Nur noch acht Mönche leben im orthodoxen Rila-Kloster in Bulgarien. Foto: BR | Karin Straka

Lieblingsplatz: Orthodoxes Wahrzeichen Bulgariens
Das Rila-Kloster in den Bergen nahe Sofia

Die Anfahrt von Sofia dauert nicht ganz zwei Stunden und führt zum Großteil über die Autobahn. Landschaftlich beeindruckend ist erst der letzte Abschnitt, auf dem sich die Straße kurvig durch ein Tal des Rila-Gebirges schlängelt. Grün bewachsene Berghänge, schroffe Felsformationen, klare Gebirgsbäche und kleine Ortschaften mit Weinlauben vor den Häusern säumen den Weg. Und plötzlich findet man sich auf dem Parkplatz vor den dicken Klostermauern wieder. Alleine ist man hier auch an einem bewölkten Samstag im Mai leider nicht, aber die Menschenmassen halten sich heute noch in Grenzen. An Wochenenden und zu hohen Feiertagen kann es passieren, dass es mehrere Tausend Besucher an die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte zieht. Schließlich zählt das auf etwa 1.150 Metern Höhe gelegene Kloster des heiligen Iwan von Rila zu den Highlights eines Bulgarien-Aufenthaltes.

Mystisch und wie aus einer anderen Zeit wirkt der Ort mitten im Wald mit seinen mehrstöckigen Säulengängen, der Kirche mit den fünf Kuppeln und farbenprächtigen Fresken, den Brunnen und den Steinplatten, mit denen der Innenhof gepflastert ist. Neben der Kirche erhebt sich der Chreljo-Turm aus dem 14. Jahrhundert, das älteste Gebäude des Klosters. Es lohnt sich, ihn zu besteigen und einen Blick von oben auf das geschäftige Treiben zu werfen.

In der Kirche stechen die holzgeschnitzte, vergoldete Ikonostase und die Fresken hervor. Hier befindet sich, bedeckt mit einem Tuch, der Sarg mit den Gebeinen des heiligen Iwan von Rila. Wir haben Glück und können einen Blick auf die Reliquie des Klostergründers werfen.

Eine weitere wichtige bulgarische Persönlichkeit ist in einer der Seitenkapellen begraben. Allerdings fand nur das Herz des bulgarischen Zaren Boris III. hier seine letzte Ruhestätte, da seine Gebeine während des kommunistischen Regimes auf mysteriöse Weise verschwanden. Auch die Umstände seines Todes während des 2. Weltkriegs geben Rätsel auf. Eine spannende Geschichte abseits der religiösen Bedeutung dieses Ortes.

Das Kloster beherbergt außerdem ein kleines Museum mit Kirchengegenständen, Ikonen, Urkunden und Waffen. Ich muss zugeben: Museen ziehen mich nicht immer automatisch an. ‚Raffails Kreuz‘, das wertvollste hier ausgestellte Stück, hat mich dann aber doch beeindruckt. Es handelt sich um ein geschnitztes Holzkreuz, auf dem über hundert religiöse Szenen mit Hilfe von kleinsten Figuren dargestellt sind.

 

Die ehemaligen Wohnzellen der Mönche, inklusive vorgelagerter Küche, wirken überraschend geräumig und gemütlich. Heute lebt man hier allerdings wesentlich moderner – inklusive Smartphone – erklärt unsere Führerin. Probleme mit dem Nachwuchs gibt es aber auch in diesem Kloster. Nur noch 8 Mönche wohnen ständig hier. Der Jüngste ist an die 30 Jahre alt, der Älteste über 60.

Gestärkt mit einem Schluck Bergwasser verlassen wir die beeindruckende Kulisse des Rila-Klosters. Und falls Sie jetzt Hunger bekommen haben: in einem der Lokale in der näheren Umgebung lassen sich wunderbar frische Forellen genießen. Wer ein Mitbringsel sucht: Bienenprodukte werden an vielen Straßenständen angeboten. Darunter auch, wie ich gelernt habe, das bekannte ‚Balkanviagra‘, bestehend aus in Honig eingelegten Nüssen. Und wenn noch etwas Zeit bleibt: die Universitätsstadt Blagoewgrad mit ihrer sozialistischen Architektur ist einen Abstecher wert.

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