Zwei nackte Aktivisten im Jahr 1982 beim Neujahrskonzert. Die Aktion geschah in der Pause der Fernsehübertragung, erregte aber dennoch großes Aufsehen und wurde gerichtlich verfolgt. (c) Photoreport. Foto: Christine Haberlander

Ausstellung Photo/Politics/Austria im Wiener mumok
Ein anderer Blick auf die Republik Österreich

In den vergangenen 100 Jahren hat die Republik Österreich viel erlebt: Kriege, Skandale, Politikergrößen, die auf Staatsbesuch kamen, Sportler, die Generationen prägten. Das mumok (Museum moderner Kunst) unternimmt mit seiner neuesten Ausstellung „Photo/Politics/Austria“ eine bildliche Zeitreise durch die österreichische Geschichte von 1918 bis in die Gegenwart. Für jedes Jahr haben die beiden Kuratorinnen, Susanne Neuburger und Monika Faber, Fotos, Plakate, Zeitschriftencover oder Schriftstücke von herausragenden Ereignissen zusammengetragen, um den Besuchern der Ausstellung einen besonderen Blick auf Österreich zu zeigen. Parallel sind in der Schau die Entwicklung der Fotografie und die Vielfalt der Formate zu sehen, wie sie im Laufe der vergangenen Jahre zum Einsatz kamen.

Wer will kann darüber mit anderen Ausstellungsbesuchern ins Gespräch kommen: in einer braunen Sitzledergruppe mit Stehlampen, die der Gesprächsatmosphäre der legendären ORF-Fernsehdiskussionssendung „Club 2“ nachempfunden ist. Ein paar Meter weiter hängt bewusst das Foto zu der skandalträchtigsten „Club 2“-Sendung mit der deutschen Punkrockerin Nina Hagen, die im August 1979 für einen handfesten Skandal sorgte.

So wird zum Beispiel eine Ansichtskartenserie des Justizpalastbrandes gezeigt (1927), Fotos von Kriegsheimkehrern des bekannten Wiener Fotografen Ernst Haas (1947), oder die Flitzer-Aktion 1982 beim Neujahreskonzert der Wiener Philharmoniker, bei der zwei nackte Männer für die Rechte von Homosexuellen protestierten.

Die Ausstellung „Photo/Politics/Austria“ wirft auch Schlaglichter auf die österreichischen Politik, wobei man Balkonszenen mit winkenden Politikern vergebens sucht. Zum Beispiel in den Bildern während der nationalsozialistischen Herrschaft. Kuratorin Susanne Neuburger wollte bewusst nicht Adolf Hitler als Person zum Beispiel auf dem Wiener Heldenplatz zeigen. Stattdessen sind auf einem Foto dichtgedrängte Menschen auf einem Klohäuschen stehend zu sehen, die auf dem Heldenplatz keinen Platz mehr gefunden haben.

Dies sei ein anderer Blick, so Susanne Neuburger, „nicht von oben nach unten, sondern von unten nach oben.“

Den Blick schärfen, das ist das Anliegen der beiden Kuratorinnen, die mit der Ausstellung „Photo/Politics/Austria“ vermitteln wollen, dass hinter jedem Foto – egal ob in der Gegenwart oder in der Vergangenheit – Absicht steckt. Fotos könnten unterschiedlich rezipiert, produziert und verwendet werden, und sie sollen manipulieren. Sich das klar zu machen, sei ein Ziel der Ausstellung, so die Kuratorin Monika Faber.

Die Ausstellung „Photo/Politics/Austria“ ist noch bis Februar 2019 im Wiener mumok zu sehen.

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