Die Stadt Wien plant ein Verbot von stark riechenden Speisen wie u.a. Leberkäse in der U-Bahnlinie U6. Ab September sollen derartige Gerichte nicht mehr in den Waggons konsumiert werden dürfen. Foto: alliance | APA | picturedesk.com

Schluss mit der Geruchsbelästigung in der Wiener U-Bahn
Ohne Döner ist's schöner

Des einen Freud, des anderen Leid: ab 1. September dürfen heiße und fettige Speisen nicht mehr in der U-Bahn gegessen werden. Dieses Verbot hat die Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) in Wien durchgesetzt. Betroffen von der Initiative ist vorläufig nur die U6. Die 17 Kilometer lange U-Bahnlinie, die den Norden der österreichischen Bundeshauptstadt mit dem Süden verbindet, ist die meistfrequentierte U-Bahn in Wien: pro Jahr nutzen 130 Millionen Menschen die U6. Hintergrund der Maßnahme ist, dass es darüber seit Jahren massive Beschwerden gibt.

 

Den Fahrgästen stinkt vor allem der Essensgeruch in der U6, die größtenteils überirdisch fährt und schlecht klimatisiert ist. Gerade in den Sommermonaten würden sich die Züge aufheizen und der Geruch noch intensiver werden. Deshalb wolle man nun auf die zahlreichen Beschwerden reagieren, so Daniel Amann. Der Sprecher der Wiener Linien ist derselben Ansicht wie Verkehrsstadträtin Ulli Sima. Beide finden, dass es den Fahrgästen der U-Bahn, anders als in Zügen, durchaus zuzumuten sei, 10 bis 15 Minuten ohne Essen auszukommen. Solange würde eine durchschnittliche U-Bahn-Fahrt dauern.

 

Das Verbot gilt für fettige, heiße Speisen wie Leberkäsesemmeln, Döner, oder asiatische Nudelgerichte genauso wie für die heiße Lieblingswurst der Wiener, die Käsekrainer. Dagegen soll das Mitführen von kalten Speisen, wie Frühstückskipferln, Salamisemmeln oder Müsliriegeln erlaubt bleiben, auch wenn diese bröseln.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
Stadträtin Ulli Sima (Mitte) und Wiener Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl (2. v. l.) im Rahmen einer "Deo-Verteilaktion" in der U6-Station Währingerstraße in Wien. Foto: picture alliance | APA | picturedesk.com
0:00 | 0:00

Der andere Grund für das Essens-Verbot in der U6 sind anfallende, Kosten, die durch die Reinigung der Züge entstehen, wenn  Knoblauchsauce oder Ketchup auf den Boden getropft ist, oder diverse heruntergefallene Reste die Sitze verschmutzen.

Die Wiener Linien wollen in den kommenden Wochen durch Lautsprecherdurchsagen, Plakate und Sticker um Verständnis für die Aktion werben. Man wolle die Fahrgäste freundlich aber bestimmt für das Thema Geruchsbelästigung sensibilisieren. Die Einhaltung des Verbots solle auch durch die Mitarbeiter kontrolliert werden, die notfalls Döner oder Currywurst essende Fahrgäste an die Luft befördern. Nach einigen Wochen Essensverbot in der U6 soll darüber entschieden werden, ob Heißes und Fettiges auch in weiteren U-Bahn-Linien und möglicherweise in Bussen und Straßenbahnen  untersagt wird.

 

Andere Fahrgäste können die Maßnahme schwer nachvollziehen. Um ihren Protest dagegen auszudrücken, haben sich inzwischen Fahrgäste via Facebook am 31. August zu einer kollektiven „Das letzte Mal Falafel/Döner essen in der U6“-Party verabredet. Am letzten Tag vor Einführung des Essenverbots wollen sie gemeinschaftlich Heißes und Fettiges im Zug verzehren.

 

Zu Geruchsbelästigung kommt es in öffentlichen Verkehrsmitteln mitunter auch in anderer Hinsicht. Um dagegen anzugehen, wurden in der U6 diese Woche schon einmal vorsorglich 14.000 Deos verteilt.

Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.