Google Maps-Vorschau - es werden keine Daten von Google geladen.

Wirtschaftskammer stoppt Werbespot nach Shitstorm
Das Eigentor

Auf der pastellfarbenen Arbeitsinsel leben nur glückliche Knetfiguren. Weil sie jetzt auch 12 Stunden am Tag arbeiten dürfen, verdienen sie mehr Geld, können sich dadurch mehr gönnen und auch ihre Freizeit flexibel gestalten. Der Soundtrack dazu ist seichter Austropop: „Geht’s den meinen guat, dann geht’s uns allen guat. Das will ja jeder, das ist doch klar“.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten direkt von YouTube geladen.

Willkommen in der neuen Welt der Arbeit

Quelle: Youtube | Wirtschaftskammer Österreich

Das ist die Kernaussage eines Werbevideos der österreichischen Wirtschaftskammer. Eines Videos, das zum PR-Desaster geworden ist.

 

Hintergrund ist die emotional geführte Diskussion um eine neue Arbeitszeitregelung in Österreich. Nach den Plänen der konservativ-rechtspopulistischen Regierung soll es ab 2019 möglich sein, bis zu 12 Stunden am Tag zu arbeiten. Aktuell sind maximal zehn Stunden erlaubt. Die Regierung vertritt die Ansicht, dass die neue Regelung sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber und somit letztlich auch für den Standort Vorteile bringt, weil sich Arbeitszeiten dadurch flexibler gestalten lassen. Gewerkschaften und Opposition sehen das anders. Sie sprechen von Lohnraub und sehen die Gesundheit der Arbeitnehmer in Gefahr.

Soundcloud-Vorschau - es werden keine Daten direkt von Soundcloud geladen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
0:00 | 0:00

Soundcloud-Vorschau - es werden keine Daten direkt von Soundcloud geladen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
0:00 | 0:00

Umstritten ist auch, ob Arbeitnehmer die Mehrarbeit ablehnen können. Nach heftiger Debatte will die Regierung nun die „Freiwilligkeit“ explizit in das Gesetz einarbeiten.

Soundcloud-Vorschau - es werden keine Daten direkt von Soundcloud geladen.

Lade Inhalte

Lade Inhalte Lade Inhalte
0:00 | 0:00

Die österreichische Wirtschaftskammer gehört zu den Befürwortern des 12-Stunden-Tages. Mit dem Knetfigurenvideo wollte sie die Zweifel der Kritiker zerstreuen und die Vorteile der Neuregelung in den Vordergrund rücken. Doch das ging nach hinten los. Weil sie aus Sicht vieler Österreicher das Thema einseitig und undifferenziert dargestellt hat, hagelte es Kritik und Spot in den sozialen Netzwerken. Der Tenor: Die Wirtschaftskammer beschönige schlechte Arbeitsverhältnisse und betreibe plumpe Regierungspropaganda. Das Video verzeichnet mittlerweile (Stand 21.06.2018) mehr als 15.000 Dislikes und nur rund 425 Likes.

Auszug aus den Userkommentaren auf Youtube. Foto: Screenshot Youtube
Auszug aus den Userkommentaren auf Youtube. Foto: Screenshot Youtube

Nach nur zwei Tagen musste die Wirtschaftskammer die Notbremse ziehen und kündigte an, das Video nicht mehr auf Youtube zu bewerben und auf geplante Fernsehausstrahlungen zu verzichten. Eine Wirtschaftskammer-Sprecherin erklärte, dass das nicht an der Kritik an dem Youtube-Video liege, sondern daran, dass die Gesetzespläne früher als erwartet eingebracht wurden.

Was Sie noch interessieren könnte

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.