02.06.2018, Wien, Argentinierstrasse, Oesterreich, Das Funkhaus Wien ist ein Sender des ORF Foto: picture alliance/dpa-Zentralbild

Streit um die ORF Rassismusdoku „Schwarz in Wien“
Alles nur ein Missverständnis?

Der Film war schon im Kasten, doch dann bekam Regisseur Thaddäus Podgorski Junior einen Anruf vom Produktionsleiter. Sein Film werde aus inhaltlichen und technischen Gründen nicht gesendet. Für Podgorski eine dicke Überraschung: „Ja, allerdings! Zum einen wurde es vom zuständigen Redakteur begeistert abgenommen. Dem hat das sehr gefallen“

 

Und zum anderen habe am Tag vor der Absage eine Präsentation stattgefunden, in Anwesenheit der letztlich verantwortlichen Direktorin: „Der hat es nicht gefallen, das war klar. Aber von nicht senden oder nicht ausstrahlen war nicht die Rede.“

 

Die Doku „Schwarz in Wien von Soliman bis Alaba“ hat Thaddäus Podgorski Junior im Auftrag des ORF-Landesstudios Wien für die Sendereihe „Österreich-Bild“ gedreht. In der Doku erzählen sechs schwarze Wiener von ihren Erfahrungen mit Alltagsrassismus. Journalistin Vanessa Spanbauer hat die Macher des Films beraten und ist eine der Protagonistinnen:

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Filmemacher Podgrorski entscheidet sich bewusst,  im Film ausschließlich Interviewsequenzen der Protagonisten zu zeigen. Einen Sprechertext aus dem Off gibt es nicht, auch keine Musikuntermalung oder Bildstrecken:

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Laut ORF ist es genau diese Erzählweise, die den Film für die Reihe „Österreich-Bild“ disqualifiziert. In einer schriftlichen Stellungnahme teilt der Sender mit, die Doku passe nicht zur Anmutung und Bildsprache der Programmleiste. Dieter Bornemann, Vorsitzender des ORF-Redakteursrats:

 

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Warum das im Produktionsprozess nicht aufgefallen ist und warum der Film zunächst abgenommen und dann wieder kassiert wurde, lässt sich nicht genau aufklären. Regisseur Thaddäus Podgorski Junior ist jedenfalls von anderen Voraussetzungen ausgegangen: „Wäre die Bildsprache des „Österreich-Bild“ mir vorher so kommuniziert worden, wie es mir jetzt kommuniziert wird – Wohlfühlgeschichten, Erfolgsgeschichten, dann hätte ich das Thema nicht gemacht.“

 

Nach der Absetzung der Doku entstand schnell eine Debatte, in der dem ORF viel vorgeworfen wurde. Von vorauseilendem Gehorsam bis Feigheit vor der Regierungspartei FPÖ, die den Sender seit langem politisch stark unter Druck von rechts setzt. Der ORF dementiert solche Vorwürfe entschieden. Auch Dieter Bornemann vom Redakteursrat: „Ich glaube, dass diese Diskussion auch damit zu tun hat, dass man uns zutraut, aus politischen Gründen wird das jetzt verschoben. Aber würde irgendjemand in der Redaktion so denken, hätte man das Stück nicht in Auftrag gegeben.“

 

Filmemacher Podgorski glaubt auch nicht, dass der Film wegen politischen Drucks abgesetzt wurde.  Dazu kennen den Film zu wenige. Aber: „Was mir schon auffällt: Leute irritiert, dass da sechs schwarze Menschen durchreden die 25 Minuten und dass offenbar bei manchen Weißen das Gefühl des Ausgeschlossen seins auslöst. “

 

Journalistin und Dokuprotagonistin Vanessa Spanbauer glaubt, dass die Doku aneckt, weil sie einige Zuschauer auf die Idee bringen könnte, dass sie möglicherweise auch Teil des Problems Alltagsrassimus sind.

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Der ORF hat inzwischen angekündigt, dass ein neuer Sendeplatz für die Dokumentation gesucht wird. Regisseur Thaddäus Podgorski Junior ist jedenfalls nicht bereit, den Film zu überarbeiten: „Jetzt hängt es alles in der Luft. Ich  hoffe, sie finden wirklich einen Sendeplatz. Ich mein` – wäre ich jetzt Sendungsverantwortlicher eines Reportageformats würde ich jetzt sagen – her mit dem Teil, so viel PR krieg ich nie wieder für irgendwas.“

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