Der Post des des Anstoßes. Der niederösterreichische FPÖ-Landesminister Gottfried Waldhäusl beklagt sich über Hunde mit Migrationshintergrund. Screenshot: facebook.com/Gottfried.Waldhaeusl

FPÖ-Politiker warnt vor ´Hunden mit Migrationshintergrund´
Der Migrationshinterhund

Achtung, kein Fake! “Hunde mit Migrationshintergrund nehmen unseren Tieren leider oftmals den Platz in den örtlichen Tierheimen weg.” – mit diesem Satz zitiert eine Regionalzeitung den niederösterreichischen FPÖ-Landesminister Gottfried Waldhäusl. Der Satz ist kritikwürdig. Aber eigentlich muss man Gottfried Waldhäusl dankbar sein, dass er ihn so formuliert hat. Denn selten war die Gelegenheit so passend, ein populistisches Kommunikationsmuster zu durchleuchten: Die Hundepfeifenpolitik.

Politische Hundepfeifen

Es ist fast immer der gleiche Ablauf: Zuerst kommt die provokante Äußerung. Dann die Welle der Empörung oder des Spotts. Dann die Relativierung. Und danach wird nachgelegt. Diese Art, politische Debatten zu führen, nennt sich im Jargon der Kommunikationswissenschaft „dog-whistle-politics“. Also Hundepfeifen-Politik. Gemeint ist die Praxis, bestimmte Botschaften zu setzen, deren wahre Bedeutung der breiten Öffentlichkeit entgehen kann, einer bestimmten Zielgruppe aber ganz sicher nicht. Eben wie bei einer Hundepfeife, deren hohe Frequenzen außerhalb des menschlichen Hörbereichs liegen, aber von den Hunden, für die sie bestimmt sind, sehr gut gehört werden.

Die Provokante Äußerung

Zuerst kam das oben beschriebene Zitat Waldhäusls. Einen Tag später präsentierte sein Facebook-Team eine Grafik. Darauf ein traurig dreinschauender Welpe und die Botschaft „6 von 10 Hunden im Tierheim sind aus dem Ausland“ und ein Tortendiagram zur Visualisierung. Ein Tortenstück:  40% österreichisches rot-weiß-rot. Das andere:  60% – grafisch umgesetzt als schwarzer Hund auf gelber Oberfläche. Zur Lösung des Problems schrieb Waldhäusl, dass er mit Bundesinnenminister Herbert Kickl (FPÖ) stärkere Kontrollen verabredet habe.

Die öffentliche Reaktion

Unglaube („Irgendwo muss hier „Satire“ stehen! Ich find’s bloß nicht“), Empörung („Rassismus gegen Tiere geht gar nicht“!“) und Spott  („hoffentlich wir die BellkanRute (sic!) bald geschlossen, bevor die sich hier pudelwohl fühlen. Die nehmen uns unsere Knochenjobs weg!“) überschlugen sich im Netz. Und trugen damit die Töne aus Waldhäusels Hundepfeife noch weiter ins Land und auch über seine Grenzen hinaus.

Die Relativierung

Die Reaktion Waldhäusels ist geradezu typisch für das Phänomen der Hundepfeifen-Politik: Der Satz sei aus dem Zusammenhang gerissen worden, es handle sich um ein ernsthaftes Thema, sagte Waldhäusl, den illegalen Welpenhandel. Er habe Worte von Verantwortlichen von Tierheimen im Land wiedergegeben, die er in seiner Funktion besuche. „Macht’s was gegen die Welpenmafia“: Diesen Wunsch höre er von ehrenamtlichen Mitarbeitern quer durch das Bundesland, betonte Waldhäusl.

Die eigentliche Botschaft

Das Thema illegaler Welpenhandel ist durchaus ernst zu nehmen. Es war aber eine andere Botschaft, die bei Waldhäusls Anhängern unmissverständlich angekommen sein dürfte:  Selbst bei Hunden muss man zwischen autochthon und fremd unterscheiden und das Fremde ist dem Autochthonen gegenüber generell schlechter zu stellen. Zur Not muss man eben Grenzen schließen.

Das Nachlegen

Einmal im Fokus der Öffentlichkeit, legte Waldhäusl wenige Tage später nach. Den Appell der niederösterreichischen Kammer an die dortigen Landwirte, bei der Verpflegung von muslimischen Erntehelfern auf Schweinefleisch zu verzichten,  nannte er bei Facebook „einen Affront gegen unsere Schweinebauern“.

Am Sonntag hat Waldhäusl mit diesem Posting nachgelegt. Die Reaktionen zeigen: Die erhoffte Wirkung ist nicht ausgeblieben. Screenshot: facebook.com/Gottfried.Waldhaeusl/
Am Sonntag hat Waldhäusl mit diesem Posting nachgelegt. Die Reaktionen zeigen: Die erhoffte Wirkung ist nicht ausgeblieben. Screenshot: facebook.com/Gottfried.Waldhaeusl/
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