realisierbar, aber der Blick hinter die Kulissen des Hauses am Volksgarten, im Rahmen einer Führung, war schon sehr beeindruckend. Kostüme, künstliche Sternenhimmel, Requisiten – etwa menschengroße Kannen und Tassen – und Bühnenbilder bekommt man schließlich nicht jeden Tag zu sehen.

 

Wer nach diesem ausgiebigen Streifzug durch die Stadt gerne noch etwas Ruhe und Natur genießen möchte: der Botanische Garten bietet beides.

 

Abschließend bleibt mir nur zu sagen: Linz hat mich überrascht mit einer Vielzahl toller Ausstellungen und Museen, einer sehr hübschen Altstadt, netten Lokalen und freundlichen Menschen. Es lohnt sich, hier auf dem Weg von Wien nach Salzburg einen Zwischenstopp einzuplanen, und dieser Stadt einige Tage Aufmerksamkeit zu schenken.

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