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World Developer Congress 2018 - Das Motto des Kongresses auf dem Bildschirm der Hauptbühne. Foto: BR | Ruslan Amirov

World Developers Congress 2018 – Ein Rückblick
Die Macher der Zukunft

Rund zehntausend sollen es dieses Jahr auf dem World Developers Congress gewesen sein. Mittlerweile, so heißt es, ist der alljährliche Kongress im Austria Center in Wien die größte Veranstaltung im Bereich Programmierung und IT in Europa. Tausende von erfahrenen Codeschreibern und jungen IT-Studenten laufen durch die Gänge, vorbei an den Firmenständen, die um die Talente werben. Von BMW bis Microsoft, vom regionalen Mittelstandsbetrieb bis zum Weltmarktführer, so gut wie alle waren sie da. Die einen haben nur einen kleinen Stand, die anderen dagegen laden ein, sich von der Magie der künstlichen Intelligenz in ihrer Firma verzaubern zu lassen; einfach die VR-Brille aufsetzen und schon sehen sie digitale Welten, die vorher nicht da waren. Und so fand man sie überall verteilt in den Hallen des Austria Centers, wie sie mit dicker schwarzer Brille vor den Augen scheinbar planlos mit den Händen in die Luft griffen. Jeder will sie haben, die Macher der Zukunft.

Ein Blick in die Arbeitswelt von morgen. Digitale Welten am analogen Arbeitsplatz. Foto: BR | Ruslan Amirov
Ein Blick in die Arbeitswelt von morgen. Digitale Welten am analogen Arbeitsplatz. Foto: BR | Ruslan Amirov

Weil wir es können

Doch das war nur ein Aspekt dieses Kongresses. In bis zu acht Hallen wurden zur gleichen Zeit Reden von Experten aus der Branche gehalten. Den Anfang machte Steve Wozniak, Mitbegründer von Apple und die Hälfte des Gespanns Jobs/Wozniak, die auch programmieren konnte. Er füllte gleich alle Hallen zur selben Zeit, per Live Stream. Auf der enormen Bühne in Halle A folgten die weiteren Stars. Mit der in ihrem Rücken in dicken roten Buchstaben aufgestellten Aussage #WeAreDevs und drei übergroßen Bildschirmen darüber, kamen sie unter lauter musikalischer Untermalung und begleitet von einer Lichtshow, auf die Bühne. Jedes Mal tobte die Halle. Und diese bis in die letzte Ecke des Raumes positive Stimmung war bei jedem einzelnen im Austria Center zu spüren.

Keine Bühne zu groß für die Stars unter den Entwicklern. Foto: BR | Ruslan Amirov
Keine Bühne zu groß für die Stars unter den Entwicklern. Foto: BR | Ruslan Amirov

Längst ist der Nerd von gestern aus den Garagen der Welt, in denen er die ersten MS-DOS Befehle eintippte und Computer auseinanderschraubte, hinausgetreten. Das Smartphone macht auch den letzten (relevanten) Winkel der Welt digital. Fitnessapps und Youtube-Videos, Facebook-Posts und Smart-TV, Küchengerät und E-Government. Die Welt wird revolutioniert, weil digitalisiert. Auch das ist schon ein alter Hut. Was das spannende am Programmieren ist? Auf diese Frage kam stets die gleiche Antwort: „Es ist wie Rätsel lösen und Rätsel lösen macht Spaß. Du hast ein Problem und das muss gelöst werden.“ Und auch die Frage danach ob sie glauben mit ihrer Arbeit die Welt zu verändern, beantworteten die meisten mit „Ja!“.

Sie wollen doch nur spielen - oder - Sie wissen nicht was sie tun

Die Stimmung auf dem Kongress zeigt gut wie die Stimmung in der Branche allgemein ist. Das liegt auch daran, dass es „die Branche“ so nicht mehr gibt. Alles und jeder wird digitalisiert. Die Branche, das ist die Welt. Doch wenn die Welt von Menschen verändert wird, die eigentlich nur Rätsel lösen wollen, liegt die Frage nach den negativen Folgen auf der Hand. In dem vergleichsweise kleinen Saal E1, irgendwo hinten links an den Ständen vorbei, hielt der Finne Lassi Kurkijärvi, Experte für Künstliche Intelligenz, eine Rede mit dem Titel „Das Verhältnis zwischen künstlicher Intelligenz und dem Menschen“. Und seine Message war eindeutig: „Nichts ist nur eine Plattform, nichts nur ein Code.“ Wenn man schnell und einfach per Smartphone ein Taxi bestellen kann, verändert das einen Wirtschaftszweig. Wenn Menschen durch die Welt reisen und bei jemandem übernachten können, weil er ihnen gegen Geld einfach ein freies Zimmer anbietet, verändert das den Mietmarkt. Wenn Millionen Menschen gleichzeitig an einem digitalen Ort miteinander reden können, Videos teilen und das Leben der Anderen kommentieren, dann verändert das die Gesellschaft. Gerade Letzteres ist zum Spielraum für Hetze und Manipulation geworden, auch wenn niemand das Programm dafür geschrieben hat; #hatespeech #troll #democracy.

Lassi Kurkijärvi – Experte für künstliche Intelligenz - hielt eine Rede mit dem Titel 'Reshaping our minds and lives – how you build and prepare the coming human/AI partnership'. Foto: BR | Ruslan Amirov
Lassi Kurkijärvi – Experte für künstliche Intelligenz - hielt eine Rede mit dem Titel 'Reshaping our minds and lives – how you build and prepare the coming human/AI partnership'. Foto: BR | Ruslan Amirov

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Lassi Kurkijärvi – Experte für künstliche Intelligenz

Video: Ruslan Amirov

Kurkijärvi beschwört jedoch auch die Vorteile von künstlicher Intelligenz. Sie mache das Leben in vielerlei Hinsicht einfacher und führt uns Menschen dort zusammen, wo wir bisher getrennt waren. Die Entwicklung des Internets sieht er zu 99% positiv. Eine reaktionäre Politik hält er somit für falsch. Künstliche Intelligenz zu kontrollieren und zu sanktionieren würde am Ziel vorbeiführen. Menschen und künstliche Intelligenzen würden irgendwann zusammenleben und deswegen müssten auch beide frei sein. Jedoch so wie bei Menschen nicht das Menschsein sanktioniert werde, sollten auch bei künstlichen Intelligenzen nur die negativen Folgen kontrolliert werden, z.B. #datenschutz. Um diesen Schritt konsequent zu vollziehen, bräuchte es aber eine neue ethische Debatte. Nichts mehr sei nur noch ein unternehmerisches oder technisches Problem. Er schloss seine Rede mit einem Bezug auf Hannah Arendts „Banalität des Bösen“. „Wenn wir die Frage nach Gut und Böse nicht konsequent stellen, enden wir irgendwann automatisch beim Bösen.“ Und dabei wollen sie doch nur Rätsel lösen.

„Wenn wir die Frage nach Gut und Böse nicht konsequent stellen, enden wir irgendwann automatisch beim Bösen. Das ist eben die Banalität des Bösen."

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