Die Krankenschwestern und Pfleger lernen an einer Puppe, wie sie eine Wunde behandeln müssen. Foto: BR | Astrit Ibro

Albanien und Kosovo
Als Pflegekraft nach Deutschland

Anfang dieses Monats hat Gesundheitsminister Jens Spahn einen langfristigen Vorschlag zur Verbesserung der Pflegesituation in Deutschland unterbreiten: Derzeit seien 36.000 Stellen in der Alten- und Krankenpflege unbesetzt – Tendenz steigend. Spahn rechnet mit einem Bedarf von bis zu 50.000 Fachkräften und will mit einem Sofortprogramm 13.000 neue Stellen schaffen. Diese in Deutschland zu finden, sei nicht möglich, so Spahn:

„Ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland geht es also nicht.“

Gesundheitsminister Jens Spahn

Der Minister schaut hier vor allem auf europäische Länder mit jüngerer Bevölkerung wie Kosovo oder Albanien.

Situation in Albanien

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Leiterin für den deutschen Sprachunterricht bei DEKRA. Foto: BR | Astrit Ibro
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Die 45jährige albanische Krankenschwester Silvana Belalla, Mutter von zwei Kindern, hat nicht lange überlegt, ob sie die Chance ergreifen soll. Sie habe sofort das Universitätskrankenhaus ‚Mutter Theresa‘ verlassen, mit dem Ziel, „mein Können in Deutschland zu entfalten“. Derzeit nimmt sie an dem Deutschunterricht der DEKRA-Akademie in Tirana teil, der sie auf ihren Aufenthalt in Deutschland vorbereitet. Vor drei Jahren schlossen die albanische Regierung und die Bundesregierung ein Abkommen, eine Schule zu gründen, in der Pfleger und Krankenschwestern Deutsch lernen und mit dem deutschen medizinischen Vokabular vertraut werden. Die Schule, die von dem deutschen DEKRA-Unternehmen geleitet wird, bietet ein- bis anderthalbjährige Sprachkurse an. Nach Abschluss der Sprachprüfung können die Teilnehmer einen Arbeitsvertrag in Deutschland abschließen, für zwei Jahre, für einen Grundlohn von € 1.500. Kein Vergleich zu dem Gehalt, das Silvana Belalla in Tirana verdient: „Der minimale Lohn beträgt 38.000 Lek. (umgerechnet 300 Euro). Davon muss ich zwei Kinder großziehen.“

 

Zur Zeit lernen über 1.500 Pflegekräfte an den DEKRA-Sprachschulen, die sich nicht allein in der Hauptstadt befinden, sondern in sechs weiteren Städten des Landes. Die Teilnehmer arbeiten derzeit vorwiegend in dem Krankenhaus ‚Mutter Theresa‘ in Tirana. Dort gibt es auch eine Hochschule für Pfleger und Pflegerinnen. Das Studium dauert drei Jahre. Sabri Skenderi vom albanischen Pflegeverband ist skeptisch. Er denkt an die Folgen für das albanische Gesundheitswesen:

„Im Ausland sucht man Pfleger, die gearbeitet haben und Erfahrungen haben. Und weil sie diese Krankenschwestern besser bezahlen, ihnen einige Vorteile garantieren, die sie hier bei uns nicht haben, haben wir eine Situation, dass auch gute Pfleger weg gehen. Das ist unsere Sorge, denn wir verlieren Qualität. Was ich sehe, ist die Tatsache, dass viele Pfleger und Krankenschwestern aus verschiedenen Bezirken begonnen haben, Deutsch-Sprachkurse zu besuchen. Sie denken darüber nach, mit dem Abschluss des Sprachkurses und nach einigen beruflichen Ausbildungskursen ihre Zukunft im Ausland aufzubauen."

Sabri Skenderi vom albanischen Pflegeverband

Situation im Kosovo

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In Pristina bietet die Firma Interpersonnel Kurse für Pfleger und Krankenschwestern an, die in Deutschland arbeiten wollen sowie in anderen Ländern der Europäischen Union. Vor zwei Jahren, so sagt Etleva Lala, die Leiterin von Interpersonnel Kosovo, habe das Unternehmen damit angefangen, Gesundheits- und Krankenpfleger nach Deutschland zu entsenden und sie auf den Gesundheitsmarkt in Deutschland vorzubereiten. Fachpersonal, das die richtigen Erfahrungen und Diplomabschlüsse vorweisen kann. „Das heißt, wir bereiten sie vor, mit den Deutsch-Kenntnissen vor allem.“ Verlangt werden die Sprachabschlüsse B2 und B2 Plus Pflege, sowie „Vorkenntnisse für die Fachkenntnisse-Prüfung, sodass sie die Lizenz oder die Arbeitserlaubnis in Deutschland bekommen.“

 

Die 25jährige gelernte Krankenschwester Shpresa Hasani bereitet sich derzeit bei Interpersonnel auf die Zeit in Deutschland vor.

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Die Krankenschwester Shpresa Hasani in einem Klassenzimmer der Firma Interpersonnel. Foto: BR | Dardan Sadriu
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Die Krankenschwestern lernen wie sie den Blutdruck messen. Foto: BR | Astrit Ibro
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