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Bundeskanzler Sebastian Kurz auf dem Dach des österreichischen Hospiz bei seinem dreitägigen offiziellen Besuch in Israel. Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com

Israel stärkt Bundeskanzler Sebastian Kurz demonstrativ den Rücken
"Ein wahrer Freund Israels und des jüdischen Volkes"

Sie war so klar wie prägnant und endete mit stehenden Ovationen der Zuhörer: die Rede von Bundeskanzler Sebastian Kurz vor mehreren hundert Teilnehmern des American Jewish Commitee (AJC) in Jerusalem. Die Veranstalter selbst bezeichneten das Ereignis als „historisch“ – zum einen, weil es tatsächlich die erste Rede eines österreichischen Regierungschefs vor dem AJC war. Viel mehr aber zählte, was der Kanzler sagte.

Sebastian Kurz spricht vor dem American Jewish Committee in Jerusalem. Foto: BR | Michael Mandlik
Sebastian Kurz spricht vor dem American Jewish Committee in Jerusalem. Foto: BR | Michael Mandlik

Gemeinsamer Kampf gegen zunehmenden Antisemitismus

Mit Blick auf einen weltweit zunehmenden Antisemitismus und einer verschärften Gefährdungslage für das Land Israel erklärte Kurz unmissverständlich: „Die Sicherheit Israels ist für uns nicht verhandelbar“. Österreich fühle sich der historischen moralischen Verantwortung verpflichtet, „die wir als Österreicher gegenüber der Sicherheit Israels im Rahmen unserer Möglichkeiten als neutrales Land haben“. So fühle sich Österreich verpflichtet, Israel im weltweiten Kampf gegen Antisemitismus zu unterstützen, „nicht nur aus politischen Gründen oder aus wirtschaftlichen Gründen, sondern als Teil unserer Freundschaft und moralischen Verpflichtung gegenüber diesem Land, dem jüdischen Volk und aus Menschlichkeit“.

Bundeskanzler Sebastian Kurz über seine Israel Reise

Video: Michael Mandlik

Zur historischen Verantwortung am Holocaust erklärte Kurz, Österreich habe sich lange Zeit als erstes Opfer der Nazis gesehen. Gleichzeitig aber hätten viele Österreicher nichts gegen das Nazi-Regime getan, schlimmer noch: “ Viel zu viele unterstützten diesen Horror aktiv oder waren sogar Täter“. Auch dadurch sei ein verbrecherisches System gestützt worden, das mehr als sechs Millionen Juden ermordete, darunter über 60.000 Österreicher. „Sich erinnern bedeutet auch die Wahrheit zuzugeben“, so Kurz unter großem Beifall der AJC-Delegierten.

Sieht in Sebastian Kurz „einen wahren Freund Israels und des jüdischen Volkes“: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bei einem Treffen in Jerusalem. Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com
Sieht in Sebastian Kurz „einen wahren Freund Israels und des jüdischen Volkes“: Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bei einem Treffen in Jerusalem. Foto: picture alliance/APA/picturedesk.com

"Österreichisch-israelische Kontakte intensivieren"

Bereits am Vormittag hatte der österreichische Bundeskanzler bei einem Treffen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu breite Zustimmung für seine Politik und vor allem für seine Haltung zu Israel erfahren. So bezeichnete Netanyahu Kurz als „wahren Freund Israels und des jüdischen Volkes“. Der israelische Premier kündigte sogar an, die Kontakte zum österreichischen Aussenministerium zu intensivieren – ein Schritt, der in der österreichischen Parteienlandschaft hohe Wellen schlagen dürfte, ist das Außenministerium ministeriell doch bekanntlich von der rechtspopulistischen FPÖ besetzt.

Sebastian Kurz an der Klagemauer

Video: Michael Mandlik

Für Sebastian Kurz kommt die Welle der Sympathie, die er bei vielen Gelegenheiten während dieses Jerusalembesuchs erfahren durfte, gerade zur rechten Zeit. Unmittelbar vor Beginn der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft im Juli kann der Kanzler somit auch seine außenpolitische Kompetenz in den Vordergrund rücken, die er sich während seiner Zeit als österreichischer Außenminister erworben hatte. Vor allem auch die Unterstützung Israels stärkt Kurz entscheidend den Rücken. Brüssel, Paris und Berlin werden nun genau beobachten, wie der Regierungschef einer umstrittenen ÖVP/FPÖ-Regierung in den kommenden Tagen und Wochen als EU-Politiker auftreten wird.

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