Auf zwei Teststrecken der Westautobahn (A1) ist ab heute Tempo 140 erlaubt. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com

Tempolimit in Österreich
Viel Lärm um 10 km/h

Zügig soll man auf Autobahnen vorankommen, sagt der österreichische Verkehrsminister Norbert Hofer, dazu sind sie schließlich gebaut worden. Aus diesem Grund spendiert er den Autofahrern in Österreich 10 km/h. Statt der normalerweise maximal erlaubten 130 km/h ist es ab dem 1. August 2018 auf zwei kurzen Teilstrecken der Westautobahn (A1) erlaubt, 140 km/h zu fahren. Ein Jahr lang, zu Testzwecken. Es soll geprüft werden, welche Auswirkungen die 10 km/h mehr haben. Luftqualität, Lärm, Durchschnittsgeschwindigkeiten und Unfallzahlen sollen ermittelt werden. Im August 2019 soll entschieden werden, ob und auf welchen Strecken Tempo 140 dauerhaft erlaubt werden soll.

Auf den Autobahnteilstücken zwischen Melk und Oed in Nieder- sowie zwischen Knoten Haid und Sattledt in Oberösterreich wird die neue Geschwindigkeitsbeschränkung von 140 km/h getestet. Bild: BR | Karin Straka (Karte: Google)
Auf den Autobahnteilstücken zwischen Melk und Oed in Nieder- sowie zwischen Knoten Haid und Sattledt in Oberösterreich wird die neue Geschwindigkeitsbeschränkung von 140 km/h getestet. Bild: BR | Karin Straka (Karte: Google)

Laut Verkehrsminister Hofer zeigen vorliegende Daten, dass Autofahrer auch jetzt schon schneller als 130 km/h fahren – irgendwie im Bereich zwischen 130 und 140. Mit dem Pilotprojekt und der möglichen dauerhaften Erhöhung des Tempolimits bilde man die Wirklichkeit ab – so der Verkehrsminister.

„Und es hat sich auch die Art und Weise, wie Autos gebaut werden völlig verändert. Die Fahrzeuge sind sicherer geworden, die Autobahnen sind sicherer geworden. Wir haben dieses Tempolimit 130 seit Anfang der 70er Jahre. Und ich glaube es ist Zeit, zu schauen, ob es möglich ist, maßvoll anzupassen.“

Norbert Hofer, Verkehrsminister Österreich

Das Pilotprojekt des Verkehrsministers ist umstritten. Die Opposition ist geschlossen dagegen, auch Umwelt- und Verkehrsorganisationen sprechen sich gegen Tempo 140 aus. Zum einen ließe sich mit Tempo 140 keines der Probleme moderner Mobilität lösen, zum anderen bringe es nur wenig Zeitgewinn bei deutlich höherem Spritverbrauch, eine stärkere Lärmbelästigung und mehr Unfällen. Das sei auch jetzt schon bekannt, dafür benötige man keine Tests, so die Kritiker.

 

Nach seinem Vorstoß aus der vergangenen Woche, die Führerscheinprüfung in türkischer Sprache abzuschaffen, sieht sich Verkehrsminister Hofer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, Symbolpolitik zu betreiben. Kritiker werfen ihm vor, ein widersinniges Projekt zu starten, um die FPÖ als autofahrerfreundlich zu positionieren.

Und die Österreicher? Auch in dieser Frage sind sie gespalten. Die einen freuen sich, wenigstens zweitweise 140 km/h fahren zu dürfen. „Weil die Autos dafür ausgelegt sind“, sagen sie. Die anderen können der testweisen Anhebung des Tempolimits nichts abgewinnen:

"Ich glaube, die zehn km/h mehr bringen wenig Zeitersparnis bei mehr Unfallrisiko. Ich glaube, es bringt nichts und es ist vergebene Liebesmühe."

Ein Pendler

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Verkehrsminister Norbert Hofer spendiert den Autofahrern in Österreich auf zwei Teststrecken 10 km/h mehr. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com
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