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Public Viewing, Ronaldo Sandwich und der Traum vom Finale
Fußball WM 2018 in Kroatien

Für Public Viewing und phantasievollen Imbiss ist gesorgt. Die Spiele kann man in zahlreichen Cafes und auf vielen öffentlichen Plätzen in den meisten kroatischen Städten live verfolgen. In Zagreb gibt es außer Cafes, Biergärten und Sommerterrassen mit TV, auch mehrere Fanzonen in verschiedenen Stadtteilen. Die größten sind am zentralen Ban Jelacic Platz, sowie im Strossmayer Park, ebenfalls im Zentrum. Die Fanzone dort wird „Foodballerka“ genannt, ein (englisches) Wortspiel, das food (Essen) und football vereint. Es werden auch „Ronaldo-Sandwiches“ oder „Suarez-Cocktails“ angeboten.  Ein Geschmack der wirklich „beißt wie Suarez“, das schwören zumindest diejenigen, die diesem Cocktail bereits probieren konnten.

Auf Riesenbildschirmen und einigen kleineren Monitoren werden alle Fußballspiele übertragen. Vor und nach den Spielen treten bekannte kroatische Pop- und Rockbands, sowie einzelne Popsänger/-innen auf. Einheimische, sowie internationale D.J´s legen Musik auf. Fußball, Musik, Bier und etwas zu essen. Der Zagreber Touristenverband erwartet während der WM – außer Kroaten – auch viele Besucher aus Nachbarländern, die bei der WM nicht dabei sind, etwa aus Slowenien oder Bosnien-Herzegowina.
Kurz gesagt: Kroatien ist ein Fußballland, die Stimmung ist voller Vorfreude und die Fans erwarten viel von der WM. Fußballfachleute oder die Sportjournalisten sind da vorsichtiger in der Analyse, die in vollem Gange ist. Sie wenden und drehen jeden Fakt so und so herum, und die Köpfe qualmen.

Das Fazit fällt unter dem Strich einfach so aus: Der Ball ist rund.

Kroatien kann Weltmeister werden, aber genauso schon in der Vorrunde ausscheiden. Das Team spielt in der Gruppe D, in der Argentinien als Favorit gehandelt wird. Darin sind sich die meisten Fußballauguren einig. Kroatien muss aus ihrer Sicht besser abschneiden als Nigeria und Island, und als Zweiter in der Gruppe D weiterkommen. Wenn diese Gruppenphase überstanden werden sollte, dann sei alles möglich, mit etwas Glück und Geschick sogar das Finale, so die allgemeine Meinung. Realistisch sei aber ein Ausscheiden im Achtelfinale, bestenfalls im Viertelfinale. Sollte das schon in der Vorrunde passieren, würde das für großen Unmut im Land sorgen, auch eine Revolution halten Beobachter für nicht völlig ausgeschlossen. Wahrscheinlich würde die Regierung darüber stürzen, Premier Andrej Plenkovic müsste in Brüssel mit syrischen oder afrikanischen Flüchtlingen um Asyl bitten…..

Nein, ich übertreibe natürlich. Aber der Cheftrainer Zlatko Dalic müsste wahrscheinlich den Hut nehmen und vielleicht auch die ziemlich unbeliebte Leitung des Fußballverbandes (HNS), die bei den wenigsten Kroaten ein hohes Ansehen genießt. Das Fußballvolk lässt an ihnen kein gutes Haar. Wenig schmeichelhaft wird ihnen nachgesagt, sie seien „korrupte Bonzen“, die sich nur um sich selbst kümmern würden.

Sollte Kroatien das Achtelfinale erreichen, bleibt personell wohl alles wie es ist. Eine Riesenfete wird aber eher ausbleiben. Der Einzug ins Viertelfinale würde (objektiv) als Erfolg gewertet werden, alles darüber hinaus als Riesenerfolg

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1991 hat Kroatien nur die WM 2010 verpasst .

Den größten Erfolg hatte das Nationalteam bei seinem Debüt 1998 in Frankreich, wo es auf den dritten Platz kam. 2002, 2006 und 2014 blieb Kroatien jeweils in der Gruppenphase hängen.

Das kroatische Team

Warum der Traum vom WM-Titel für Fans gar nicht so unrealistisch scheint?! Im Aufgebot des Nationalteams 1998 war die Hälfte der Spieler aus der kroatischen Liga und nur zwei haben zur Zeit der WM´98 in großen europäischen Clubs gespielt (Davor Suker – Real Madrid, Zvonimir Boban – AC Milan). Robert Prosinecki spielte vor seinem Wechsel zu Croatia Zagreb bei Real Madrid und dem FC Barcelona, zwei kamen aus der Bundesliga (Stuttgart und Karlsruhe) und die anderen waren in kleineren europäischen Clubs, keiner aber in einer „Hauptrolle“. Heutzutage sind Kroatiens Fußballer Stammspieler bei den ganz Großen. Etwa Luka Modric von Real Madrid, Ivan Rakitic vom FC Barcelona, Ivan Perisic von Inter Mailand oder Dejan Lovren vom FC Liverpool. Darüber hinaus noch die Bundesligaspieler Andrej Kramaric von Hoffenheim, Ante Rebic vom Pokalsieger Frankfurt, Tin Jedvaj von Bayer Leverkusen und  Marko Pjaca von Schalke 04. Wie stark diese Mannschaft ist, zeigt auch, dass keiner der Bundesligisten einen „Stammplatz“ im Nationalteam hat,  am nächsten dran sind Kramaric und Rebic.

Fazit für Optimisten
1998 konnte das Team mit Fußballern aus der kroatischen Liga und ein paar soliden europäischen Spielern, sowie einigen europäischen Klassespielern den dritten Platz erreichen.
2018 könnte das Team mit 5-6 europäischen Klassespielern, sowie 10-12 guten europäischen Spielern durchaus ins Finale kommen.

Trainer Zlatko Dalic

Zlatko Dalic hat gegen Ende der WM-Qualifikation Ante Cacic als Trainer abgelöst, als die WM Qualifikation zu scheitern drohte. Er hat dann nicht nur das letzte Spiel gegen die Ukraine erfolgreich bestanden, sondern auch die Playoff-Spiele gegen Griechenland. In  den Vorbereitungsspielen kassierte Kroatien zwei Niederlagen (gegen Brasilien und Peru je 0:2) und zwei Siege (gegen Mexiko 1:0 und den Senegal 2:1). Bis jetzt hat Dalic die Sympathien der Kroaten, weil er besonnen und bescheiden aber entschlossen und selbstbewusst wirkt. Die Spieler und Trainer wollen die Euphorie im Land etwas dämpfen, denn das Spiel gegen Argentinien sei nicht entscheidend, behaupten sie, sondern man müsse gegen Nigeria und Island die beste Leistung zeigen und gewinnen. Das Spiel gegen Argentinien solle eine Freude werden, und man sei nicht chancenlos. Interessant ist, dass im Spiel Argentinien – Kroatien  zwei Klubkameraden aus Barcelona aufeinander treffen (Messi und Rakitic).

Fazit für Pessimisten
Diese sagen, anders als beim Tennis, wo einzelne spielen, ist der Fußball ein Mannschaftssport. Die Klasse Einzelner kommt nur dann zum Tragen, wenn sie gut in das Team eingebaut ist. Ob das Cheftrainer Zlatko Dalic gelingt, bezweifeln Pessimisten.

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