Der kroatische Popsänger Oliver Dragojevic, hier auf einem Archivbild, ist letzten Sonntag in Split gestorben. Foto: picture alliance | PIXSELL

Der dalmatinische Seewolf
Der Musiker Oliver Dragojevic ist tot

Lange Zeit konnte ich nicht verstehen, warum sich so viele junge Menschen für die nicht gerade moderne Musik von Oliver Dragojevic begeistern. Wenn ich heute darüber nachdenke, glaube ich, dass es an seiner Ausstrahlung lag, die im Gegensatz zum Klischee des balkanesischen Macho-Typen eher feine und legere Mittelmeerallüren zeigte. Natürlich waren da an erster Stelle seine Stimme, rau von Alkohol und Zigaretten, und seine Lieder. Diese sind vielleicht nicht von den allerbesten Komponisten und Dichtern für ihn geschrieben worden, aber es waren fast ausschließlich seine „lokalen Landsleute“ aus Dalmatien die für ihn geschrieben haben. Menschen die ihn am besten verstanden und die er am besten verstand. Oliver Dragojevic, ähnlich wie Elvis Presley oder Frank Sinatra hat selbst nicht komponiert oder Texte geschrieben. Das habe er, seinen Worten nach, Besseren überlassen. Aber durch seine charakteristische Interpretation dieser Songs hat das breite Publikum immer geglaubt, er sei der Autor.

 

Oliver Dragojevic hat in seiner Kindheit und Jugend die Musikschule besucht und beherrschte mehrere Musikinstrumente. In seinen Anfängen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre hat er fünf Jahre lang in Westeuropa, auch in Deutschland, in verschiedenen Bands jede Nacht von 20.00 bis 04.00 Uhr Keyboard gespielt und (oft) (mit)gesungen. Dort hat er, wie er selbst sagte, ähnlich wie die Beatles in Hamburg den Job als Musiker gelernt. In späteren Jahren hat er sich auf seinen Konzerten oft auf dem Klavier oder/und der Gitarre begleitet.

Oliver Dragojevic, geb. 07.12.1947 in Vela Luka, Insel Korcula, gest. 29.07.2018 in Split (Kroatien) war ein kroatischer Popsänger, er hat über 20 Studioalben, 8 Livealben und viele Gemeinschaftsproduktionen veröffentlicht, sehr viele Auszeichnungen und Preise in Kroatien und im ehemaligen Jugoslawien bekommen und unzählige Konzerte in der ganzen Welt während seiner 50-jährigen Karriere abgehalten.

 

Die kroatische Regierung hat für den 31.07.2018 wegen des Todes von Oliver Dragojevic Trauerbeflaggung angeordnet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oliver Dragojevic & 2CELLOS - Galeb i Ja

Quelle: Youtube | 2Cellos

 

Die Texte seiner Lieder sind in der Regel im dalmatinischen Dialekt (wie gesagt, von dalmatinischen Dichtern, Journalisten und Komponisten geschrieben) und für Menschen außerhalb Dalmatiens, auch wenn sie als Muttersprache Serbokroatisch oder eine der Varianten (Serbisch, Kroatisch, Bosnisch, Montenegrinisch) sprechen, schwerer verständlich. Die Lieder handeln von der Liebe, Verbundenheit mit der Heimat und dem Meer und spiegeln oft eine philosophische Nachdenklichkeit wieder. Olivers Beliebtheit in Ex-Jugoslawien zeigt aber, dass die Musik in der Tat keine Grenzen und (Sprach)Barrieren kennt. Nicht mal die Politik und Kriege der 90er im ehemaligen Jugoslawien haben dabei etwas wesentlich geändert. Als Ende 1991 Dubrovnik und andere kroatische Orte von der serbisch-montenegrinischen Armee bombardiert wurden sagte Oliver, er werde nie wieder in Serbien und Montenegro auftreten. Trotz vieler (auch finanziell ansprechender) Angebote, dort (vor allem in Belgrad) nach dem Krieg aufzutreten, hat er das bis zu seinem Tod konsequent abgelehnt. Das hat ihn bei serbischen Nationalisten unbeliebt gemacht, aber die weitaus größere Zahl der anderen (Serben) hat seine Entscheidung mit Respekt aufgenommen. Für seine Fans, gleich welcher Nationalität, war Oliver stets ein Symbol der Liebe, der legeren mediterranen Lebensart und der Freiheit der weiten Meere geblieben. Er habe nichts gegen Serben, sie seien auf seinen Konzerten in Kroatien, Slowenien und anderswo immer willkommen, das habe mit seiner Entscheidung in Serbien und Montenegro nicht zu singen, nichts zu tun. In den letzten Jahren ist er in der Royal Albert Hall London, im Olympia in Paris, in der Carnegie Hall in New York und dem Opera House in Sydney aufgetreten. Wie viele Serben (und andere) diese Konzerte besucht haben ist nicht bekannt. Auf Anspielungen, er sei (auch) serbischer Herkunft hat er leger geantwortet, das sei möglich, denn in dieser Region seien fast alle miteinander gemischt/vermischt, er sei zuerst ein Dalmatiner, der seiner Familie, seinen Freunden und seiner Heimat verbunden sei, die Nationen und Religionen änderten sich ohnehin durch Jahrhunderte.

Die Möwe und ich (Galeb i ja)

Auch ich kann mir durchaus vorstellen, irgendwo am Meeresstrand zu liegen und Möwen zu beobachten wie sie am Horizont, weit über dem Meer wo Nationen und Religionen ohnehin keine Bedeutung haben, langsam dahinsegeln – so wie Oliver das in seinem berühmten Song „Galeb i ja“ beschreibt.

Musik: Zdenko Runjic | Text: Tomislav Zuppa | Interpret: Oliver Dragojevic

Es ist so schön auf dem trockenen Neptungras zu liegen
In einer einsamen Bucht am Meer
Und hoch über der See dich zu sehen
Meine Möwe

Dich beobachten, mit dir fliegen
Keine Angst mehr haben
Jedem Wind und dem Sturm der herbeieilt trotzen
Meine Möwe

Dem Sturm der in seiner Wut alles niederwälzt
Und das Meer zum Schäumen und Kochen bringt
Selbst der Herr zu sein mitten drin
Hoch in der Luft zu jubeln

In der Höhe wo die Sonne dauernd scheint
Damit nichts in der Luft und am Meer wütend ist
Meine Möwe

Nichts ist wütend
So lang dich die Flügel tragen
Dorthin wo du selbst fliegen willst
Ob im Sturm oder in der Sonne
Du spottest oder freust dich

In der einsamen Bucht am Meer
Während die Sonne der Erde zulächelt
Ich höre zu wie du jubelst
Es ist schön, ich fühle mich gut
Meine Möwe

Übersetzung Stjepan Milcic
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Kommentare (6)

Hendrik am

In Deutschland wird über vieles aus diesem Teil Europas nicht berichtet. Auch die Hochwasserkatastrophe in Kroatien Bosnien und Serbien wurde bewusst ausgelassen, aber gut ist halt so. Auch hier in München trauern nicht nur Kroaten um Oliver. Seine Musik geht nahe, auch wenn man nicht hundertprozentig die kroatische Sprache beherrscht. War bei seinen Konzerten immer dabei. München und Zagreb. Er soll für immer leben. LG ein Münchner aus Sachsen mit kroatischer Beziehung

Lili am

Sehr geehrter Autor

die von Ihnen erwähnte „serbokroatische“ Sprache gibt es nieht, und hat es nie gegeben. Im ehemaligen Jugoslawien sprach man entweder kroatisch, serbisch, mazedonisch, albanisch u.ä.
Kroatien ist seit lange schon ein selbständiger und autnomer Staat und die offizielle Sprache ist Kroatisch. In Serbien dagegen ist es Serbisch, gekennzeichnet durch eigene Grammatik, Rechtschreibung, Wortschatz, Schrift (Kyrillisch) natürlich auch geschichtlichem Hintergrund und Entwicklung und darf deswegen nicht mit einer anderen Sprache verwechselt werden.
Danke für Ihr Verständnis.

Carmen-Bella am

Ein sehr schöner Beitrag, Oliver hat mich mein Leben lang mit seiner Musik begleitet, er war mein Held und nicht nur meiner, er war der HELD KROATIENS.
Danke „nas morski vuk“…., danke für alles!!!
Finde deinen Frieden in VELA LUKA!
Für immer, Carmen aus Österreich/Orebic-Peljesac.

Jan am

Omg , what is this, some kind of „personal opinion“? Horrible! „ie Texte seiner Lieder sind in der Regel im dalmatinischen Dialekt (wie gesagt, von dalmatinischen Dichtern, Journalisten und Komponisten geschrieben) und für Menschen außerhalb Dalmatiens, auch wenn sie als Muttersprache Serbokroatisch oder eine der Varianten (Serbisch, Kroatisch, Bosnisch, Montenegrinisch) sprechen, schwerer verständlich“, wtf??? „für die nicht gerade moderne Musik von Oliver Dragojevic begeistern“.
I wouldn’t let opinion of one person be „official“ characterization of Oliver, his music or his fans! This is the worst text I red in last 24 hours! Such a shame!

Toni Split am

Danke für den Artikel. Hvala.

Toni am

Sein Verlust macht traurig!
Bedauerlicherweise hat kein deutsches Medium gestern darüber berichtet, obwohl ein sehr großer Teil der Welt dies bereits tat. Es wäre schön, wenn sein Wirken im Rahmen eines Kulturbeitrags einer Fernsehsendung mit Fokus auf Europa thematisiert werden würde. Es wäre es wert…

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