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„…Belgrader Fußballfans werden sich bis zum 15. Juli alle WM-Spiele auf dem Nikola Pasic-Platz ansehen können, einem der Zentralplätze der Belgrader Innenstadt. Für dieses offizielle Public Viewing ließ die Stadtverwaltung für die Dauer der Meisterschaft den Platz in „Mundial Platz“ umtaufen…“ Foto: BR | Dejan Stefanovic

Fußball WM 2018 in Serbien
Zur Abwechslung keine große Erwartungshaltung

Erstmals seit der Weltmeisterschaft 2010 nimmt Serbien wieder an einem Fußball-Großereignis teil. Eigentlich ein Grund zur Freude und für Euphorie in der Balkan-Republik. Doch diese sucht man derzeit noch vergebens. Die Gründe dafür sind vielfältig und zum großen Teil hausgemacht.

Die Qualifikation

In der Qualifikation hatte es Serbien mit Österreich, Irland und Wales gleich mit drei Teams zu tun, die an der Europameisterschaft 2016 in Frankreich teilgenommen haben. Zum Auftakt gelang im Belgrader Stadion Rajko Mitic, oder auch Marakana genannt, ein 2:2 gegen Irland. Die Kulisse war gespenstisch, denn gerade einmal knapp 8.000 Zuschauer verirrten sich in die Betonschüssel. Fassungsvermögen: 55.000. Das Spiel an sich war ansprechend und die Serben schafften es, eine taktisch disziplinierte irische Mannschaft in Schach zu halten. Ein erfolgreicher Auftakt in die Qualifikation war damit geglückt. Trotzdem war die Stimmung in der heimischen Presse und der Öffentlichkeit größtenteils pessimistisch. Das änderte sich mit Fortdauer der Qualifikation. Trainer Slavoljub Muslin verzichtete, anders als seine Vorgänger, auf große Experimente bei der Personalwahl. Mit einem kleinen Kreis an Spielern, die aber taktisch bestens aufeinander abgestimmt waren, konnte die Qualifikationsgruppe gewonnen werden. Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft war einer der Gründe, warum Serbien sechs Spiele gewinnen konnte und lediglich das Auswärtsspiel in Österreich verloren hat. Zum letzten Gruppenspiel gegen Georgien war das bereits oben erwähnte Stadion mit mehr als 40.000 Zuschauern bestens besucht. Eigentlich hätte es also genug Gründe gegeben, um optimistisch in die Zukunft zu blicken. Doch nach der erfolgreichen Qualifikation trat der Trainer überraschend zurück.

Der Trainer

Im Oktober 2017 war also Schluss für Slavoljub Muslin und er nahm seinen Hut. Für die Öffentlichkeit kam dieser Schritt äußerst überraschend. Warum sollte ein Trainer, der sein Team zur Weltmeisterschaft gebracht hat und eine Mannschaft geformt hat, die endlich auch als Mannschaft auftritt, zurücktreten? Bis heute sind die Gründe nicht genau geklärt. Verbandspräsidenten Slavisa Kokeza gab unüberbrückbare Differenzen mit Muslin als Grund an. Was übersetzt bedeutet: Kokeza wollte seinen Einfluss geltend machen und dem Trainer Personalentscheidungen diktieren. Namentlich soll es um die Einberufung von Lazio Rom Star Sergej Milinkovic-Savic gegangen sein, der unter Muslin keine Rolle gespielt hat. Muslin machte nicht mit und trat zurück. Wieder einmal sorgte der Verband selbst für Probleme. Der neue Trainer ist ein alter Bekannter in Deutschland. Der langjährige Bundesligaprofi Mladen Krstajic wurde zunächst als Interimstrainer installiert und erhielt im Januar 2018 dann einen Vertrag bis Ende 2019.

Für Krstajic ist es die erste Station als Cheftrainer. Und Serbiens Eröffnungsspiel gegen Costa Rica wird sein erstes Pflichtspiel werden. Das letzte Testspiel verlief vielversprechend. Bolivien konnte im österreichischen Trainingslager mit 5:1 bezwungen werden. Drei Tore steuerte Stürmer Aleksandar Mitrovic vom FC Fulham bei. Auf ein genaues System hat sich Krstajic für die Weltmeisterschaft noch nicht festgelegt. Fest steht nur: Irgendwie muss er den bereits erwähnten Milinkovic-Savic einbauen.

Die Mannschaft

Serbien verfügt auf dem Papier über einen Kader, der durchaus konkurrenzfähig ist. Das war aber in der Vergangenheit oft der Fall. Das volle Potential konnten sie jedoch nur äußerst selten abrufen. Beim letzten großen Turnier, an dem Serbien teilnahm, schaffte man lediglich einen Sieg in der Gruppenphase. Gegen Deutschland im zweiten Gruppenspiel, das Deutschland eigentlich immer vergeigt. Dem gegenüber standen Niederlagen gegen Ghana und Australien.

Der Großteil des Kaders spielt in der Besetzung schon seit langem zusammen. Gerade in der Defensive verfügt Krstajic mit dem 34-jährigen Torhüter Vladimir Stojkovic von Partizan Belgrad, Branislav Ivanovic (34, Zenit St. Petersburg), Dusko Tosic (33, Besiktas Istanbul) und Kapitän Aleksandar Kolarov (32, AS Rom) über sehr viel Routine. Im Mittelfeld organisiert der 29-jährige Nemanja Matic von Manchester United das Spiel und vorne sorgen Aleksandar Kostic vom HSV, Adam Ljajic vom FC Turin, der offensive Taktgeber Dusan Tadic vom FC Southampton und Stürmer Aleksandar Mitrovic für Torgefahr. Hinzu kommen die U-20 Weltmeister von 2015 Milos Veljkovic von Werder Bremen, Andrija Zivkovic von Benfica Lissabon, Ersatztorhüter Predrag Rajkovic von Maccabi Tel Aviv und eben Sergej Milinkovic-Savic. Serbien stellt sogar den 5. jüngsten Kader bei der Weltmeisterschaft. Wie der Trainer Milinkovic-Savic genau einbauen wird, ist noch unklar. Denn eigentlich ist für den Spielertypen Milinkovic-Savic kein Platz im Team. Klar ist aber auch, dass er ihn einbauen muss. Schließlich hat Krstajic ihm auch indirekt seinen Job zu verdanken und ein Team ohne den wertvollsten Spieler wäre für den Verband nicht akzeptabel.

Die Stimmung und Erwartungen in Serbien

Die Erwartungen in Serbien sind nicht besonders groß und die Stimmung ist wenig euphorisch. Zu oft wurden die Serben vom Fußball und ihrer Nationalmannschaft enttäuscht. Die leeren Stadien, die ausufernde Hooliganproblematik in der heimischen Liga und die fortdauernden Probleme rund um den Verband haben die Fans desillusioniert und verschreckt.

In der Gruppe E trifft Serbien auf Costa Rica, Schweiz und Brasilien. Möchte das Team reelle Chancen auf das Weiterkommen in die KO-Phase haben, muss eigentlich schon ein Sieg gegen Costa Rica zum Auftakt her. Dieser Sieg könnte dann auch die Stimmung in eine positive Richtung beeinflussen.

Das Potential dazu hätte das Team, aber das war in der Vergangenheit ja schon häufiger der Fall.

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