Das Plakat zur Karl Marx Ausstellung in Wien. Foto: BR | Andrea Beer

Ausstellung zum zweihundertsten Geburtstag
Karl Marx in Wien

Am 27. August 1848 steigt Karl Marx am Wiener Nordbahnhof aus dem Zug. In der Habsburger Monarchie sieht er zwar ein despotisches System, doch nach mehr als 30 Stunden Eisenbahnfahrt wird er froh gewesen sein, anzukommen. Gemeinsam mit Friedrich Engels hat Marx das Kommunistische Manifest veröffentlicht und nun ist er auf einer Tour durch europäische Hauptstädte. Er will sehen, wie es um die Revolution vom Frühjahr 1848 steht. Er kommt aus Paris, wo die Revolution niedergeschlagen wurde und in Wien sieht es auch nicht gut aus. Zehn  Tage verbringt der damals dreißigjährige Marx in Wien und es wird sein einziger Besuch bleiben.

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Werner Bauer ist auch einer der Geschäftsführer des Waschsalons Nr. 2 im Karl-Marx-Hof in Wien.
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Als Marx nach Wien kommt ist das Kommunistische Manifest in der Habsburger Monarchie verboten. Es erscheint erst 1868 in einer Arbeiterzeitung. Doch Marx‘ Ideen und Theorien sind auch hier längst bekannt. Es gibt ohnehin nur 15 Fotos von Marx, meist mit seinen Töchtern. Und historische Dokumente und Objekte aus der Zeit seines Wienaufenthalts sind ebenfalls äußerst rar. Die beiden Kuratoren Lilli Bauer und Werner Bauer haben deswegen den Leipziger Illustrator und Comic-Künstler Peter M. Hoffmann gebeten, Marx‘ Spuren in Wien zu zeichnen. So sind neun Bildtafeln mit umseitigen Texten entstanden. Die Sonderausstellung ist Teil der Dauerausstellung über das „Rote Wien“ im Karl-Marx-Hof. Auf einer der Tafeln werden Besucher von einem schicken Karl Marx in Zylinder und Gehrock empfangen. Auf einer weiteren Tafel ist Marx im Leichenzug für die 18 Toten des Wiener Prateraufstands, wo sich Arbeiterinnen und Arbeiter gegen Lohnkürzungen gewehrt hatten, zu sehen. Grundlage für die ansprechenden Marxtafeln sind die peniblen  Recherchen der Bauers. Sie kennen sich nun aus mit Eigenheiten von Mode, Kutschen oder Wiener Gasthäusern des Jahres 1848 und vor allem mit dem politisch intellektuellen Radius den Karl Marx in Wien hatte oder gehabt haben könnte.

Im Riesenreich Habsburg ist damals vor allem die schwelende Nationalitätenfrage politisch brisant. Nach Ende des Ersten Weltkriegs entsteht dann das Sozialprojekt des „Roten Wien“ und der Austromarxismus. Die wichtigste Spur die Marx in der Ersten Republik Österreich hinterlässt. Geprägt von dem Philosophen und Soziologen Max Adler, dem Ökonomen und Theoretiker Rudolf Hilferding oder dem führenden Sozialdemokraten Otto Bauer, der Marx‘ Lehre innerhalb der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei weiterentwickelt.

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Im Namen von Karl Marx wurden viele Verbrechen begangen. Im „Roten Wien“ wurde der Austromarxismus zwischen 1919 und 1934 aber demokratisch umgesetzt.
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„Er hatte von Österreich gar keine hohe Meinung. Für ihn war, wie er (Marx) in einem Vortrag gesagt hat, Österreich das europäische China, eine Despotie mit Stillstand. Der selbst die Französische Revolution nichts anhaben konnte.“

Werner Bauer, Kurator der Ausstellung

„Ich weiß nicht was ein Marxist ist, aber ich weiß, dass ich keiner bin.“

Dieser Ausspruch wird Karl Marx zugeschrieben und der Gründer der österreichischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Viktor Adler zitiert diese Bonmots auf einer Trauerfeier am zehnten Todestag von Karl Marx.

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Hinweis:

Die Ausstellung Karl Marx in Wien ist noch bis 20.12.2018 zu sehen.

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