Zwei, die sich verstehen: Puppi und Meeresbiologe Wolfgang Huber. Foto: BR | Michael Mandlik

Verliebte Meeresschildkröte ist Attraktion im Wiener ´Haus des Meeres´
´Puppi in Love´

Immer donnerstags ab 18 Uhr drücken sich die Kinder dichtgedrängt ihre Nasen platt an der Panzerglasscheibe des Hai-Aquariums und die Eltern dahinter filmen mit Handys und Actioncams das Geschehen auf der anderen Seite des Glases.

Denn Donnerstag ist „Puppi“-Tag im Wiener „Haus des Meeres“. Nicht, dass Puppi, die inzwischen stattliche Meeresschildkröte an anderen Tagen nicht auch zu besichtigen wäre. Immer am Donnerstag aber steigt Meeresbiologe Wolfgang Huber im Neopren-Tauchanzug ins Becken, um die Scheibe des Aquariums von den wöchentlich wiederkehrenden Planktonablagerungen zu reinigen. Und das ist Puppis Gelegenheit. Kaum dass Wolfgang über einen schmalen Einstieg ins Becken rutscht – schon ist Puppi da und möchte von ihm geknuddelt, gestreichelt und massiert werden. Man könnte auch sagen: Puppi ist gänzlich vernarrt in Wolfgang, der deshalb nur mit Mühe seiner Arbeit als Inside-Fensterputzer nachkommen kann. Sie ist ständig in seiner Nähe, stupst ihn immer wieder an und fordert so die uneingeschränkte Aufmerksamkeit des Meeresbiologen für sich ein. Erst nach ausgiebigen Knuddel-Einheiten lässt Puppi von Wolfgang ab, der sich dann beeilt, für die nächsten Minuten seiner eigentlichen Aufgabe, der Glasreinigung, nachzukommen. Denn Puppi ist wenig später schon wieder da und himmelt ihren Wolferl an.

Video: Tamara Link

Vor dem Suppentopf gerettet

Die „Love-Story“ zwischen Puppi und Wolferl hat sich längst über die Wiener Stadtgrenzen hinaus herum gesprochen. Vielleicht auch, weil Puppi durch Zufall beziehungsweise aus Tierliebe in Österreich gelandet ist. Eine Touristin hatte sie vor über 40 Jahren auf einem Markt in Male, der Hauptstadtinsel der Malediven, entdeckt. Die damals noch kleine Puppi war dort als Suppenschildkröte zum Verkauf angeboten. Die Touristin bekam Mitleid, kaufte Puppi und schaffte es anschließend, die Schildkröte wohlbehalten bis nach Wien zu transportieren. Seit nunmehr vielen Jahren lebt Puppi hier in ihrem eigenen Reich, einem stattlichen Meeresbecken, wo sie sich den Respekt aller anderen Mitbewohner erworben hat. Mehr noch: Puppi ist die unumschränkte Königin im Becken. Sogar die mittelgroßen Schwarzspitzen-Riffhaie machen ehrfürchtig Platz, wenn Puppi sich aufmacht, einige Runden in ihrem Reich zu drehen. Dabei ist Puppi auch sehr wachsam ,sie duldet keine Eindringlinge. Andere Meeresbiologen, die mit dem Reinigen des Aquariumsglases beauftragt worden waren, haben schon schmerzhafte Bekanntschaft mit Puppis kräftigen Beißwerkzeugen gemacht. Sogar der Zoodirektor ist schon gebissen worden. Bis, ja – bis der Meeresbiologe Wolferl kam. Seitdem ist Puppi mit ihm ein Herz und eine Seele – zur Freude und zum Entzücken der Besucher im Wiener „Haus des Meeres“.

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