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Blick von der antiken Stadt Antigonea hinüber nach Gjirokastra und ins Drino Tal. Foto: BR | Andrea Beer

Lieblingsplatz: Das antike Antigonea in Albanien
Weit mehr als Steine

Die südalbanische Stadt Gjirokastra ist für Albanienreisende ein Muss. Der kommunistische Diktator Enver Hoxha erklärte seinen Geburtsort höchstpersönlich zur Museumsstadt, der albanische Schriftsteller Ismail Kadare wuchs dort auf und die UNESCO erklärte die historische Stadt 2005 zum Weltkulturerbe. Die knapp 20.000 Einwohner Gjirokastras leben im breiten Tal des Flusses Drino und auch eine Fahrt hinauf in die östlich gegenüberliegenden Berge lohnt sich.

Die Berge hinauf nach Antigonea

Nahe des Dorfes Saraqinishte, auf einer ehemals strategisch günstig gelegenen Bergkuppe, liegen die gut erhaltenen, eindrucksvollen Ausgrabungen der illyrischen Stadt Antigonea. 14 Kilometer lang führt eine einsame, an manchen Stellen abgerutschte, Straße stetig nach oben. Durch einige Dörfer, vorbei an grasenden Pferden, Kühen, Schafen oder Ziegen. In deren Nähe treibt sich meist ein Rudel großer halbwilder Hunde herum. Sie rennen bellend an fahrenden Autos entlang und ihre nähere Bekanntschaft möchte man lieber nicht machen. Wanderer auf dem Weg hinauf nach Antigonea sollten für den Fall der Fälle also einen Wanderstock parat haben.

Entspannter Spaziergang durch die Antike

Das antike Antigonea liegt rund 600 Meter über dem Meeresspiegel in den Bergen und wurde im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gebaut. Auf einer Fläche von rund 45 Hektar können Besucher durch die früheren Wohnviertel Antigoneas: Agorana, Akropolis und Basileian spazieren. Bäume, Blumen und ein wunderschöner Blick ins Drinotal, hinüber nach Gjirokastra und auf die Festung der Stadt. Antigonea ist eine illyrische Siedlung, die eine Mauer von rund vier Kilometern umgab. Vermutlich wurde sie von König Pyrrhus von Epiros gegründet, der von ca. 319 – 272 v. Chr. lebte. Er heiratete Antigonea, die Tochter von Berenika, Ehefrau von König Ptolemaios. Für seine Ehefrau gründete Phyrrus rund 300 vor der Zeitrechnung die Stadt Antigonea. Sie existierte nur rund 150 Jahre, denn die Römer zerstörten Antigonea wieder und die antike Stadt wurde nicht mehr aufgebaut.

 

In Antigonea bei Gjirokastra gab es die ersten Ausgrabungen vor dem Ersten Weltkrieg. Mitte der 60er Jahre war der berühmte albanische Archäologe Dhimosten Budina in Antigonea aktiv und machte den Ort damit vielen bekannt.

 

Für die Touristenbusse von Gjirokastra wäre der Weg hinauf nach Antigonea zu eng. Die archäologische Besonderheit lässt sich deswegen mit einem einsamen, entspannenden Tag in den Bergen verbinden. Denn nur wenige Besucher verirren sich nach Antigonea und spazieren durch die Steine des antiken Antigonea, das auch für archäologische Laien interessant ist.

Sehenswert: Archäologie in Albanien

 

Albanien ist ein armes Land und hat viele Probleme. Archäologische Grabungen sind teuer und aufwändig und waren im Kommunismus zudem ideologisch verbrämt und für Propaganda genutzt. Allerdings wurde durchaus Geld für Ausgrabungen zur Verfügung gestellt, auch, um nach außen zu zeigen, wie reich die albanische Geschichte und Kultur ist. Um Ausgrabungen zu finanzieren, hat die albanische Regierung einen Fonds aufgelegt, doch das Geld reicht hinten und vorne nicht. Bei wichtigen archäologischen Stätten, wie Foinike in Südalbanien oder bei den Selca-Gräbern wird zurzeit nicht gearbeitet.

 

Ob die Albaner wirklich direkt von den Illyrern abstammen und das indogermanische albanisch ein „modernes illyrisch“ ist, ist sehr umstritten. Doch illyrische Anlagen, Städte oder Siedlungen wie Antigonea prägen das ganze Land und die Architektur, der oft sehr gut erhaltenen Anlagen, ist etwas ganz Besonderes. So sind zum Beispiel das südalbanische Butrint an der griechischen Grenze bei Korfu oder Apollonia in Mittelalbanien sehenswert.

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Blick über die antike Stadt Antigonea in Albanien

Material: Andrea Beer

Videobearbeitung: Karin Straka

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Kommentare (1)

Ich denke, dieser Artikel ist wirklich gut geschrieben und ich bin froh, auf diesen Blog gestoßen zu sein. Ein Daumen hoch von mir. Ich kann einen Kommentar gehabt haben, aber ich denke, dass es spät ist. Unnötige Debatte: p

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