Spiel am Wiener Sport-Club-Platz. Immer nah dran am Geschehen. Foto: BR | Jan Heier

Lieblingsplatz: Der ´Sportclub-Platz´
Anachronismus im modernen Fußball

Das Stadion des drittklassigen Wiener Sport-Clubs, der Sportclub-Platz, ist der Beton gewordene Traum eines jeden Fußball-Romantikers. Großen Komfort, moderne Logen oder gar ein Dach über der legendären Friedhofstribüne sucht man vergebens. Stattdessen bekommt man ehrlichen – meist mäßig erfolgreichen – Fußball, eine super Stimmung und vor allem eine einzigartige Fanszene. Eingezwängt zwischen Wohnbauten, einer Schule und dem Dornbacher Friedhof wirkt der Sportclub-Platz wie das letzte Refugium der guten alten und selbstverständlich besseren Fußballzeit. Erbaut im Jahr 1904, gilt der Sportclub-Platz als ältester noch bespielter Platz Kontinentaleuropas. Und das Alter sieht man ihm auch an. Dach und Sitzbänke der Haupttribüne sind stark sanierungsbedürftig, es gibt immer wieder Stromausfälle – unter anderem bei einem Freundschaftsspiel gegen den FC Valencia – und neulich ist ein Wasserrohr gebrochen, was zum Ausfall mehrerer Toiletten geführt hat. Die lange Zeit gesperrte Tribüne auf der Kainzgasse konnte nur unter tatkräftiger Mithilfe der Fans saniert werden. Die Fans sind es auch, die das Stadionerlebnis zu etwas besonderem werden lassen. Gegner und Schiedsrichter werden nicht ausgepfiffen, sondern beklatscht. Passt sich ein Schiedsrichter dem Spielniveau an, wird er liebevoll als Enrico Pallazzo besungen. (Fans des Films „Nackte Kanone“ werden sich erinnern.) Es gibt keinen Capo, der alles vorsingen muss. Irgendjemand stimmt einen Chant an und der Rest macht meistens mit. Gerade auf der Fantribüne, der sogenannten Friedhofstribüne, wird immer wieder Geld für karitative Zwecke gesammelt, oder es werden soziale Einrichtungen unterstützt. Auch ist es den Fans zu verdanken, dass der Wiener Sportklub (ja mit K) wieder zum Wiener Sport-Club wurde. Dazu hat man mit Roland Spöttling noch einen blinden Platzsprecher. Wer sich jetzt immer noch nicht für einen Besuch am Sportclub-Platz begeistern kann, hat den Fußball wohl nie geliebt.

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